Schlagworte: Kommunikation

Running around in circles

[TL;DR: G+-Kreise soll­ten zwin­gend nach per­sön­li­cher Bezie­hung so Emp­fän­gern sor­tiert wer­den, der eigene “Interessen”-Output zwin­gend unge­fil­tert sein. Gründe enthalten.]

Google+ ist jetzt ein paar Tage drau­ßen und ich muss auch mal etwas Senf dazu ablas­sen. Nicht über das Netz­werk an und für sich oder irgend­wel­che Erfolgs­pro­gno­sen gegen Face­book oder Daten­schutz­be­den­ken oder sonst irgendwas.

Son­dern über eines der Fea­tures. Nein, nicht das her­vor­ra­gende Han­gout oder das umstrit­tende Huddle, son­dern das defi­nie­rende Fea­ture: Circles.

Im Prin­zip sind die näm­lich ziem­lich cool. Man kann uni­la­te­ral fest­le­gen, wie man Kon­takte grup­pie­ren will, mit einem sehr ein­fa­chen UI zum sowohl Fest­le­gen der Gruppe als auch des Aus­wäh­len der Ziel­kreise beim Ver­fas­sen von Beiträgen.

Das Pro­blem ist nur, wenn man dies dann mal tat­säch­lich prak­tisch ange­hen will. Ich habe mich näm­lich schon immer extrem schwer getan, Kon­takte zu grup­pie­ren. Als Bei­spiel bringe ich mei­nen IM heran, wo ich frü­her notiert habe, woher ich Leute eigent­lich kannte, um sie in einen Kon­text zu stecken.

Das hat sich dann mit einer Weile auch über­holt, vor allem wegen Über­schnei­dun­gen. Also habe ich dann irgend­wann ein­fach umge­sat­telt auf geo­co­ding:

Meine Kon­takt­liste, eingeklappt.

Dies hat den Vor­teil, daß zum einen das Manage­ment der Grup­pen recht ein­fach ist (da Leute nicht dau­ernd umzie­hen), und es nie­man­den in eine unnö­tige Schub­lade steckt. Außer­dem hat man natür­lich den prak­ti­schen Vor­teil, leicht jeman­den aus einer gewis­sen Gegend zum anspre­chen zu fin­den, sollte es nötig sein.

Das könnte ich jetzt auch bei Google+ machen, aber es würde ziem­lich wenig bringen.

Warum? Die Kom­mu­ni­ka­tion ist natür­lich anders. Bei Google+ sende ich, ähnlich wie auf Twit­ter und FB, an viele Per­so­nen gleichzeitig.

Was ich also bei G+ brau­che ist keine Sor­tier­ka­te­go­rie, son­dern eine Emp­fangs­ka­te­go­rie. Ich will nicht wis­sen, wo wer zuge­hö­rig ist, son­dern ob es die Per­son tan­giert (oder zu tan­gie­ren hat), was ich schreibe.

Und das ist eigent­lich ein ziem­li­ches Pro­blem, wenn man so mal drü­ber nachdenkt.

Um Bei­spiele aus dem Leben zu grei­fen: ich bin letz­tens über ein Minecraft-Video gestol­pert, wel­ches einen 3D-​​Printer zeigt, der in MC gebaut wurde.

Naïv gese­hen würde ich jetzt den Zir­kel “Mine­craft” (unter der Vor­aus­set­zung, daß die­ser exis­tiert) als Ziel­gruppe bestim­men und gut ist, oder?

Hier kom­men wir aber lei­der in eine von Men­schen gern unter­schätzte Pro­ble­ma­tik: die eigene Ignoranz.

Ich wüsste sofort, wen ich alles in die­sen Minecraft-​​Zirkel ste­cken muss. Und das ist das Pro­blem — ich glaub, daß ich weiß, wer von mei­nem erwei­ter­ten Bekann­ten­kreis alles Mine­craft spielt. Dabei ist das für hin­rei­chend große Kreise aus­ser­halb einer engen Gruppe von Freunde ziem­lich schwer.

Ich könnte jetzt hier wie­der mit der monkeysphere kom­men, aber im Prin­zip ist es ein­fach ein Ska­lie­rungs­pro­blem. Unab­hän­gig von pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Num­mern wird es ein­fach ver­dammt schwer, zu ver­fol­gen, wer im eige­nen Bekann­ten­kreis alles wel­che Inter­es­sen hat. Oder, noch schlim­mer, mal hatte, und zwar nicht mehr daran inter­es­siert ist, aber trotz­dem eine fun­dierte Mei­nung dazu abge­ben kann.

Und dann kommt noch oben drauf, daß es auch noch Leute, die einem fol­gen, gibt, deren Inter­es­sen ja gar nicht mal auf dem eige­nen Schirm sind.

Eigent­lich müsste man also sehr, sehr viel mehr impli­zit öffent­lich tei­len, weil man ein­fach sel­ber nicht urtei­len kann, ob es andere Leute angeht. Man sel­ber müsste sich zu einem unge­fil­ter­ten Out­put machen, wo andere den Fil­ter drüberlegen.

Das geht natür­lich dank der Zir­kel in G+ wie­der recht gut, aber zumin­dest mein eige­nes Nut­zungs­ver­hal­ten des Diens­tes sagt mir, dass ich sel­ten expli­zit in Cir­cles schaue, son­dern eher grob den gan­zen Stream über­fliege und mei­nem Unbe­wuss­ten die Fil­ter­ar­beit überlasse.

Ein ähnli­ches Pro­blem stellt sich auch bei Twit­ter ein, und — ohne mich jetzt da näher drauf ein­ge­las­sen zu haben — dürfte es auch mit +Michael Seemanns Gedan­ken zur Fil­ter­sou­ve­rä­ni­tät und Kon­troll­ver­lust teil­weise einhergehen.

Auch nicht zu ver­ges­sen ist hier natür­lich ein Datenschutz-​​Aspekt über das Pri­vat­hal­ten von Infor­ma­tio­nen über einen selbst, aber das ist ein ganz ande­rer The­men­kom­plex. Und im Rah­men mei­ner Argu­men­ta­tion ist es auch nicht son­der­lich zutref­fend, da man immer­hin (rein von der Mecha­nik her) ziem­lich gute Kon­trolle dar­über hat, wer letzt­end­lich etwas zu sehen bekommt. [Cue “Google IST ein Advertisement-​​Anbieter und hat daher genau kein Inter­esse daran, erho­bene Daten an andere zu verkaufen.”-Debatte.]

Im End­ef­fekt läuft es also dar­auf hin­aus, daß man ein­fach kein “Interessen”-basiertes Fil­tern betreibt, da es nicht die Rea­li­tät widerspiegelt.

Also bleibt natür­lich nur die logi­sche Schluß­fol­ge­rung: bezie­hungs­tech­ni­sches Fil­tern. Man fil­tern nicht danach, wen es inter­es­sie­ren könnte, son­dern wen es angeht. Und dies führt zu rela­tiv inter­es­san­ten Überlegungen.

Zum einen fällt hier natür­lich sofort eine Ziel­gruppe auf, die bei den meis­ten Leu­ten “Freunde” heisst. Umschrei­ben könnte man sie mit “Gruppe von Men­schen, mit denen ich mein (Privat)leben teile.”

Ebenso fal­len dann natür­lich wei­tere Kreise auf, zum Bei­spiel “Kol­le­gen”, “Ver­ein xyz”, “Poker­gruppe”, etc.

Die Frage, die sich dann natür­lich schon so ein bischen auf­tut, gerade mit dem Fokus auf das Tei­len, ist der Bedarf eines social net­work an die­ser Stelle.

Wo wir hier ankom­men ist im gewis­sen Sinne auch ein biss­chen Ent­frem­dung von dem Gedan­ken, daß man sich immer inten­siv und per­sön­lich mit Leu­ten beschäf­tigt, wobei unfrei­wil­lig gerne mal Bekannte, die zu einem Zeit­punkt t nicht in “infor­ma­ti­ons­tech­ni­scher Kon­tin­genz” waren, unter den Schirm fallen.

Was ich damit meine ist das, was viele Leute bestimmt ken­nen: Ein Satz der Form “Habe ich Dir das nicht erzählt?” — denn nein, man war gerade nicht zufäl­lig erreich­bar, als diese Per­son das all zu sehr beschäf­tigte, und als dies dann aus dem unmit­tel­ba­ren Auf­merk­sam­keits­fo­kus fiel, ver­gaß man auch, jeman­den nach­träg­lich zu informieren.

Denn mal ehr­lich, wer führt irgend­wel­che Lis­ten, wo er notiert, ob er Fak­tum x and Per­son y wei­ter­ge­ben hat.

Also hier: Zir­kel. Raus­hauen und jeder, den man meint, der es inter­es­siert, hat Zugriff auf diese Infor­ma­tion, selbst wenn es viel­leicht in den Fil­tern auf Emp­fäng­er­seite kle­ben bleibt — aber man sel­ber hat seine soziale “Schul­dig­keit” getan.

Man sollte jetzt mei­nen, daß diese Ver­fah­ren schon exis­tie­ren, aber meist tun sie das eben nicht. Face­book hatte die Chance dazu, sowas zu machen, haben es aber ver­hunzt, indem sie Bila­te­ra­li­tät vor­aus­set­zen und das Inter­face ver­hunzt haben.

Und Bila­te­ri­la­tät ist hier echt schäd­lich. Ich habe da aus per­sön­li­cher Erfah­rung im IRC gemerkt, daß eben­jene Bila­te­ra­li­tät in Bekann­ten­krei­sen nicht gege­ben ist, und da gerade bei syn­chro­ner Kom­mu­ni­ka­tion über “Cha­t­räume”, z.B., es ein­fach irgend­wann dar­auf hin­aus­läuft, daß jeder sei­nen eige­nen “Zir­kel” auf­macht und alle Leute ein­lädt, mit denen er klar­kommt — und kei­ner der Leute drin ist, die er ein­fach nicht lei­den kann.

Das Pro­blem hier­bei ist wie­der die Infor­ma­ti­ons­du­pli­ka­tion. Man will nicht hin­ge­hen und in jedem ein­zel­nen Chan­nel alles noch­mal neu schrei­ben, um even­tu­ell Leute, die nicht im eige­nen ‘Stamm­ka­nal’ x sein kön­nen, zu erreichen.

Asyn­chron hätte Face­book dies schaf­fen kön­nen, aber sie set­zen Bila­te­ra­li­tät in ihren Grup­pen vor­aus, was den gan­zen Punkt irgend­wie schwach­sin­nig macht.

Hier kommt dann also G+ ins Spiel. Es ist asyn­chron, aber uni­la­te­ral — man sel­ber bestimmt, wer etwas lesen kann — es gibt eine Impli­ka­tion, dass jemand ande­res es lesen muss, oder daß andere “gemein­same Bekannte” es zugleich auch lesen müssen.

Und das ist ein gewal­ti­ger Vorteil.

Was ich mir jetzt an die­ser Stelle noch Wün­sche ist die Erwei­te­rung auf eine syn­chrone Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­thode, die genau dies kann.

Man sollte jetzt mei­nen, daß sei schwer, aber nein, da hatte Google auch schon mal was gemacht, was man nur erwei­tern müsste, näm­lich Wave. Die Gedan­ken dazu schreibe ich ein andern­mal auf.

Ein klei­ner Nach­trag, den ich mir wei­ter oben noch notiert hatte: natür­lich gibt es einen Bedarf daran, daß man eine bekannte Inter­es­sen­gruppe nach ein­ga­ben zu etwas fra­gen will, zum Bei­spiel. Wenn es jetzt eine Frage zu poli­ti­schen The­men ist, zum Bei­spiel, möchte ich nicht unbe­dingt, daß da Leute vom Stamm­tisch undif­fe­ren­ziert dazwi­schen­re­den, son­dern nur Leute, auf deren poli­ti­sche Mei­nung ich Wert lege.

Und das erklärt auch schon den Punkt: hier ist eine impli­zite Annahme der Kom­pe­tenz, und in dem Sinne kein rei­nes Inter­esse, son­dern ein “trus­ted inte­rest”, bei dem man der ande­ren Per­son ver­traut, schlau zu sein. Also eine Gruppe, die sich über per­sön­li­che Bezie­hung defi­niert — und, auch, wie­der uni­di­rek­tio­nal ist. Nur weil ich +Stephan Urbach sei­ner Mei­nung bei eini­gen poli­ti­schen Din­gen ver­traue, heisst das nicht, dass er meine Mei­nung wei­ter wer­fen will als er mich kann.

Das wurde jetzt etwas aus­schwei­fen­der als erwar­tet, aber hof­fent­lich gibt’s einen Denk­an­stoß, die eigene Vor­ge­hens­weise mal kri­tisch zu betrach­ten. Gegen­mei­nun­gen willkommen!

P.S.: Habe ich gerade eben ver­sucht, G+ als glo­ba­len Personen-​​Identifier zu nut­zen? Oh boy. Das wird spannend.

Meinungsbilder im Internet

Das Inter­net hatte schon immer große Pro­bleme, Bewer­tung von “der Masse” zu bekommen.

Pos­tu­liere ich jetzt mal so.

Aber die Tat­sa­chen lie­gen eigent­lich sehr deut­lich auf der Hand:

  1. Kom­men­tar­funk­tio­nen sind öfters “umständlich”.
  2. Gute Kom­men­tare erfor­dern eine gewisse men­tale Leistung.
  3. Ein­fa­che Kom­men­tare der Form “me tooo!!!11einself” sind ver­pöhnt (und in den meis­ten Sys­te­men doch “gleich­wer­tig” zu vol­len Kommentaren).

Umständ­lich­keit

Die meis­ten Kom­men­tar­funk­tio­nen erlau­ben es einem nicht, schnell und unkom­pli­ziert Kom­men­tare zu las­sen. Oft braucht man eine gewisse Form der Anmel­dung, um seine Mei­nung kund­tun zu dür­fen, von den “ein­fa­chen” Model­len, Name und Mail­adresse anzu­ge­ben, bis hin zum Erstel­len von Benutzerkonten.

Natür­lich hat die Abwe­gung dabei auch sehr prak­ti­sche Ursa­chen, denn viele Leute wol­len nicht unbe­dingt von jedem Kommentare.

Man mag jetzt kurz inne­hal­ten und sich fra­gen: “Aber wenn sie nicht von jedem Kom­men­tare wol­len, warum hät­ten sie dann Grund, sich zu beschwe­ren?” Ganz ein­fach: “Jeder” im Inter­net ist ein­deu­tig nicht gleich­be­deu­tet mit “Jeder Mensch”.

Es gibt genug Spam­mer im Inter­net, die ver­su­chen, durch Kom­men­tare auf Blo­g­ar­ti­kel Auf­merk­sam­keit auf ihre eige­nen Inhalte zu len­ken. Mal ist das rein geschäft­lich inter­es­sant für sie, mal isses ideologisch/​egoistisch inter­es­sant. Im letz­te­ren Falle ist es halb­wegs ver­zeih­bar, da sowas ja zu einer Dis­kus­sion gehört; aber der erste Punkt ist die Crux der Sache.

Wenn man sein Sys­tem für jeder­mann öffnet, dann ist ein Groß­teil davon “unso­li­ted com­mer­cial con­tent”, also Wer­bung. Kleine Sta­tis­tik dazu: seit hier Akis­met läuft, hat es 58.142 mal Müll gekillt, und ich habe 348 echte Kom­men­tare. Das führt dem­nach zu einem Signal-​​Rausch-​​Verhältnis im Promillebereich.

Also muß man Abstri­che gegen­über der Ein­fach­heit täti­gen: man ver­langt gewisse Authen­ti­fi­zie­rung, damit man nicht im Nach­hin­ein irgend­wel­che Wer­bung von sei­ner Seite ent­fer­nen muss, und unlieb­same Nut­zer aus­schlies­sen kann. Also kann man sagen, daß man zum Bei­spiel einen Namen und eine Mail­adresse haben will. Für den gemei­nen Spam­mer, egal wel­cher Gat­tung, macht das kei­nen Unter­schied: die sind schnell hin­ge­schrie­ben, und da das Feld nicht geprüft wird, ist es auch egal, was drin steht.

Nun beste­hen zwei ver­schie­dene Eska­la­ti­ons­pfade: Mode­ra­tion oder (zustim­mungs­be­dürf­tige) Accoun­ter­stel­lung. Ich habe mich für die Mode­ra­tion zusam­men mit einem Spam­fil­ter ent­schie­den, da der Kom­men­tar­durch­satz abseits des Spam­fil­ters bewäl­tig­bar ist (sta­tis­tisch: weni­ger als ein Kom­men­tar am Tag).

Sobald man aber ein höhe­res Kom­men­tar­vo­lu­men erreicht, wird Mode­ra­tion auch eine Sache. Hier kann man noch ska­lie­ren, in dem man nur eine Initi­al­mo­de­ra­tion als erfor­der­lich betrach­tet, und alle nach­fol­gen­den Bei­träge als geneh­migt gel­ten. Aber auch das ska­liert wie­derum nur bis zu einer gewis­sen Größe, und ist auch rela­tiv arbeitsaufwendig.

Aus Grün­den der Faul­heit also grei­fen viele zu einer Anmel­dungs­lö­sung. Dies funk­tio­niert ähnlich wie die Initi­al­mo­de­ra­tion, nur daß man meist einen Mail­ver­kehr initi­iert, und eine erfolg­rei­che Bestä­ti­gung der Mail­adresse als hin­rei­chend für eine Erst­mo­de­ra­tion akzep­tiert. Dies funk­tio­niert rela­tiv erfolg­reich bei der (kom­mer­zi­el­len) Spamab­wehr, da ein koor­di­nier­ter Mail­aus­tausch nicht kos­ten­ef­fek­tiv ist im Ver­gleich zum stump­fen auto­ma­ti­sier­ten Raus­hauen von Kommentaren.

Tech­nisch gese­hen ist es nicht auf­wen­dig, einen Par­ser für die Standard-​​Authorisierungsmails zu schrei­ben und dann über eine frei zugreif­bare Drop­box zu arbei­ten, aber das hat sich bis­her wahr­schein­lich wegen Bedarf einer zen­tra­li­sier­ten Mini­mal­struk­tur nicht durchgesetzt.

Das Pro­blem hier­bei ist es dann, daß es für viele “ein­ma­lige” Kom­men­tare ein­fach zu umständ­lich ist, sich die­ser Pro­ze­dur zu unter­zie­hen. Wenn man unbe­dingt einen lan­gen Kom­men­tar zu einem Thema los­wer­den will springt man viel­leicht noch durch die Hür­den, aber wenn die Wahl zwi­schen “User­na­men und Pass­wort aus­den­ken, Anga­ben ver­voll­stän­di­gen, auf Mail war­ten und Link kli­cken, dann Kom­men­tar schrei­ben” und “Ach­seln zucken und Tab schlie­ßen” liegt, so wird doch oft der letz­tere Fall gewählt.

Und wer kann’s einem ver­übeln, denn im ech­ten Leben war­ten man auch nur kurz dar­auf, sei­nen Mund zu öffnen, wenn man die Chance hat.

Was also her muss ist eine tri­viale Art und Weise, Kom­men­tare abzu­las­sen. Hier wit­tern gerade Social Net­works ihre Chance; zum Bei­spiel Face­book, wel­ches einen “Like”-Button anbie­tet, der zum tri­via­len “Ich mag Dei­nen Bei­trag” mit­tei­len ideal ist, wenn man denn einen Facebook-​​Account hat. Sol­che Metho­den haben gewisse Vorteile:

  • Dem Betrei­ber steht eine viel höhere Betei­li­gung in Aus­sicht, da weit mehr Leute schon einen Facebook-​​Account haben als sein Blog je Benutzer.
  • Ein rei­nes “Like” führt zu kei­nem erhöh­ten Schutz­be­darf vor Spam. Für posi­tive und nega­tive Bewer­tung wäre es auch sim­pel, Stimm­ab­ga­ben von einem bestimm­ten Benut­zer für ungül­tig zu erklären.
  • Für den Leser bie­tet es den Vor­teil, daß er kei­nen wei­te­ren Account braucht, und auto­ma­gisch als authen­ti­fi­ziert gilt.

Der Nach­teil, natür­lich, ist hier­bei mal wie­der die Pri­vat­sphäre, denn so kriegt der Social Network-​​Provider genau mit, was man in (gewis­sen Tei­len des) Inter­net macht. Und das will man eigent­lich nicht.

Etwas mehr Details zum “Spaß” des Like­but­tons gibt’s auf Basic Thinking. Wer einen Facebook-​​Account hat sollte sich ein­fach mal "Das gefällt uns" anschauen und sich gru­se­lig schütteln.

Es gibt wie­derum andere Authen­ti­fi­zie­rungs­me­tho­den, die rela­tiv tri­vial sind und eine etwas gerin­gere Ein­schrän­kung der Pri­vat­sphäre mit sich füh­ren, näm­lich Dienste wie OAuth und OpenID.

Diese ermög­li­chen es einem, quasi per Klick (wenn von der Web­seite unter­stützt) oder mit dem Ein­ge­ben eines URL sich mit einem Account zu authen­ti­fi­zie­ren, wobei die Aut­ho­ri­sie­rung nicht über den Benut­zer geht, son­dern über die jewei­li­gen Webseiten.

Dabei kann man die meis­ten sei­ner “gro­ßen” offe­nen Accounts benutz­ten, zum Bei­spiel sei­nen Google-​​Account, Face­book, Yahoo oder sogar MyS­pace, wenn ich mich nicht irre, aber man kann auch ein­fach sei­nen eige­nen Authen­ti­fi­ka­tor hoch­zie­hen, wenn man Beden­ken zur Pri­vat­sphäre dabei hat. Die meis­ten Blogs kön­nen inzwi­schen ein­fach zu OpenID-​​Providern umge­strickt wer­den, sprich man gibt als “OpenID-​​URL” den URL sei­nes Blogs an, und das reicht.

Der “authen­ti­ca­tion pro­vi­der” (Google, etc., oder z.B. das eigene Blog) erhält hier­bei den URL der auf­ru­fen­den Seite — min­des­tens also wo man sich anmel­det (z.B. sozial-herausgefordert.de), im unge­schick­te­ren Falle auch den jewei­li­gen Inhalt, z.B. den URL zum Blog­post. Wei­tere per­son­be­zo­gene Infor­ma­tio­nen wer­den aber nicht aus­ge­tauscht, also schon mal ein Fortschritt.

Der Vor­teil hier­bei ist, daß es ähnlich gut ska­liert wie eine Mail­re­gis­trie­rung, aber ein­fa­cher für alle Sei­ten ist. Der Nach­teil wie­derum ist die man­gelnde Ver­brei­tung des Wis­sens über die Tech­nik. Browser-​​Plugins, die even­tu­elle Infor­ma­tio­nen auto­ma­gisch ein­tra­gen, so daß man schnell abstim­men kann, sind nicht weit ver­brei­tet, und die wenigs­ten Men­schen mit z.B. einer Yahoo-​​Mailadresse wüss­ten weder, was OpenID ist, und ins­be­son­dere nicht, daß sie auch schon OpenID haben.

Von daher ist die Facebook-​​Methode halt von der Umständ­lich­keit her ideal, da sie ein bereits bekann­tes Kon­zept nimmt und ein­fach logisch fort­setzt. Der nächste Schritt wäre, OpenID oder OAuth so intui­tiv klar in Blogs ein­zu­bauen, daß es jeder benut­zen kann, ohne Anleitung.

Wei­tere Nach­for­schung in der Rich­tung ist auf mei­ner TODO-​​Liste.

Kom­men­tar­qua­li­tät

Für viele Leute ist es oft zu umständ­lich, einen län­ge­ren und aus­führ­li­chen Kom­men­tar zu schrei­ben. Oft reicht die Muße nicht mal dazu, selbst einen kur­zen Satz zu ver­fas­sen, vor allem wenn man nicht glaubt, daß der eigene Kurz­kom­men­tar von beson­de­rem Wert wäre.

Daher gibt man sich gemein­hin dann nicht die Blöße und schreibt ein­fach gar nichts.

Das ist zwar Jeder­manns gutes Recht, aber gerade wenn man irgend­wel­che Inhalte anbie­tet hat man doch ein rela­tiv gro­ßes Inter­esse, genau her­aus­zu­fin­den, wie jeder Besu­cher über die­sen denkt.

Daher sat­teln auch lang­sam viele popu­lä­rere Dienste auf Kom­men­tare im “Grunzlaute”-Niveau hin. Face­book hat sei­nen Like-​​Button ein­ge­führt, um zu sagen, daß man Inhalt inter­es­sant fand. YouTube hat nebst sei­ner Kom­men­tar­funk­tion unlängst ein ein­fa­ches “Dau­men hoch/​Daumen runter”-Rating ein­ge­führt (und damit sein Sterne-​​Rating abge­löst), wel­ches um ein Viel­fa­ches belieb­ter ist als das Schrei­ben von Kom­men­ta­ren. Und das auf YouTube, wel­ches nicht gerade wegen sei­ner gepflo­ge­nen Kom­men­t­ar­kul­tur bekannt ist.

Dazu gibt es natür­lich auch noch andere Metho­den, die sich viel­leicht sogar für den Betrei­ber mehr loh­nen. Inzwi­schen habe ich zum Bei­spiel auch Flattr hier ein­ge­bun­den, halte mich aber noch davon zurück, einfach Inhalt zu scheißen und auf's Beste zu hoffen. Wie der Herr Urbach anmerkt ist Flattr natür­lich ein idea­les Medium, um neben dem “gefällt mir” noch ein “Danke” auf einen Arti­kel zu setzen.

Von daher sieht es so aus, als müsste man die Kom­men­tar­funk­tio­nen auf Blogs und Web­sei­ten mal grund­sätz­lich ver­ein­fa­chen, am bes­ten annä­hernd ver­ein­heit­li­chen durch eine gemein­sam nutz­bare Bibliothek.

Die Punkte, die zu erfül­len sind:

  1. Inte­gra­tion und kin­der­leichte Bedie­nung von ein­fa­chen Authen­ti­fi­ka­ti­ons­ver­fah­ren wie OAuth/​OpenID.
  2. Unter­stüt­zung von “ein­fa­chen” Kom­men­ta­ren wie “Gefällt mir”/“Gefällt mir nicht”.
  3. Option auf Zuwen­dung an den Autor bzw. halt Contentvergütung.

Jetzt muss es nur noch wer machen.