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Warum manche Leute vor IPv6 warnen

Ihr habt es viel­leicht in letz­ter Zeit hin und wie­der gele­sen: Datenschützer warnen vor IPv6. In einem Neben­satz warnt auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger davor, daß IPv6 böse ist.

Die ers­ten empör­ten Kom­men­tare echauf­fie­ren sich dar­über, daß eine Jus­tiz­mi­nis­te­rin sich erdreiste, über ein Netz­werk­pro­to­koll Aus­sa­gen zu fäl­len. Uner­hört, sowas! Schließ­lich lässt sich ein gemei­ner Netz­wer­kad­mi­nis­tra­tor auch nicht zu Kom­men­ta­ren über das Urhe­ber­recht hin­rei­ßen! Wait…

Unan­ge­mes­sene Ver­glei­che bei­seite las­send darf sol­che Kri­tik sehr wohl erfol­gen, denn sie basiert auf feh­len­dem Wis­sen — und ist in Anbe­tracht des feh­len­den Wis­sens eine sehr kluge Ermahnung.

Worum es näm­lich eigent­lich geht ist, was den wer­ten Her­ren und Damen in ihrem Brie­fing erzählt wurde: mit IPv6 ist es mög­lich — und nicht unwahr­schein­lich — das jeder Rech­ner, oder zumin­dest jeder Kunde eines Inter­net­pro­vi­ders, eine durch­ge­hend zuor­den­bare Adresse haben wird. Das ist aus daten­schutz­recht­li­cher Sicht kri­tisch und fügt sich schön in von Frank erwähnte Bedenken ein.

Son­der­lich viel wei­ter als bis zu die­sem Pro­blem­punkt wird hier nicht gedacht. Dies war auch mit IPv4 theo­re­tisch mög­li­chen (wis­sen wir), es ist auch mit IPv6 mög­lich, diese Bedenken auf den bisherigen Zustand zu reduzieren (wis­sen wir).

Das ändert auch nichts an der Kri­tik an der Tech­nik im All­ge­mei­nen — denn schauen wir uns ein­fach mal den ver­meint­li­chen Wort­laut an, wie er im taz-​​Artikel steht:

Zudem warnte die Jus­tiz­mi­nis­te­rin vor dem neuen Inter­net­pro­to­koll IPv6, das seit weni­gen Tagen gilt und theo­re­tisch jedem User eine per­sön­li­che Netz­ken­nung zuwei­sen kann. „Wir müs­sen auf­pas­sen, dass die neue Tech­nik nicht dazu führt, dass jeder User in sei­nem Surf­ver­hal­ten iden­ti­fi­ziert wer­den kann“, mahnte Leutheusser-​​Schnarrenberger. „Das neue Inter­net­pro­to­koll darf nicht zu einem Über­wa­chungs­in­stru­ment werden.“

Huch. Wenn man hin­liest merkt man, dass es kein “IPv6 ist böse!” ist, son­dern ein “Man sollte es behut­sam ein­set­zen, da es zur Über­wa­chung miss­braucht wer­den kann”. Die­sen Ein­wand abzu­schmet­tern, gerade in der heu­ti­gen recht­li­chen Land­schaft, wo Inhal­te­an­bie­tern im Inter­net vor­ge­schrie­ben wird, sich wie Rund­funk­an­bie­ter anzu­bie­ten, und die Regie­rung ver­meint, das Netz sau­ber in “Sen­der” und “Emp­fän­ger” ein­zu­tei­len, wäre leicht­sin­nig und eine Belei­di­gung an die viel zu rare Umsicht, die bei die­ser Ankün­di­gung gezeigt wurde.

3 comments

  1. Vickypedia

    Ich klinge jetzt bestimmt total dumm, aber ist es denn über­haupt mög­lich das mit IPv6 so zu machen dass es daten­schutz­recht­lich so unbe­denk­lich wie IPv4 ist? Gibt es dafür schon Ideen?

  2. Ping: Warum eigentlich IPv6? at qrios

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