Über die Vehemenz von Standpunkten

Warum es so wirkt, als würde ich unwiderruflich auf meinem Standpunkt beharren.

Warum man so überzeugt sein kann.

Was ich öfters mal vorgeworfen bekomme ist, daß meine Meinung angeblich in Stein gegossen und unveränderlich sei. Sobald ich eine habe könne man daran nichts mehr rütteln.

Das ist falsch.

Aber ich verstehe, warum Leute sowas glauben.

Das Problem daran ist eine sehr, sehr schwache Diskussionskultur bei vielen. Wovon viele ausgehen ist, daß man als jemand, der „bediskutiert“ wird über eine Meinung, schon quasi eine moralische Verantwortung hat, auf das Diskutieren einzugehen.

Das sehe ich nicht ein. Ich finde nicht, daß es angemessen ist, aus „Nettigkeit“ nachzugeben, weil jemand anderes einen andere Meinung mir präsentiert. Ich bin vielleicht teilweise sehr schnell auf meine Meinung gekommen, aber warum sollte ich diese sofort wegwerfen?

Wenn ich der Überzeugung bin, daß sich meine Meinung auf soliden Grundlagen beruft, dann vertrete ich sie bis zum Beweis des Gegenteils. Wenn Leute subjektive Argumente dagegen bringen, die keinen wirklichen Halt haben und teilweise nicht mal das, was ich behaupte, entkräften, gibt es keinen Anlass, auch nur im Geringsten nachzugeben.

Im Gegensatz dazu bin ich sofort und unmittelbar bereit, von einer Meinung abzuweichen, wenn mir konkrete Beispiele gegeben werden, die diese widerlegen, oder ein Argument diese ganz zerlegt. Das wiederum schockiert Leute öfters, wie «schnell» ich dann scheinbar von einem Standpunkt runterkomme.

Kurzum: wenn Leute mit mir diskutieren wollen, müssen sie von ihrer Meinung _selber_ überzeugt sein. Wer irgendwelche halbgaren Ideen im Kopf hat und die mir aufbinden will hat ein Problem. Wenn man dann auch noch knatschig wird, weil ich auf so einem intellektuellen U-Bahn-Niveau ich nicht mitspielen, dann hat man ein gewaltiges Problem.

Und wenn’s halt keine Möglichkeit gibt, die Meinungen zu vereinbaren (weil sie beide auf subjektiven Wahrnehmungen beruhen, usually), dann einigt man sich halt darauf, anderer Meinung zu sein.

Das ist doch alles gar nicht so schwer.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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