12. Dezember 2011: Über die Vehemenz von Standpunkten

Warum man so über­zeugt sein kann.

Was ich öfters mal vor­ge­wor­fen bekomme ist, daß meine Mei­nung angeb­lich in Stein gegos­sen und unver­än­der­lich sei. Sobald ich eine habe könne man daran nichts mehr rütteln.

Das ist falsch.

Aber ich ver­stehe, warum Leute sowas glauben.

Das Pro­blem daran ist eine sehr, sehr schwa­che Dis­kus­si­ons­kul­tur bei vie­len. Wovon viele aus­ge­hen ist, daß man als jemand, der “bedis­ku­tiert” wird über eine Mei­nung, schon quasi eine mora­li­sche Ver­ant­wor­tung hat, auf das Dis­ku­tie­ren einzugehen.

Das sehe ich nicht ein. Ich finde nicht, daß es ange­mes­sen ist, aus “Net­tig­keit” nach­zu­ge­ben, weil jemand ande­res einen andere Mei­nung mir prä­sen­tiert. Ich bin viel­leicht teil­weise sehr schnell auf meine Mei­nung gekom­men, aber warum sollte ich diese sofort wegwerfen?

Wenn ich der Über­zeu­gung bin, daß sich meine Mei­nung auf soli­den Grund­la­gen beruft, dann ver­trete ich sie bis zum Beweis des Gegen­teils. Wenn Leute sub­jek­tive Argu­mente dage­gen brin­gen, die kei­nen wirk­li­chen Halt haben und teil­weise nicht mal das, was ich behaupte, ent­kräf­ten, gibt es kei­nen Anlass, auch nur im Gerings­ten nachzugeben.

Im Gegen­satz dazu bin ich sofort und unmit­tel­bar bereit, von einer Mei­nung abzu­wei­chen, wenn mir kon­krete Bei­spiele gege­ben wer­den, die diese wider­le­gen, oder ein Argu­ment diese ganz zer­legt. Das wie­derum scho­ckiert Leute öfters, wie «schnell» ich dann schein­bar von einem Stand­punkt runterkomme.

Kurzum: wenn Leute mit mir dis­ku­tie­ren wol­len, müs­sen sie von ihrer Mei­nung _​selber_​ über­zeugt sein. Wer irgend­wel­che halb­ga­ren Ideen im Kopf hat und die mir auf­bin­den will hat ein Pro­blem. Wenn man dann auch noch knatschig wird, weil ich auf so einem intel­lek­tu­el­len U-​​Bahn-​​Niveau ich nicht mit­spie­len, dann hat man ein gewal­ti­ges Problem.

Und wenn’s halt keine Mög­lich­keit gibt, die Mei­nun­gen zu ver­ein­ba­ren (weil sie beide auf sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mun­gen beru­hen, usually), dann einigt man sich halt dar­auf, ande­rer Mei­nung zu sein.

Das ist doch alles gar nicht so schwer.

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