Sprachverständnis?

Rant über „Journalisten“, die zu blöd sind, Quellen zu lesen.

Ich konnte nicht ganz verstehen, wie man eigentlich auf so hanebüchenen Unsinn kommt, wenn man durch Quellen stöbert.

Angelika Slawik von der Süddeutschen berichtet über Googles konsolidierte Werbeplattform DDP über interessante Theorien:

„Konkret geht es dabei um eine Dienstleistung für die Werbeindustrie: Künftig sollen Werber bei Google Daten von Verbrauchern kaufen können, mit Name, Adresse und, vor allem, nach Interessen sortiert.“

Nach längerem Suchen fand ich jetzt keine Stelle, die genau das belegt. Aaaaber (Hervorhebungen von mir):

Here’s how a data exchange works: publishers and third-party providers, such as BlueKai and Exelate, would be able to feed their data into the market and advertisers could dip in and buy audience segments, such as people shopping for new cars or planning a trip, soccer moms in Ohio, or readers of certain sites like The New York Times. That data, attached to a cookie, is used to target advertising to the right people. Online publishers using Google’s ad server, DoubleClick, would be able to sell data on their audiences in the exchange as easily as they might sell ad space.

Mr. Mohan cautioned that such a move into data services may not result in one product, but capabilities across Google’s online display infrastructure, such as Invite Media, which allows advertisers to bid on audience, or AdMeld, which helps publishers to decide which ad will yield the greatest revenue.

Wenn man jetzt

  1. nicht so gut Englisch kann und
  2. keine Ahnung hat, wie Werbung funktioniert,

dann macht es natürlich Sinn, so einen Unsinn zu behaupten. Wenn man aber genug Hirnzellen hat, die Englisch können und „dieses Internet“ verstehen, weiss man genau, daß sich diese Sätze darauf beziehen, daß man von Außen sowohl ein „Wir kriegen auf xyz im Schnitt die meisten Zugriffe von single white males“ bekommen kann sowie mit einem Anforderungsprofil dann Werberequests an Google geben kann. Dabei fließen nie explizite Benutzerdaten, und insbesondere nicht „Name und Adresse“, die nichtmal ansatzweise erwähnt wurden.

Sowas würde man alles wissen, wenn man Ahnung hat, und der übliche Leser von AdAge, welche sich auf Werbung & Marketing spezialisieren, hat genau diese Ahnung. Irgendeine Feld-/Wald-/Wiesen“journalisten“ der Süddeutschen, die ein seehundartiges „Google ist böse“ klatschen kann, sollte sich am Besten einfach mal ein Thema suchen, wo sie kompetent ist.

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Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

2 Gedanken zu „Sprachverständnis?“

  1. Welches? In allen Gebieten, in denen ich Ahnung habe, verhunzen Journalisten in gut 90 bis 95 % ihrer Artikel oder Beiträge das Thema mäßig bis übel. Gelegentlich werden sie dem Thema noch so einigermaßen gerecht; eine Arbeit, die Laien tatsächlich schlauer macht, hat Seltenheitswert.

    Ich habe keinen Grund anzunehmen, dass es sich in Gebieten, wo ich mich nicht auskenne, anders verhält.

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