Gedanken zum Leistungsschutzrecht

Ein paar kleine Anmerkungen zu Leutheusser-Schnarrenbergers Interview zum Leistungsschutzrecht auf DRadio Wissen.

Lassen wir uns zuerst einmal durch den Kopf gehen, was die Presse verlangt:

Rabbäh, wir stellen Sachen umsonst online, damit sie noch irgendwer liest, und deshalb natürlich kostenlos. Und jetzt kommen andere an und nehmen sich unsere kostenlosen Informationen! Das geht nicht! Die müssen zahlen!

Frau Leutheusser-Schnarrenberger (L-S) wettert in einem Interview bei DRadio Wissen schwer gegen die Weiterbenutzung von journalistischem Material im kommerziellen Zwecke ohne eine Zahlung an die eigentlichen „Urheber“. Die Frage, ob nun auch schon Zitate „bezahlt“ werden müssen, versuchte sie zu umschiffen, indem sie auf Pauschalen auswich und anfing, sich immer auf ganze „Erzeugnisse“ zu beziehen.

Es zerreissen sich gerade viele das Maul, daß dieser geplante Entwurf ja auch vor allem gegen Google gerichtet sei, insbesondere die Aggregation von Nachrichtenartikel durch diesen Dienst. L-S erklärt, daß es sich hierbei vor allem um kommerzielle Weiternutzung handelt, und der private Nutzer da vollkommen unbetroffen von sei. Interessant hierbei ist, daß sie nicht nur meint, daß der Privatnutzer sich keine Sorgen um Zitiererei machen muss, sondern dass sie eigentlich auch sagt, daß der Privatnutzer davon nicht einmal etwas merken würde.

Eine recht steile These, wenn man bedenkt, wie kooperativ Firmen wie Google sich bisher gegenüber Versuchen, sie zu maßregeln, gezeigt haben. Eben schon scrollte in meiner Twitter-Timeline ein prophetisches „Google nimmt deutsche Presse-Agenturen aus dem Suchindex“ durch.

Aber viel interessanter ist ja das Aufhängung an kommerzieller Nutzung. Betrachten wir den Nachrichtenaggregationsdienst von Google, nämlich Google News:

Die Hauptseite von Google News
Google News-Hauptseite

Was hier auffällt: keine Werbung. Kein einziger Hinweis auf eine kommerzielle Nutzung jedweder Art. Adwords kommen nicht vor, AdSense fehlt vollkommen, und zahlen muss man für den Dienst keinen Pfennig.

Ist es nun schon kommerziell, wenn die Firma generell Gewinnabsicht hat, oder wie? Aber nein, es gibt ja auch noch andere Ansätze, wo man tatsächlich von „kommerziell“ sprechen könnte:

Screenshot einer Suche nach "MSC Opera" auf google.de
Suche nach "MSC Opera", mit Adwords

Hier haben wir tatsächlich einen Fall, wo Nachrichtenschnippsel mit Werbeträgern verbunden werden. Daß die Kausalität eher dürftig ist, weiss jeder, doch hier haben wir eine in den meisten Fällen als „kommerziell“ ansehbare Nutzung, denn Google kassiert Geld für AdWords.

Also müssten wir uns die Schnippsel bei den Nachrichten wegdenken. Gut, dann hätten wir wenigsten noch den Titel über den Stromausfall. Ach, nein, Verlinkungen sind auch böse – also die auch weg. Sprich der ganze News-Block fällt eigentlich weg.

Was bleibt? Werbung für die MSC Opera. Keine bösen Nachrichten dadrüber, daß das Schiff gerade seit ’nem Tag lang einfach so auf offener Meer rumeiert. Aber natürlich wäre das nicht merkbar für den Nutzer, ne? Wenn die Nachrichten weg sind merkt man’s ja nicht. Alles ganz logisch.

Und wen kümmert schon das bisschen schlechte Schlagzeilen und wichtige Informationen für den Kunden, schließlich wurden diese Informationen ja von Journalisten mühselig in den Computer getippert und online publiziert, nachdem sie eine Meldung von wem anders erhalten haben. Da muss der Nutzer natürlich zahlen, wenn er es nochmal woanders liest.

Zahlen eigentlich die Presseverläge, wenn sie von wem anders abschreiben? Klar, wenn sie DPA-Schriftstücke reposten (denn ehrlich, mehr machen sie nicht), zahlen sie in ihrem Rahmenvertrag was Geld. Aber wenn knieserig ist und einfach von wem anders abschreibt, der von DPA abschreibt? Fließt da noch Geld? Oder entspräche das nicht dem „Ehrenkodex“ (ha. ha.) des Journalismus, als über mehr als eine Ecke zu verweisen?

Fragen über Fragen. Immerhin scheint das LSR auf Presseverläge begrenzt zu sein – würde es allgemeingültig, würde Deutschland kurzerhand Suchmaschinen zur Kasse bitten, und das wäre extremst lächerlich und wirtschaftsschädigend.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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