Raubkopien

Ich will nicht über die diversen Implikationen des Begriffs lästern. Es ist kein Diebstahl, denn das Original bleibt erhalten, es ist kein Raub, denn niemand wird bedroht, etc. etc.

Das Problem, welches ich kurz ansprechen will, ist ein ganz anderes.

Viele Unternehmen meinen, sie müssten ihr äußerstes tun, um zu verhindern, daß irgendwer ihre digitalen Daten kopieren kann. Die Prämisse dahinter ist, daß, wenn es den Leuten nicht möglich ist, die raubkopierten Versionen zu benutzen, so dass den Vertreibern kein Gewinnverlust entsteht.

Was die meisten Vertreiber dabei gerne überblicken: würde man ihre Produkte überhaupt konsummieren, wenn sie nicht «frei» verfügbar wären?

Ein Beispiel Musik – ich werde mir ein Album kaufen, wenn ich es mag und ich das Geld dafür habe. Viele jüngere Menschen haben einfach das Geld dazu nicht – sie würden nicht dauernd Geld für Musik ausgeben, weil sie das gar nicht können.

Und nicht nur das Geld ist ein Problem, der Geschmack ist es auch – denn wenn man nicht gerade noch live im Laden sich das Album einmal komplett anhört, weiss man gar nicht, wie gut das Album eigentlich ist.

Man könnte jetzt hingehen und sagen, daß es das Radio gibt – aber dort werden auch nur einzelne Lieder vom Album gespielt, und das auch nur, wenn sie extrem populär sind.

Ganz abgesehen davon, dass die Verkaufszahlen der Industrie immer noch sehr schön sind, vor allem durch den gerne überspielten digitalen Absatzmarkt, wächst die Zahl der Raubkopien eben unabhängig voneinander – denn es gibt Leute, die nun Sachen konsummieren, die sie sich gar nicht leisten können, wenn sie wollten. Diese sind in dem Sinne kein verlorener Umsatz, weil diese weder Geld gezahlt hätten noch sie irgendwelche Ressourcen „exklusiv“ benutzen, die so anderen Kunden nicht zur Verfügung stehen, wie ein Buch, eine DVD oder eine CD.

Es ist 2011, meine lieben Verwerter. Ich kaufe noch genug Sachen, wenn sie mir gefallen, selbst wenn von den 18€ für’s Album vielleicht 4€ an den eigentlichen Künstler gehen.

Get a grip.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

2 Gedanken zu „Raubkopien“

  1. Dem kann ich so zustimmen, mit einem kleinen Einwurf:

    Ein nicht unbeträchtlicher Teil der neu erscheinenden Alben (und zwar sowohl innerhalb als auch abseits des Mainstream) lassen sich inzwischen völlig legal als Stream anhören, wenn Zeit.
    Ganz vorne sei hier http://www.simfy.de/ genannt. Im Indie-Bereich hat man beim Luisterpaal-Player vom niederländischen Sender VPRO eine ständig wechselnde, sehr gute Auswahl (http://3voor12.vpro.nl/luisterpaal/). Und zu guter letzt kommen immer mehr Künstler/Labels auf die Idee, ihre Alben für ein paar Tage (bis zu zwei Wochen, teilweise) vor der Veröffentlichung bei Soundcloud einzustellen.

    Eine ausgesprochen begrüßenswerte Entwicklung, wie ich finde.

  2. Aye, da bin ich vielleicht nicht komplett informiert gewesen.

    Aber mein Lästern war auch eher auf die (verbal laute) große Gruppe bezogen, die sich genau so verhält und so hohe Wellen schlägt.

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