5. Juni 2010: Die Flattr-​​Contentschwelle

Neuer Monat, neuer Artikel.

Seit eini­ger Zeit gibt es ja die­sen lus­ti­gen neuen Dienst namens Flattr, der es einem erlaubt, eine etwas andere Form der Ver­gü­tung in seine Arti­kel ein­zu­bin­den: man zahlt monat­lich einen fes­ten Betrag x auf sein Konto bei Flattr ein, und man kann dann im Inter­net ver­teilt auf die hüb­schen Flattr-​​Buttons kli­cken, sagen wir n mal im Monat. Am Ende eines Monats wird dann abge­rech­net, und jeder Besit­zer eines But­tons bekommt von jedem kli­cken­den dann x/​n EUR auf sein Konto.

In der Blog­welt hat das jetzt zu geführt, daß der gemeine RSS-​​Reader momen­tan nur so vor Flattr-​​Buttons strotzt, die um die Auf­merk­sam­keit des Lesers rin­gen. Inter­es­sante Bemer­kun­gen dazu, die einem sofort auffallen:

  • Jedes grö­ßere deut­sche Blog hat einen But­ton, und diese wer­den auch extremst flei­ßig geklickt. Beim Udo sieht man gerade bei lus­ti­ge­ren Sto­ries hin und wie­der sogar eine drei­stel­lige Zahl an Klicks.
  • Man kann den gro­ben mone­tä­ren Wert erah­nen. Ich bleibe beim Bei­spiel Law Blog, wo Udo von durchschnittlich 0,15€ pro Flattr spricht. Für den Arti­kel Die Legende von der schutzlosen Polizei sind das also zur Zeit des Schrei­bens die­ses Arti­kel schon­mal knapp 23€, und für eine auto­ma­tisch gene­rierte Link­samm­lung mit 3 Klicks auch knapp ein hal­ber Euro.

Dar­aus lässt sich auch zugleich ein viel wich­ti­ge­rer Punkt ablei­ten: Leute mit ein­ge­schla­fe­nen Blogs, aber einer gewis­sen 2.0-Affinität, ver­su­chen natür­lich, diese neue Mög­lich­keit gewinn­brin­gend zu nut­zen. Der Account wird sich oft sowieso geholt (man will ja mit dabei sein), und er ermög­licht immer­hin eine Art Beloh­nung dafür, daß Leute sich Mühe machen, etwas zu schreiben.

Also ist der nächste logi­sche Schritt, daß man auch sel­ber ver­sucht, wie­der etwas zu schrei­ben — oder auch nur inter­es­san­tere Sachen zu schrei­ben. Der Flattr-​​Button dad­run­ter wird schon dafür sor­gen, daß zumin­dest der eigene monat­li­che Bei­trag zumin­dest par­ti­ell amor­ti­siert wird.

Ich will da jetzt keine Pro­fit­geil­heit unter­stel­len — es wird ja nicht mit unlau­te­ren Mit­teln gear­bei­tet. Aber die Leute schei­nen plötz­lich wie­der einen Ansporn gefun­den zu haben, Inhalte raus­zu­hauen, in der Hoff­nung auf den ver­ein­zel­ten Klick. Schließ­lich ist ein ein­zel­ner Flattr-​​Click am Ende mehr Wert als die tra­di­tio­nel­len zwei AdSense-​​Banner, die auch diese Seite ver­zie­ren (so man sie nicht blockt). Vor allem wenn’s keine Clickthrough-​​Kohle gibt.

[Sta­tis­tik dazu: mein AdSense machte bis­her 4€. Seit März letz­ten Jahres.]

Zwei große Fra­gen bleiben:

  • Wird dies nur ein kurz­zei­ti­ger Sti­mu­lus sein? Ein «Ja» liegt da als Ant­wort sehr nahe.
  • Wird es tat­säch­lich zu bes­se­rem Inhalt füh­ren? Dar­über kann man sich wohl streiten.

Ganz außer Frage: es lohnt sich natür­lich für jeden, da im Zwei­fels­falle das gute Gefühl im Magen bleibt, daß das Geld direkt an den Erstel­ler geht, ohne nen­nens­werte Umwege wie über Ver­lags­häu­ser, Dis­tri­bu­to­ren und ähnli­ches. Viel­leicht erüb­rigt Flattr so mei­nen geplan­ten Arti­kel zur Contentvergütung.

Und wenn man jetzt hier den Flattr-​​Button sucht: ich habe noch kei­nen Account.

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