Die Flattr-Contentschwelle

Flattr als Motivator für neuen Inhalt.

Neuer Monat, neuer Artikel.

Seit einiger Zeit gibt es ja diesen lustigen neuen Dienst namens Flattr, der es einem erlaubt, eine etwas andere Form der Vergütung in seine Artikel einzubinden: man zahlt monatlich einen festen Betrag x auf sein Konto bei Flattr ein, und man kann dann im Internet verteilt auf die hübschen Flattr-Buttons klicken, sagen wir n mal im Monat. Am Ende eines Monats wird dann abgerechnet, und jeder Besitzer eines Buttons bekommt von jedem klickenden dann x/n EUR auf sein Konto.

In der Blogwelt hat das jetzt zu geführt, daß der gemeine RSS-Reader momentan nur so vor Flattr-Buttons strotzt, die um die Aufmerksamkeit des Lesers ringen. Interessante Bemerkungen dazu, die einem sofort auffallen:

  • Jedes größere deutsche Blog hat einen Button, und diese werden auch extremst fleißig geklickt. Beim Udo sieht man gerade bei lustigeren Stories hin und wieder sogar eine dreistellige Zahl an Klicks.
  • Man kann den groben monetären Wert erahnen. Ich bleibe beim Beispiel Law Blog, wo Udo von durchschnittlich 0,15€ pro Flattr spricht. Für den Artikel Die Legende von der schutzlosen Polizei sind das also zur Zeit des Schreibens dieses Artikel schonmal knapp 23€, und für eine automatisch generierte Linksammlung mit 3 Klicks auch knapp ein halber Euro.

Daraus lässt sich auch zugleich ein viel wichtigerer Punkt ableiten: Leute mit eingeschlafenen Blogs, aber einer gewissen 2.0-Affinität, versuchen natürlich, diese neue Möglichkeit gewinnbringend zu nutzen. Der Account wird sich oft sowieso geholt (man will ja mit dabei sein), und er ermöglicht immerhin eine Art Belohnung dafür, daß Leute sich Mühe machen, etwas zu schreiben.

Also ist der nächste logische Schritt, daß man auch selber versucht, wieder etwas zu schreiben – oder auch nur interessantere Sachen zu schreiben. Der Flattr-Button dadrunter wird schon dafür sorgen, daß zumindest der eigene monatliche Beitrag zumindest partiell amortisiert wird.

Ich will da jetzt keine Profitgeilheit unterstellen – es wird ja nicht mit unlauteren Mitteln gearbeitet. Aber die Leute scheinen plötzlich wieder einen Ansporn gefunden zu haben, Inhalte rauszuhauen, in der Hoffnung auf den vereinzelten Klick. Schließlich ist ein einzelner Flattr-Click am Ende mehr Wert als die traditionellen zwei AdSense-Banner, die auch diese Seite verzieren (so man sie nicht blockt). Vor allem wenn’s keine Clickthrough-Kohle gibt.

[Statistik dazu: mein AdSense machte bisher 4€. Seit März letzten Jahres.]

Zwei große Fragen bleiben:

  • Wird dies nur ein kurzzeitiger Stimulus sein? Ein «Ja» liegt da als Antwort sehr nahe.
  • Wird es tatsächlich zu besserem Inhalt führen? Darüber kann man sich wohl streiten.

Ganz außer Frage: es lohnt sich natürlich für jeden, da im Zweifelsfalle das gute Gefühl im Magen bleibt, daß das Geld direkt an den Ersteller geht, ohne nennenswerte Umwege wie über Verlagshäuser, Distributoren und ähnliches. Vielleicht erübrigt Flattr so meinen geplanten Artikel zur Contentvergütung.

Und wenn man jetzt hier den Flattr-Button sucht: ich habe noch keinen Account.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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