26. April 2010: Social Network-​​Kompetenz

Ich finde es ja per­sön­lich immer wie­der erstaun­lich, daß Men­schen sich dar­über beschwe­ren, daß Social Net­works von der Daten­schutz­seite her pro­ble­ma­tisch sind.

Das sollte einen nicht über­ra­schen, denn schließ­lich basie­ren sie dar­auf, daß man per­sön­li­che Daten an belie­bige andere Nut­zer frei­gibt. Anders wäre das näm­lich eine sehr autis­ti­sche Angelegenheit.

Von daher ist also eher die inter­es­sante Frage nicht, ob per­sön­li­che Daten in den Umlauf kom­men, son­dern wie weit. Die inter­es­san­ten Gren­zen hier­bei sind:

  1. Die Sicher­heit gegen­über ande­ren Nutzern.
  2. Die Sicher­heit gegen­über Drittanbietern.

Und hier schnei­den Netz­werke wie Face­book zum Bei­spiel nicht schlech­ter ab, weil sie schlech­ter gecodet sind oder ähnli­ches, son­dern nur, weil sie zum einen eher frei­zü­gige Defaults haben, und zum ande­ren der gemeine Nut­zer strunz­doof ist, was die Wah­rung der eige­nen Pri­vat­sphäre angeht.

Dazu, als illus­tra­ti­ves Bei­spiel, sei ein Kon­zept genannt, was auf Face­book ganz groß ist, und daher logi­scher­weise Tür und Tor öffnet für bös­wil­li­gere Dritt­an­bie­ter: Anwen­dun­gen.

Face­book erlaubt es näm­lich, Anwen­dun­gen zu schrei­ben, ähnlich wie Anwen­dun­gen für den Rech­ner, nur, daß sie halt irgendwo im Inter­net lau­fen und nicht [so viel] auf den eige­nen Rech­ner zugrei­fen — dafür aber auf die Facebook-​​Profile.

Ganz popu­lär bei den abso­lut sinn­lo­ses­ten Anwen­dun­gen über­haupt: FarmVille, von Zynga. Ein Zynga-​​Gründer gibt offen zu, daß er alles getan habe, um Umsatz zu bekommen, und auch heute finan­ziert sich Zynga durch Micropayments und groß­zü­gige Wer­bung mit Drittanbietern.

Also, um das mal kurz zu rei­te­rie­ren: man gibt seine pri­va­ten Daten an eine Facebook-​​Anwendung von einem exter­nen Anbie­ter, der sel­ber wei­ter externe Part­ner hat, mit denen er Wer­be­ver­träge abschließt.

Und dann beschwert man sich dar­über, daß die per­sön­li­chen Daten auf Tou­ren gehen.

Dazu sei mal gesagt, daß es auf Face­book allein 80 Mil­lio­nen Nut­zer von Farm­Ville gibt — also nicht ganz die Bevöl­ke­rung von Deutsch­land. Allein von mei­nen Kon­tak­ten hat ein Vier­tel die­ser Anwen­dung erlaubt, das Pro­fil aus­zu­le­sen. Sprich, in ande­ren Wor­ten, ein ziem­lich gro­ßer Datensatz.

Genau so setzt sich dann die gene­relle Inkom­pe­tenz fort. Es wer­den Daten in die Pro­file ein­ge­tra­gen, die dort eher nichts zu suchen haben. Die Leute über­prü­fen nicht, was ihre Pri­vat­sphär­en­ein­stel­lung sind, und jeder auf der Welt kann dem­nach lesen, wenn sie in der Nacht davon reden, was sie für Scha­ber­nack veranstalten.

Aber man ist ja sozial. Und post-​​privacy kommt doch eh bald, oder? Ne? Jaja.

Ver­an­lasst zu dem Post würde ich übri­gens durch die Anleitung: Facebook privat auf ComputerBase [für diese Erwäh­nung flie­ßen keine Wer­be­ein­nah­men], als ich mir dachte “Das kann doch unnö­tig not­wen­dig sein, es so dumm zu erklä­ren!”, bis ich mir dachte: “Doch, eigent­lich schon.”

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