Social Network-Kompetenz

Kompetenz in der Bedienung von sozialen Netzwerken. Oder eben nicht.

Ich finde es ja persönlich immer wieder erstaunlich, try daß Menschen sich darüber beschweren, daß Social Networks von der Datenschutzseite her problematisch sind.

Das sollte einen nicht überraschen, denn schließlich basieren sie darauf, daß man persönliche Daten an beliebige andere Nutzer freigibt. Anders wäre das nämlich eine sehr autistische Angelegenheit.

Von daher ist also eher die interessante Frage nicht, ob persönliche Daten in den Umlauf kommen, sondern wie weit. Die interessanten Grenzen hierbei sind:

  1. Die Sicherheit gegenüber anderen Nutzern.
  2. Die Sicherheit gegenüber Drittanbietern.

Und hier schneiden Netzwerke wie Facebook zum Beispiel nicht schlechter ab, weil sie schlechter gecodet sind oder ähnliches, sondern nur, weil sie zum einen eher freizügige Defaults haben, und zum anderen der gemeine Nutzer strunzdoof ist, was die Wahrung der eigenen Privatsphäre angeht.

Dazu, als illustratives Beispiel, sei ein Konzept genannt, was auf Facebook ganz groß ist, und daher logischerweise Tür und Tor öffnet für böswilligere Drittanbieter: Anwendungen.

Facebook erlaubt es nämlich, Anwendungen zu schreiben, ähnlich wie Anwendungen für den Rechner, nur, daß sie halt irgendwo im Internet laufen und nicht [so viel] auf den eigenen Rechner zugreifen – dafür aber auf die Facebook-Profile.

Ganz populär bei den absolut sinnlosesten Anwendungen überhaupt: FarmVille, von Zynga. Ein Zynga-Gründer gibt offen zu, daß er alles getan habe, um Umsatz zu bekommen, und auch heute finanziert sich Zynga durch Micropayments und großzügige Werbung mit Drittanbietern.

Also, um das mal kurz zu reiterieren: man gibt seine privaten Daten an eine Facebook-Anwendung von einem externen Anbieter, der selber weiter externe Partner hat, mit denen er Werbeverträge abschließt.

Und dann beschwert man sich darüber, daß die persönlichen Daten auf Touren gehen.

Dazu sei mal gesagt, daß es auf Facebook allein 80 Millionen Nutzer von FarmVille gibt – also nicht ganz die Bevölkerung von Deutschland. Allein von meinen Kontakten hat ein Viertel dieser Anwendung erlaubt, das Profil auszulesen. Sprich, in anderen Worten, ein ziemlich großer Datensatz.

Genau so setzt sich dann die generelle Inkompetenz fort. Es werden Daten in die Profile eingetragen, die dort eher nichts zu suchen haben. Die Leute überprüfen nicht, was ihre Privatsphäreneinstellung sind, und jeder auf der Welt kann demnach lesen, wenn sie in der Nacht davon reden, was sie für Schabernack veranstalten.

Aber man ist ja sozial. Und post-privacy kommt doch eh bald, oder? Ne? Jaja.

Veranlasst zu dem Post würde ich übrigens durch die Anleitung: Facebook privat auf ComputerBase [für diese Erwähnung fließen keine Werbeeinnahmen], als ich mir dachte „Das kann doch unnötig notwendig sein, es so dumm zu erklären!“, bis ich mir dachte: „Doch, eigentlich schon.“

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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