7. Dezember 2009: Selbstmord des Oma-​​Stalkers — Abschiedsbrief in Muttersprache aufgetaucht

Köln, 7. Dezem­ber 2009 — Es war ein Skan­dal in den Medien: Im Sep­tem­ber ver­schaffte sich ein Unbe­kann­ter Ein­tritt in den Schlaf­saal eines Alten­kran­ken­haus und spähte Tau­sende sen­si­bler Daten aus, dar­un­ter auch Medi­ka­men­ten­do­sen und Post­an­schrif­ten. Als man den ent­setz­li­chen Scha­den bemerkte, war es schon zu spät. Der Stal­ker (aus dem Eng­li­schen “to stalk” = auf Stel­zen gehen) hatte eine Kopie der Medi­ka­men­ten­liste bereits wei­ter­ge­ge­ben und erhoffte sich damit Ruhm und Reich­tum unter sei­nen Art­ge­nos­sen in der Verbrecherszene.

Doch sein Plan ging nicht auf: Die Beam­ten der Poli­zei stell­ten dem Inten­siv­tä­ter eine Falle. Sie mach­ten dem Hacker ein ver­meint­li­ches Job­an­ge­bot. Als er per­sön­lich erschien, nah­men sie ihn fest – mit erschre­cken­dem Ergeb­nis: Der Internet-​​Kriminelle war ein Jugend­li­cher, ein Kind. Die Staats­an­walt­schaft ord­nete Unter­su­chungs­haft für den Jun­gen an, es bestand akute Flucht­ge­fahr. Doch der Daten-​​Dieb hielt es nicht län­ger aus – er nahm sich in sei­ner Zelle das Leben.

Jetzt, knapp einen Monat nach dem Frei­tod des Oma-​​Stalkers, wurde sein Abschieds­brief ver­öf­fent­licht — geschrie­ben in einer Mut­ter­spra­che, für den Laien zu lang zum Lesen. Die Rede ist von “2 — 3 Jah­ren Knast”, “Ein­sam­keit”, “beschis­sen”. Fried­rich N. sehe für sich keine Per­spek­tive mehr in sei­nem Leben, möchte raus aus die­ser schreck­li­chen Stal­ker­welt. Wie ver­zwei­felt der Senioren-​​Stalker wirk­lich war, wird im letz­ten Satz des Brie­fes deut­lich: “Tschüss ihr Säcke”, zu Deutsch: “Auf Wie­der­se­hen, Welt.”

Bei der Spra­che han­delt es sich hier­bei um die berüch­tigte natür­li­che Spra­che Deutsch, in der schon Met­zel­or­gien wie die Bibel oder Mein Kampf geschrie­ben wur­den. Dabei gilt Deutsch gerade unter Stal­kern und Lin­gu­is­ten als eine der schwie­rigs­ten Spra­chen, wie auch der Sprach-​​Experte Ford Prä­fekt weiß: “In der Lin­gu­is­ten­szene wird Deutsch häu­fig für Bücher und aus­län­der­feind­li­che Text ver­wen­det. Es bie­tet dem Schrei­ber sehr viele Mög­lich­kei­ten, ist aber dafür eine der schwie­rigs­ten natür­li­chen Spra­chen der Welt! Ohne jah­re­lan­ges Stu­dium ud die rich­ti­gen Bücher ist da nichts zu machen.” Er selbst habe sich den Brief mehr­mals durch­ge­le­sen und staunt nicht schlecht über die Fähig­kei­ten des Stalker-​​Jungen.

Hagbard Celine (not)

Ursina-​​Ingo Cour­ten (39) aus B*e*e*e*d meint: “So schreck­lich der Selbst­mord auch war, freue ich mich, daß end­lich über die so genan­nen­ten Sprach-​​Wissenschaften öffent­lich dis­ku­tiert wird. Die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen und Schä­den, die durch wie­der­hol­tes Lesen ent­ste­hen, wer­den näm­lich viel zu sehr ver­harm­lost — doch wo kom­men denn die Lite­ra­tur­preise sonst her? Aus dem Grund habe ich­bei mir zu Hause Inte­net­sei­ten wie Pro­jekt Guten­berg pro­fes­sio­nell sper­ren las­sen, damit meine zwei Söhne Dus­tin und Kevin erst gar nicht mit so etwas in Kon­takt kommen.”

Eine sati­ri­sche Par­odie des Bei­tra­ges “Selbstmord des schülerVZ-Hackers – Abschiedsbrief in Codesprache aufgetaucht” von Frank Tor­t­hoff bei “Eltern im Netz”.

2 Kommentare

  • Dr. Azrael Tod 7. Dezember 2009

    Schon ganz nett, es fehlt nur noch das fal­sche und nichts­sa­gende Sym­bol­bild am Anfang des Arti­kels, dann ist das Ding perfekt. :-)

  • franker69 7. Dezember 2009

    Vie­len herz­li­chen Dank ! Das hat gut getan.

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