Die VL/RL-Falle

Wichtigkeitsdeterminismus zwischen virtuellen und reellen Kontakten.

Was gerade die Generation, die im heutigen Internet „aufgewachsen“ sind, schon öfter als Konflikt bemerkt hat, ist, daß es eine sehr unterschiedliche Gewichtung dabei gibt, wie „wichtig“ Kontakte, die (größtenteils) über das Internet geführt werden, sind.

So gibt es oft Leute, die meinen, daß Menschen im Internet einfach weniger wichtig sind, und daß man denen nicht so viel Beachtung schenken müsste. Die Motivation dahinter ist oft verschieden: Die einen meinen, daß ihnen Kontakte, mit denen sie sich täglich oder eben sehr häufig treffen, ihnen halt wichtiger seien, die anderen meinen, daß Internet-Kontakte halt einfach nichts ernstes seien.

Das generelle Problem ist stark verwandt mit der Internet-Kommunikationsstörung: gerade weil Leute das Gegenüber nicht für voll wahrnehmen, wird es herabgesetzt. Das kann kein Problem sein, wenn beide gleich handeln, aber wenn auch nur einer in der Hinsicht „transzendent“ ist gibt es sofort Geheule und Gezeter – oder zumindest die passiv-agressive Variante davon.

Leider stellt sich die Frage gar nicht erst, wo das überhaupt herrührt, da ich das weiter oben schon recht direkt darstellte. Daher kann ich das nicht in diesem Artikel erörtern.

Also stellt sich die viel schwierigere Frage: was kann man dagegen tun? Probleme feststellen ist einiges schwerer, als konkrete Lösungsvorschläge dazu zu finden.

Und wenn man sich jetzt mal so ein bisschen überlegt, was man so machen könnte, so fallen eigentlich nur Würgarounds ein, und keine echten Lösungen.

Warum das so ist? Weil’s ganz einfach mit dem bestehenden Technologieniveau nicht wirklich praktikabel ist, daß Menschen einem plastisch und nah erscheinen. Regelmäßige Kommunikation in Bild und Ton via Skype et al. hilft da natürlich, aber ist halt auch wieder nur ein Würgaround.

„Wichtigkeitsdeterminismus zwischen virtuellen und reellen Kontakten“ war die Notiz, die ich mir gemacht habe. Da die Metrik leider implizit aus der menschlichen Natur herrührt gibt es wohl nur wenige Möglichkeiten, die nachhaltig zu ändern.

Und ich weiß von keiner.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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