Internet-Kommunikationsstörung

Warum es schwer ist, über das Internet persönliche Gespräche zu führen.

Wie wir alle wissen ist Kommunikation im Internet ja immer etwas komisch. Wir stehen unserem Gesprächspartner nicht gegenüber, pills und somit hat die Kommunikation etwas Fremdes. Man fühlt sich nicht wirklich, als würde man mit einem Menschen sprechen, sondern nur mit etwas Intelligentem, welches eigentlich namens- und bestandlos ist.

Dies wird etwas mitigiert durch die Tatsache, daß man Menschen (im allgemeinen als auch im spezifischen die Kommunikationspartner) ja persönlich kennt, und in diesen Fällen eher versteht, was die Person sagen will – oder wie sie es sagt.

Dies ist nämlich eins der Hauptprobleme: Das Internet überträgt, bekanntermaßen, keine analoge Kommunikation. Man bekommt es nicht mit, wenn der andere dabei durch ein Achselzucken deutlich macht, daß es nicht so gemeint ist, oder wenn man auch nur unbewusst lächelt als Reaktion auf eine Aussage.

Dies lässt sich in diesem Rahmen eigentlich nur umgehen, wenn man Video-unterstützte Echtzeitunterhaltung betreibt. Während dies ein wichtiger Schritt ist, fehlt jedoch dabei immer noch die menschliche Nähe – und das wird sich wohl in näherer Zukunft auch nicht ändern.

Das Gefühl menschlicher Nähe ist nicht kompatibel mit Entfernung.
Das Gefühl menschlicher Nähe ist nicht kompatibel mit Entfernung.

Es gibt Bemühungen -der stetige Anstieg von auch mobiler Videokommunikation in den letzten Jahren- als auch Nebenprodukte anderer Entwicklungen, die dem entgegenwirken sollen. Zum Beispiel gibt es die Kunstsprache Lojban, welche zusätzlich zu eindeutiger Zuordnung von Begriffen mit Konzepten auch dafür sorgen soll, daß durch „Emotionsanzeiger“ klar gemacht wird, welche Bedeutung gemeint ist. Im Prinzip ist das eine interessante Bemühung, die zwar eigentlich dafür dient, daß eine Maschine problemlos versteht, was ein Mensch meint, aber halt auch in unserem Beispiel benutzt werden kann.

Das Problem bei dieser Methode, welche sich natürlich auch umständlich mit Deutsch erreichen lässt, ist Folgende: Es setzt bewusste Auseinandersetzung mit dem Problem voraus. Der Mensch aber will Witze und Anspielungen machen und mysteriös sein, und nicht immer sich dazu zwingen, eindeutig zu sein.

Das ist ein sehr großes Problem: man will interessant sein, und nicht langweilig. Anders, nicht monoton.

Wie soll man es also schaffen, wider der Natur des Menschen unmisverständlich zu kommunizieren? Es scheint, als sei der einzige Ausweg, sich persönlich kennenzulernen. Dies kann natürlich ein guter Vorwand sein, sich zu treffen, doch ist es all zu oft weniger der Grund, warum man sich trifft – oder eben nicht, was dann doch viel häufiger ist.

Hier schlägt nämlich die Angst vor dem Unbekannten zu: man will nicht, dass etwas nicht so ist, wie man es erwartet – oder, noch schlimmer, daß man selber das Bild des Anderen enttäuscht, und daher Interesse verliert. So greift man vilel lieber zu dem bereits gegeben Abstand, um lieber eine temporäre Freude zu behalten als sie auf das Spiel zu setzen.

Im Prinzip läuft es auf ein Paradoxon hinaus: man muss jemanden kennenlernen, um mit ihm ordentlich kommunizieren zu können, aber man kann jemanden nicht richtig kennenlernen, ohne ordenltich zu kommunizieren.

Manchmal will man ja an Intelligent Design glauben, so daß man dies alles auf den schlechten Witz eines Schöpfers schieben kann. Zumindest der Autor will nicht wahrhaben, daß die Menschheit so verkorkst ist.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

4 Gedanken zu „Internet-Kommunikationsstörung“

  1. Du scheinst ja gerade direkt aus meinem Leben zu schreiben. ;)

    Vielleicht sollte man es gar nicht erst zu langwieriger Online-Kommunikation kommen lassen und das nur auf diejenigen beschränken, die man auch so schon real richtig kennt und auch Möglichkeiten hat, diese zu treffen. (Für einen langjährigen Usenetschreiber eine phänomenale Erkenntnis… :-o)

    Bei neuen Bekanntschaften aber lieber so schnell wie möglich ins kalte Wasser springen.

  2. Naja, Usenet ist ja auch was anderes… Öffentliche Kommunikation ist weitaus harmloser als das äquivalent eines Vier-Augen-Gespräches, nicht wahr.

    Und ja, das ist auch gerade einer der Gründe, warum ich im IRC nur noch selten bin. Das nervt mich zu sehr ab.

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