6. März 2009: Internet-​​Kommunikationsstörung

Wie wir alle wis­sen ist Kom­mu­ni­ka­tion im Inter­net ja immer etwas komisch. Wir ste­hen unse­rem Gesprächs­part­ner nicht gegen­über, und somit hat die Kom­mu­ni­ka­tion etwas Frem­des. Man fühlt sich nicht wirk­lich, als würde man mit einem Men­schen spre­chen, son­dern nur mit etwas Intel­li­gen­tem, wel­ches eigent­lich namens– und bestand­los ist.

Dies wird etwas miti­giert durch die Tat­sa­che, daß man Men­schen (im all­ge­mei­nen als auch im spe­zi­fi­schen die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner) ja per­sön­lich kennt, und in die­sen Fäl­len eher ver­steht, was die Per­son sagen will — oder wie sie es sagt.

Dies ist näm­lich eins der Haupt­pro­bleme: Das Inter­net über­trägt, bekann­ter­ma­ßen, keine ana­loge Kom­mu­ni­ka­tion. Man bekommt es nicht mit, wenn der andere dabei durch ein Ach­sel­zu­cken deut­lich macht, daß es nicht so gemeint ist, oder wenn man auch nur unbe­wusst lächelt als Reak­tion auf eine Aussage.

Dies lässt sich in die­sem Rah­men eigent­lich nur umge­hen, wenn man Video-​​unterstützte Echt­zeit­un­ter­hal­tung betreibt. Wäh­rend dies ein wich­ti­ger Schritt ist, fehlt jedoch dabei immer noch die mensch­li­che Nähe — und das wird sich wohl in nähe­rer Zukunft auch nicht ändern.

Das Gefühl menschlicher Nähe ist nicht kompatibel mit Entfernung.

Das Gefühl mensch­li­cher Nähe ist nicht kom­pa­ti­bel mit Entfernung.

Es gibt Bemü­hun­gen –der ste­tige Anstieg von auch mobi­ler Video­kom­mu­ni­ka­tion in den letz­ten Jah­ren– als auch Neben­pro­dukte ande­rer Ent­wick­lun­gen, die dem ent­ge­gen­wir­ken sol­len. Zum Bei­spiel gibt es die Kunst­spra­che Lojban, wel­che zusätz­lich zu ein­deu­ti­ger Zuord­nung von Begrif­fen mit Kon­zep­ten auch dafür sor­gen soll, daß durch “Emo­ti­ons­an­zei­ger” klar gemacht wird, wel­che Bedeu­tung gemeint ist. Im Prin­zip ist das eine inter­es­sante Bemü­hung, die zwar eigent­lich dafür dient, daß eine Maschine pro­blem­los ver­steht, was ein Mensch meint, aber halt auch in unse­rem Bei­spiel benutzt wer­den kann.

Das Pro­blem bei die­ser Methode, wel­che sich natür­lich auch umständ­lich mit Deutsch errei­chen lässt, ist Fol­gende: Es setzt bewusste Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Pro­blem vor­aus. Der Mensch aber will Witze und Anspie­lun­gen machen und mys­te­riös sein, und nicht immer sich dazu zwin­gen, ein­deu­tig zu sein.

Das ist ein sehr gro­ßes Pro­blem: man will inter­es­sant sein, und nicht lang­wei­lig. Anders, nicht monoton.

Wie soll man es also schaf­fen, wider der Natur des Men­schen unmis­ver­ständ­lich zu kom­mu­ni­zie­ren? Es scheint, als sei der ein­zige Aus­weg, sich per­sön­lich ken­nen­zu­ler­nen. Dies kann natür­lich ein guter Vor­wand sein, sich zu tref­fen, doch ist es all zu oft weni­ger der Grund, warum man sich trifft — oder eben nicht, was dann doch viel häu­fi­ger ist.

Hier schlägt näm­lich die Angst vor dem Unbe­kann­ten zu: man will nicht, dass etwas nicht so ist, wie man es erwar­tet — oder, noch schlim­mer, daß man sel­ber das Bild des Ande­ren ent­täuscht, und daher Inter­esse ver­liert. So greift man vilel lie­ber zu dem bereits gege­ben Abstand, um lie­ber eine tem­po­räre Freude zu behal­ten als sie auf das Spiel zu setzen.

Im Prin­zip läuft es auf ein Para­do­xon hin­aus: man muss jeman­den ken­nen­ler­nen, um mit ihm ordent­lich kom­mu­ni­zie­ren zu kön­nen, aber man kann jeman­den nicht rich­tig ken­nen­ler­nen, ohne orden­l­tich zu kommunizieren.

Manch­mal will man ja an Intel­li­gent Design glau­ben, so daß man dies alles auf den schlech­ten Witz eines Schöp­fers schie­ben kann. Zumin­dest der Autor will nicht wahr­ha­ben, daß die Mensch­heit so ver­korkst ist.

4 Kommentare

  • smiss 6. März 2009

    Du scheinst ja gerade direkt aus mei­nem Leben zu schreiben. ;)

    Viel­leicht sollte man es gar nicht erst zu lang­wie­ri­ger Online-​​Kommunikation kom­men las­sen und das nur auf die­je­ni­gen beschrän­ken, die man auch so schon real rich­tig kennt und auch Mög­lich­kei­ten hat, diese zu tref­fen. (Für einen lang­jäh­ri­gen Use­net­schrei­ber eine phä­no­me­nale Erkennt­nis… :-o)

    Bei neuen Bekannt­schaf­ten aber lie­ber so schnell wie mög­lich ins kalte Was­ser springen.

  • Tobias Wol­ter 8. März 2009

    Naja, Use­net ist ja auch was ande­res… Öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­tion ist weit­aus harm­lo­ser als das äqui­va­lent eines Vier-​​Augen-​​Gespräches, nicht wahr.

    Und ja, das ist auch gerade einer der Gründe, warum ich im IRC nur noch sel­ten bin. Das nervt mich zu sehr ab.

  • […] Internet-​​Kommunikationsstörung […]

  • […] den häu­figs­ten Pro­blem von digi­ta­ler Kom­mu­ni­ka­tion habe ich bereits was geschrie­ben. Und genau darum geht es hier­bei auch  —  es fällt schwer, einen nicht mit Smi­lies, Tags […]

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