William Gibson-Lesung auf der lit.COLOGNE

Resumée der Gibson-Lesung zur lit.COLOGNE.

Am Donnerstag, dem 6.3.2008, war William Gibson im Rahmen der lit.COLOGNE in Köln. Als Fan des Cyberpunks war es für den Autor natürlich selbstverständlich, diese Lesung zu besuchen – insbesondere, nachdem er den Vortrag Cory Doctorows verpasst hatte…

Wie man es von diversen Events erwartet, war der Einlass natürlich wieder eine Viertelstunde später als geplant. Kaum war man drinnen trifft man natürlich erst einmal andere Leute, die man schon kennt; die Szene ist wohl doch recht klein. Wobei man bei einigen Gestalten eher meinte, daß sie einfach eine Dauerkarte der lit.COLOGNE als wirkliches Interesse an diesem Vortragenden hatten.

Nebst William Gibson waren noch zwei andere Personen vertreten, deren Name mir inzwischen schon wieder entfallen ist. Einer spielte Übersetzer, der andere las gelegentlich aus der Deutschen Version von Spook Country (das Buch, welches vorgestellt wurde) vor. Der Vorlesende war ziemlich gut, und hatte auch ein, zwei Zeilen wunderbar zufällig auf das Publikum abgestimmt – als in der ersten Reihe irgendwer ein Glas umstieß, hieß es gerade passend „GEH RAUS!“ – sehr amüsant.

Man merkte Gibson an, daß er durch die Übersetzung zu ungelegenen Zeiten und der unnatürlich langen Einführung auf Deutsch schwer irritiert war; als er erst nach zehn Minuten mal was sagen durfte. Jedoch sind das nur Nebensächlichkeiten.

Es gab einige interessante Punkte:

  • Die bereits erwähnten Verschwörungstheorien als Religionsersatz war eines der wichtigen Themen.
  • Ihm wurde unterstellt, daß er gerade mit seinen Ideen über die aktuelle Welt, Vernetzung etc, damals schon sehr prophetischen Inhalt schrieb. Er meint jedoch, daß „Science Fiction“ nicht zu den Sachen gehört, die man schreibt, um die Zukunft vorauszusagen. Vielmehr sei SciFi als Kommentar auf die Entwicklung der aktuellen Gesellschaft zu sehen; man könne sich nicht alte Bücher von vor 30 Jahren nehmen und schauen, ob sie die Zukunft erfolgreich vorausgesagt haben. Sie seien immer im Kontext zu betrachten, selbst wenn manche Autoren das anders betrachten würden. Viele Science Fiction-Autoren würden auch nur über Sachen schreiben, die es vielleicht sogar schon gibt, „but haven’t made it to your local yet“.
  • Auch sagte Gibson, daß Science Fiction etwas sei, was so zwischen 12 und 17 Jahren stattfindet, und man dann erst mal ’ne Weile verliert. Zwischenfrage vom Translateur: „So you left science fiction for sex,, drugs and rock&roll?“ „Yes, absolutely.“ Dies griff er dann auch noch auf.. „So, after my decade of hiatus with sex, drugs and rock&roll, I rediscovered science fiction as something that I could write successfully.“

Lustige Fetzen:

  • „[the American people] are suffering from Stockholm syndrome towards their government“
  • „Bluetooth-wielding bouncer“
  • „Anti-buzz is the new form of marketing“

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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