Bloggen

Ranting about personal weblogs.

Nachdem ich mir gerade für meinen neuen Artikel über soup (vergleiche auch towo’s bag of tricks) darüber nachdenken musste, was so das gemeine Blog heute ausmacht, muss ich mich auch mal drüber ablassen, was ich dabei alles realisiert habe, bzw. verdrängt hatte, um es jetzt -mal wieder- zu realisieren.

Blogs sind doch zum Großteil ein Haufen egoistischem Mülls. Ich will jetzt nicht die gute Arbeit von Blogs wie Netzpolitik, antigames.de oder TorrentFreak nicht in den Schatten stellen, aber selbst die guten „normalen“ Blogs, die sich nicht nur einem spezifischen Thema widmen, sind extremst egozentrisch.

Nehmen wir jetzt mal so populäre Beispiel, e.g. das Bestatterweblog, das Law-Blog, der Shopblogger und wie sie alle heissen: sie sind einfach nur egozentrisch. Natürlich, gerade bei diesen Berufs-/Gattungsweblogs verstehe ich das, schließlich will man ja Einblicke in das Leben eines $sonstwas gewähren. Das kommt auch ganz gut rüber, und ist teilweise sehr interessant und/oder bildend (gerade Tom vom Bestatterweblog reisst sich da manchmal für den „Bildungsauftrag“ gefühlt ein Bein raus, selbst wenn er Gegenteiliges behauptet), ist aber trotzdem irgendwie egozentrisch.

Immerhin ist jedoch nicht der Müll, der sich durch die meisten anderen Blogs zieht, die von Einzelpersonen verfasst werden. Der ist nämlich teilweise unerträglich. Wenn man da reinschaut, sieht man einen Haufen belanglosen Müll, der keinen wirklich interessiert, und wo selbst der gemeine Twittrit seine Nase drüber rümpfen würde; dann werden da die diversesten Memes zwischengeworfen, welche sich wie ein Waldbrand zwischen diversen kleinen Blogs verbreiten, damit dann auch nach dem 25ten IQ-Test feststeht, daß jeder Computerbenutzer hochbegabt ist.

Ich versuche hier ja schon irgendwie, nicht jeden dahergelaufenen Mist zu posten, ein ganz kleines bißchen Inhalt zu produzieren – selbst wenn ich bestenfalls die Qualität einer Kolumne in einer kleinen Lokalzeitung aufbieten kann. Aber wenigstens schreibe ich nicht über etwas wie den morgentlichen Hustenanfall meiner Katze, oder wie ich, like, totally, das dritte Mal irgendwo abgelehnt würde, und, like, mein Leben die Hölle sei. Selbst wenn ich mit meinen zwei Meme-Posts da schon total gegen den Trend verstoßen habe.

Aber inzwischen frage ich mich echt: warum sind Leute so egozentrisch und meinen, daß ihren Scheiß jeder Mensch interessiert? Ich gehe selber jeden Morgen auf’s Klo, ich will nicht wissen, wie’s bei euch war! Es interessiert echt nicht die Bohne, also macht einfach mal sinnvolleren Inhalt, oder lasst es einfach sein.

Ihr seid nicht das Zentrum der Welt, egal wie oft ihr es auf eurem Blog betont.

William Gibson-Lesung auf der lit.COLOGNE

Resumée der Gibson-Lesung zur lit.COLOGNE.

Am Donnerstag, dem 6.3.2008, war William Gibson im Rahmen der lit.COLOGNE in Köln. Als Fan des Cyberpunks war es für den Autor natürlich selbstverständlich, diese Lesung zu besuchen – insbesondere, nachdem er den Vortrag Cory Doctorows verpasst hatte…

Wie man es von diversen Events erwartet, war der Einlass natürlich wieder eine Viertelstunde später als geplant. Kaum war man drinnen trifft man natürlich erst einmal andere Leute, die man schon kennt; die Szene ist wohl doch recht klein. Wobei man bei einigen Gestalten eher meinte, daß sie einfach eine Dauerkarte der lit.COLOGNE als wirkliches Interesse an diesem Vortragenden hatten.

Nebst William Gibson waren noch zwei andere Personen vertreten, deren Name mir inzwischen schon wieder entfallen ist. Einer spielte Übersetzer, der andere las gelegentlich aus der Deutschen Version von Spook Country (das Buch, welches vorgestellt wurde) vor. Der Vorlesende war ziemlich gut, und hatte auch ein, zwei Zeilen wunderbar zufällig auf das Publikum abgestimmt – als in der ersten Reihe irgendwer ein Glas umstieß, hieß es gerade passend „GEH RAUS!“ – sehr amüsant.

Man merkte Gibson an, daß er durch die Übersetzung zu ungelegenen Zeiten und der unnatürlich langen Einführung auf Deutsch schwer irritiert war; als er erst nach zehn Minuten mal was sagen durfte. Jedoch sind das nur Nebensächlichkeiten.

Es gab einige interessante Punkte:

  • Die bereits erwähnten Verschwörungstheorien als Religionsersatz war eines der wichtigen Themen.
  • Ihm wurde unterstellt, daß er gerade mit seinen Ideen über die aktuelle Welt, Vernetzung etc, damals schon sehr prophetischen Inhalt schrieb. Er meint jedoch, daß „Science Fiction“ nicht zu den Sachen gehört, die man schreibt, um die Zukunft vorauszusagen. Vielmehr sei SciFi als Kommentar auf die Entwicklung der aktuellen Gesellschaft zu sehen; man könne sich nicht alte Bücher von vor 30 Jahren nehmen und schauen, ob sie die Zukunft erfolgreich vorausgesagt haben. Sie seien immer im Kontext zu betrachten, selbst wenn manche Autoren das anders betrachten würden. Viele Science Fiction-Autoren würden auch nur über Sachen schreiben, die es vielleicht sogar schon gibt, „but haven’t made it to your local yet“.
  • Auch sagte Gibson, daß Science Fiction etwas sei, was so zwischen 12 und 17 Jahren stattfindet, und man dann erst mal ’ne Weile verliert. Zwischenfrage vom Translateur: „So you left science fiction for sex,, drugs and rock&roll?“ „Yes, absolutely.“ Dies griff er dann auch noch auf.. „So, after my decade of hiatus with sex, drugs and rock&roll, I rediscovered science fiction as something that I could write successfully.“

Lustige Fetzen:

  • „[the American people] are suffering from Stockholm syndrome towards their government“
  • „Bluetooth-wielding bouncer“
  • „Anti-buzz is the new form of marketing“