27. Februar 2008: Toleranz

Tole­ranz ist ja ein inter­es­san­tes Thema, so an und für sich. Es ist das Stre­ben der Men­schen danach, die natür­li­che Abwehr­hal­tung des Men­schen zu über­win­den. Von Natur aus ist der Mensch ein Wesen, wel­ches sehr ter­ri­to­rial ist, egal, wie stark man­che Leute zu glau­ben schei­nen, daß die­ses die Allein­schuld der Medi­en­un­ter­neh­men und/​oder des Kapi­ta­lis­mus ist. So sehr ich auch den Kapi­ta­lis­mus durch etwas Brauch­ba­re­res erset­zen würde, so kann man ihm nicht zu Last legen, daß er genau das erzeugt, wor­aus er ent­stan­den ist.

Auf jeden Fall ist es immer wie­der erstaun­lich, in einer welch ver­blen­de­ten Welt gerade man­che Tole­ranz­geg­ner zu woh­nen schei­nen. Einige Aus­sa­gen zeu­gen ent­we­der von tota­ler Welt­fremd­heit oder einem abso­lu­ten Fehl­ver­ständ­nis der Hal­tung, die sie eigent­lich adop­tiert haben. Ich habe erst letz­tens wie­der ein wun­der­ba­res Bei­spiel gesehen:

Tole­ranz ist mit das aller­wich­tigste auf der gro­ßen wei­ten Welt.
Ich mag nur beson­ders tole­rante Men­schen; aber das basiert dann auf Gegenseitigkeit.

Und ich glaube, daß ich von der Leser­schaft eine hin­rei­chende Ratio­na­li­tät erwar­ten kann, diese Aus­sage zu .. verstehen.

An und für sich finde ich ja sowas wie Tole­ranz toll; sie ist etwas, das man kön­nen sollte. Den­noch bleibt da ein Pro­blem zu man­chen Tole­ran­zideo­lo­gien: diese set­zen vor­aus, das jeder Mensch tole­rant zu sein hat — und hier wird es schon sehr schwer. Denn solch eine For­de­rung ist unge­fähr so, als würde man ver­lan­gen, daß es keine Cho­le­ri­ker mehr geben soll, oder daß bitte nie­mand mehr kri­mi­nelle Gedan­ken hege. Bei die­sen Punk­ten wer­den mir sicher­lich auch sehr ver­narrte Leute zustim­men, daß dies zumin­dest sehr, sehr schwer ist. Erwar­tet wer­den darf es auf jeden Fall nicht.

Ich würde auch manch­mal gerne tole­ran­ter sein — es würde mir viele Ner­ven spa­ren — aber die (emp­fun­dene) Dumm­heit ande­rer widert mich nun mal an, und selbst wenn ich das durch posi­ti­ves Den­ken über­spiele weiß ich: die­ses Biest lau­ert trotz­dem in mir. Erst, wenn mich sowas ein­fach nicht mehr berührt, könnte ich tole­rant sein, und die­sen Fall sehe ich nicht in naher Zukunft eintreten.

Von daher: Tole­ranz ist ehren­wert, aber hoffnungslos.

P.S.: Das ist meine Schau­fel!
P.P.S.: Das letzte Post­skript ver­langt quasi nach einem Arti­kel über aus der Spra­che indu­zier­ter Denkmuster.

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