Toleranz

Über Toleranzverständnis.

Toleranz ist ja ein interessantes Thema, pilule so an und für sich. Es ist das Streben der Menschen danach, die natürliche Abwehrhaltung des Menschen zu überwinden. Von Natur aus ist der Mensch ein Wesen, welches sehr territorial ist, egal, wie stark manche Leute zu glauben scheinen, daß dieses die Alleinschuld der Medienunternehmen und/oder des Kapitalismus ist. So sehr ich auch den Kapitalismus durch etwas Brauchbareres ersetzen würde, so kann man ihm nicht zu Last legen, daß er genau das erzeugt, woraus er entstanden ist.

Auf jeden Fall ist es immer wieder erstaunlich, in einer welch verblendeten Welt gerade manche Toleranzgegner zu wohnen scheinen. Einige Aussagen zeugen entweder von totaler Weltfremdheit oder einem absoluten Fehlverständnis der Haltung, die sie eigentlich adoptiert haben. Ich habe erst letztens wieder ein wunderbares Beispiel gesehen:

Toleranz ist mit das allerwichtigste auf der großen weiten Welt.
Ich mag nur besonders tolerante Menschen; aber das basiert dann auf Gegenseitigkeit.

Und ich glaube, daß ich von der Leserschaft eine hinreichende Rationalität erwarten kann, diese Aussage zu .. verstehen.

An und für sich finde ich ja sowas wie Toleranz toll; sie ist etwas, das man können sollte. Dennoch bleibt da ein Problem zu manchen Toleranzideologien: diese setzen voraus, das jeder Mensch tolerant zu sein hat – und hier wird es schon sehr schwer. Denn solch eine Forderung ist ungefähr so, als würde man verlangen, daß es keine Choleriker mehr geben soll, oder daß bitte niemand mehr kriminelle Gedanken hege. Bei diesen Punkten werden mir sicherlich auch sehr vernarrte Leute zustimmen, daß dies zumindest sehr, sehr schwer ist. Erwartet werden darf es auf jeden Fall nicht.

Ich würde auch manchmal gerne toleranter sein – es würde mir viele Nerven sparen – aber die (empfundene) Dummheit anderer widert mich nun mal an, und selbst wenn ich das durch positives Denken überspiele weiß ich: dieses Biest lauert trotzdem in mir. Erst, wenn mich sowas einfach nicht mehr berührt, könnte ich tolerant sein, und diesen Fall sehe ich nicht in naher Zukunft eintreten.

Von daher: Toleranz ist ehrenwert, aber hoffnungslos.

P.S.: Das ist meine Schaufel!
P.P.S.: Das letzte Postskript verlangt quasi nach einem Artikel über aus der Sprache induzierter Denkmuster.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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