15. Dezember 2007: Diskussionsverhalten
Manchmal ist es doch erstaunlich, wie unfähig erwachsene Menschen sein können, in einer Gruppe zu diskutieren. Je nach Situation wird dies natürlich durch eine Reihe von externen Faktoren bedingt, über welche man im Idealfalle begrenzten Einfluß hat: Umgebungslärm, das generelle Ambiente bzw. die Räumlichkeiten an sich und das Thema. Damit muß man halt leben, nichts ist immer perfekt.
Aber die menschliche Komponente ist bei Diskussionen natürlich das, was am wichtigsten ist — und somit inheränt auch gleich am fehleranfälligsten und störbarsten. Das geht von den kleineren Sünden, wie das Stören dadurch, daß man mit einem Nachbarn redet, in der irrigen Meinung, daß das minimal leisere Geplapper absolut gar keinen negativen Einfluß auf den eigentlichen Redner haben würde, über den einen, der immer gekonnt auf Sprechpausen wartet, um dann einen möglichst nervigen Beitrag zur Gesamtdiskussion zu machen, der nur den Verlauf stört und nichts wirklich bewirkt, bis hin zum Austragen persönlicher Streitigkeiten im Rahmen der Diskussion.
Warum genau müssen Menschen eigentlich immer so verdammt eigensinnig sein, wenn sie sich schon zusammensetzen, um über ein gemeinsames Thema zu diskutieren?
Die Standardantwort auf diese Frage ist natürlich: sie wollen ihre eigenen Interessen vertreten. Das ist natürlich auch überaus verständlich, und der Autor kann nachvollziehen, daß man seine eigene Meinung, welche natürlich unendlich besser als die der anderen sei, mit aller Gewalt durchpressen will, gerade, wenn man selber eine starke Investition in das Thema prägt.
Aber muß es denn sein, daß man gerade bei Themen, wo es einfach nichts gibt, wo man sonderlich eigennützig sein kann, trotzdem noch auf irgendwelchen eigenen Idealen beharrt? Und zwar so penetrant, daß man anderen nicht einmal die Chance gibt, eine andere (nicht zwingend bessere…) Behauptung vorzustellen?
Es ist läuft wahrscheinlich eh darauf zurück, daß die meisten Menschen einfach zu dumm sind, über persönliche Differenzen hinwegzuschauen, wenn es um die Diskussion in der Gruppe geht, und generell einfach zu wenig geistige Kapazität für ein Verständnis der Notwendigkeiten eines ordentlichen Umgangs miteinander besitzen, aber das ist nur ein Grund, und keine hinreichende Entschuldigung oder sogar Schuldbefreiung…

Eine Frage des Niveaus und der Diskussionsmoral. Diskussionen können heftig, aber dennoch konstruktiv sein, wenn die beteiligten in etwa die selben Interessen vertreten. Ich sehe zu oft, dass genau da das Problem liegt. Es gibt Personen, die sich nicht fokusieren können und damit immer wieder den Rahmen sprengen. Generalisieren und damit jedes bereits geklärte Detail wieder in Frage stellen.
Es zählt zur Kunst rethorisch geschickter Menschen stundenlang über einen Sachverhalt reden zu können ohne auch nur einen Punkt wirklich zu klären. Diese Menschen gibt es nicht nur in der Politik, sondern leider auch in vielen Diskussionsrunden. Wie gut kennt man die Situation in der eine Gruppe von Personen über längere Zeit nur damit beschäftigt ist, einer einzigen Person klar zu machen über “was” sie eigentlich diskutieren wollen und so eigentlich die zu klärenden Punkte sind. Das wird natürlich nicht verstanden, weil man alles generell ja auch ganz anders sehen kann.
Ich empfehle in dem Fall einfach aus der Diskussion auszusteigen. Im Endeffekt verpasst man ja nichts.
SdK