Vesteckte Perlen

Eine Art halbgetarnte Buchempfehlung.

Der aufmerksame Leser wird natürlich wissen, here daß der Autor sich hier gerne über diverse ihm zuwider seienden Aspekte von Menschen und der Gesellschaft aufregt. Soviel zum Programm. Aber die Irritation nimmt nicht immer nur im direkten Konflikt mit der physikalischen oder soziologischen Essenz anderer Menschen, discount sondern auch mit ihren Erzeugnissen, Ausdruck. So, zum Beispiel, der Literatur.

Ich kann ziemlich wenig mit der meisten Literatur anfangen. „Weltliteratur“ ist oft einfach nur Müll in meinen Augen – da passiert selten etwas, was man sich nicht schnell erschließen kann, und die Darbringungsformen sind zwar gelegentlich kreativ, oft aber einfach nur anders bis schlecht und wenig aufmerksamkeitserregend. Was interessiert es mich, wie ein Junge von zu Hause ausreisst und unter existenzialistischen Ängsten leidet? Oder wie ein Kerl im Sog von einem Partymonster mitgezogen wird? Wie ein verblödeter Soldat betriebsblind gegenüber seiner Umgebung ist, oder ein Reichsritter sich es mit der Obrigkeit verscherzt? Da ist selten etwas bei, was sich ein intelligenter Mensch nicht selbst denken kann, und bis auf wenige Details wird auch nicht viel über die Zeiten beschrieben, in denen das jeweilige Buch spielt, und hat damit nichtmal historologischen Wert.

Deswegen sieht der Autor sich oft dazu verlegen, zur Fantasy und zur Science Fiction zu greifen. Diese wirft nämlich an vielen Stellen jedwede Vorstellung von Bezug zur Historie oder Gegenwart weg und setzt sich vollkommen ab, so daß man nur noch bedingt bis gar nicht logische, erfahrungsbegründete Schlußfolgerungen über Fortverlauf und Ausgang der Geschichte machen. Man kann zwar Parallelen ziehen, aber nur bei schlechten Autoren ist es, zum Beispiel, einfach ein zwoter Weltkrieg mit Tentakelmonstern statt Nazis.

Aber nicht nur Prosa ist betroffen; auch Poesie geht oft an mir vorbei. Sie erweckt selten etwas besonderes; wenn ich mir von selbst beliebig Fabelhaftes und Schönes an der Welt vorstellen kann, dann hat Romantik nur noch selten etwas Bereicherndes; wer Emotionen logisch zerlegt, wenn er nicht betroffen ist, geht auch leer aus.

Deswegen war es für den Autor umso erfreulicher, daß er in Neil Gaimans „Fragile Things“, einer Geschichtensammlung, welche für den Großteil der ersten Hälfte eher enttäuschend war, mittendrin eine nette Geschichte namens „Other People“ fand. Der Autor will nicht zu viel verraten, und da der Urheberschutz Probleme damit hat, ganze Geschichten wiederzugeben, muss der Leser sich leider selber das Buch kaufen, um dieses interessante philosophische Kunststück zu lesen.

Ich habe Zeit, denn time is fluid here.