Dunkelheit

Eine der Urängste des Menschen. So ziemlich jedes Kind fürchtet sich zumindest eine Weile vor dem Dunklen. Einige können sogar noch bis ins hohe Alter nicht schlafen, malady wenn sie kein Licht haben. Andere, hingegen, akzeptieren die Dunkelheit, und können nicht schlafen, während ein Licht brennt. Eine der typisch menschlichen Dualitäten.

Die Furcht vor der Dunkelheit ist relativ einleuchtend (pun intended). Die Sehkraft des Menschen läßt in der Dunkelheit nach; er kann Farben nicht mehr direkt wahrnehmen, sondern muß sich auf das Gehirn verlassen, welches die Farben für ihn nachbessert. Er kann nicht mehr so weit sehen, wie es ihm lieb wäre, er erkennt Details nicht mehr so gut, er wird generell eingeschränkt. Von den Wurzeln her als Wesen der Jagd war dies gefährlich, denn wer den Feind in der Nacht, sei es Mensch oder Tier, nicht sehen kann, war schwer benachteiligt, denn der menschliche Hör- und Geruchssinn ist unzureichend für eine Ortung anderer. Also ist es nur logisch, daß sich der Mensch vor der Nacht, der Dunkelheit fürchtet, die ihm seine Sicherheit raubt. Durch die Furcht versucht er, die Nacht zu vermeiden, und die Furcht schärft auch die Sinne gegenüber allem Bedrohlichen. Eine vollkommen natürliche Reaktion also.

Akzeptanz der Dunkelheit ist ein halbbewusster Schritt. Der Mensch heutzutage muss erst erkennen, daß er sich in der Dunkelheit nicht mehr wirklich zu fürchten hat. Wir leben in sicheren Häusern, und die bösen, schwarzen Männern, die in der Nacht kommen, uns zu holen, sind nur noch Einschüchterungsmittel für Kinder und Geheimdienstopfer. Von daher kommen die Meisten irgendwann zu dem Schluß, daß sie kein schützendes Licht in der Nacht mehr brauchen. Natürlich gibt es gelegentlich Rückfälle – schließlich hat man nachts in einem unbekannten, schlecht bis gar nicht beleuchteten Umgebung allen Grund, die alten Urängste wieder hochzufahren. Die Straßen sind immerhin nicht mehr so sicher, wie sie vor 20 Jahren noch waren. Leider.

Warum also fasziniert den Mensch die Dunkelheit so? Wegen der Angst, die man vor ihr hatte, oder noch hat? Vielleicht will man sich selber der Angst stellen, seiner selbst behaupten? Oder vielleicht findet man nur Freude daran, sich seiner Angst hinzugeben, den Aufbau an Adrenalin, der als Reaktion dadurch das Blut heimsucht, auch im finsteren Todestal kein Unglück befürchtend.

Oder vielleicht sucht man einfach nur eine Art zu Hause, fühlt sich wohl in der Nacht, da sie die eigene Einsamkeit widerspiegelt. Durch die Nacht schreiten, umhüllt sein von einem Gefühl der Verlassenheit, während man den stillen Mond beobachtet, und um einen herum nur der Wind weht. Die Flügel der Seele ausbreiten um über das dunkle Land nach Hause zu fliegen.

Das ist einer der Vorteile der Nacht: man ist alleine mit sich, und darf sich trennen von dem ganzen Rest. Die Freiheit vom Rest der Menschheit, die man hat, wenn man des Nachts allein im Walde, dieses Gefühl erfreut. Eine Freiheit, die keine Pflicht ist, sondern ein Privileg, eine Freiheit, derer zu haben keine Wachsamkeit voraussetzt, und die auch nicht erkämpft werden muß. Eine elementare Freiheit, die keiner Verteidigung bedarf.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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