Übereilte Reaktionen und Artverwandtes

Yay, Terrorismus. Schon wieder.

„Terror als Strategie“: Bei Netzpolitik wird auf den Telepolis-Artikel „Terror und Panik“ verwiesen, der ziemlich akkurat genau den Sinn und Zweck von Terrorismus beschreibt, und damit auch die Abwehrmaßnahme impliziert: Apathie. Wenn irgendwo was passiert in Sachen Anschlag, einfach aufräumen, gucken, ob man findet, wer’s war, und das war’s.

Man darf dann nicht anfangen, in Panik zu geraten, und in akuter geistiger Mehrverneblung auf den Trichter zu kommen, das besondere Abwehrmaßnahmen helfen würden, etwas zu verhindern. Zum Beispiel, nach dem Vorbild des amerikanischen Reaktionismus, Rail Marshals einzusetzen, welche bewaffnet für mehr Sicherheit in Bahnen sorgen sollen.

Im Endeffekt führt dies natürlich nur zu vielen Unbequemlichkeiten oder gar negativen Auswirkungen, während sich der gemeine Gesellschaftsfeind einfach ein neues Ziel sucht. Gibt ja genug, und Bruce Schneier (WP) denkt ähnliches:

It’s easy to defend against what terrorists planned last time, but it’s shortsighted. If we spend billions fielding liquid-analysis machines in airports and the terrorists use solid explosives, we’ve wasted our money. If they target shopping malls, we’ve wasted our money. Focusing on tactics simply forces the terrorists to make a minor modification in their plans. There are too many targets — stadiums, schools, theaters, churches, the long line of densely packed people in front of airport security — and too many ways to kill people.

Security measures that attempt to guess correctly don’t work, because invariably we will guess wrong. It’s not security, it’s security theater: measures designed to make us feel safer but not actually safer. (Quelle: Crypto-Gram (August 2006))

Und genau dieses Theater ist schließlich das eigentliche Ziel: wenn sich immer mehr Leute in die Luft sprengen, um andere Leute zu töten, löscht sich die Attentätergruppe mit hoher Warscheinlichkeit weit vor dem Zielpublikum aus. Der Sinn von Terrorismus — daher auch der verdammte Name, Terrorismus — ist es, Angst und Schrecken zu verbreiten, und die Leute dazu zu bringen, ihr normales, gewohntes Leben einzuschränken aus Angst davor, daß irgendetwas passieren könnte. Schließlich verbietet auch keiner Autos, obwohl diese mehr Menschen umbringen als Terroristen. Auch verbietet niemand Alkohol, obwohl Alkoholexzesse oft viel schwerwiegendere Folgen haben.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie tolle Sicherheitsmaßnahmen nach hinten losgehen können: RFID-Pässe als Fernzünder. Eigentlich ziemlich logisch. Man koppelt einen kleinen RFID-Leser mit einer Bombe, der einfach genau dann Strom abgibt, wenn man zum Beispiel vom Pass eines Deutschen ein Signal bekommt. Bumms, Zündung, Deutscher tot, denn RFID hat eine so kurze Reichweite, daß fatale Wirkung praktisch garantiert ist.

Von daher: get real, Sicherheitsfanatiker. Alles, was ihr bewirkt mit eurer Politik, ist ein Sieg für die Anschlagenden und mehr Frust für Angeschlagene.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

3 Gedanken zu „Übereilte Reaktionen und Artverwandtes“

  1. Da gibt’s dann wohl nur eine Möglichkeit:

    Stadium-Marshals, Schul-Marshals, Theather-Marshals, Kirchen-Marshals, Vor-der-Flughafen-Kontrolle-Marshals. Und natürlich Supermarkt-Marshals im Kaufland.

  2. Pingback: Synoland Blog

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