Darstellende Aggression

In der Gesellschaft heutzutage ist es ja schon fast normal, cheap daß man feindseeligen und aggressiven Leuten begegnet. Wenn man sich allein die generelle Attitude der heutigen Jugend gegenüber ihrer Umwelt vornimmt, pharmacy kommt man schon zu einer klaren Präferenz, die zeigt, daß der gemeine Jugendliche seiner nicht-nahestenden Umgebung möglichst viel Aggression entgegenzubringen versucht. Wieder einmal bevorzugt der Autor hier das Beispiel der Straßenbahn, da sie wunderbar zur Veranschaulichung dient. Gerade in leereren Straßenbahnen sieht man es häufig, daß ein Kevin oder Dustin oder Mehmet sich in die Bahn hineinbewegt, umguckt, und zielsicher auf einen leeren Vierer-Sitzplatz zustreunert, den er dann ausgiebig belegt. Die Plätze ihm gegenüber werden von seinen Füßen versperrt, und oft genug sitzt er auch noch so breit, dass man sich nirgendwo auf dem Vierer hinsetzen kann, ohne daß er Platz machen müßte.
Auch im allgemeinen Umgang darf man von den jungen Leuten nicht mehr zu erwartet, scheint einem.

Daher frägt man sich doch: Was steckt dahinter, daß gerade die junge Gesellschaft der Aggression fröhnt, während man im Bereich des mittleren Alters eine Gelassenheit, oder höchstens eine geringe Angespanntheit feststellen kann. Im Alter wieder scheint ein gewisser Regress stattzufinden, und man findet eine gewisse ängstliche Feindseeligkeit.

„Woran liegt das?“ war die Frage, die dem Autor letztens mal durch das Oberstübchen sauste, und dazu machte er sich ein paar Gedanken. Welcher Sinn liegt dahinter, der Umgebung feindseelig gegenüber zu treten? Nehmen wir vielleich erst mal das simplere Beispiel:

Gerade bei älteren Leuten ist die gewisse Feindseeligkeit, die sie jungen Grashüpfern gegenüber haben, nicht ein prinzipielle Argwohn, sondern eine Unsicherheit und Angst. Ältere Leute stehen ja ganz offen dazu, daß sie Probleme mit der neuen, hektischen Welt haben, wo Sachen viel zu schnell passieren, wenn man von früher gewöhnt war, daß die Entwicklung ein eher gemächliches Unterfangen sei. Daher sind sie einfach verunsichert, und versuchen sich so einzuigeln, so daß sie keine Problem bekommen. Klingt logisch.

Versuchen wir das doch mal auf Jugendliche zu übertragen. Eine Angst gegenüber der schnellen Veränderlichkeit der Welt kann es ja nicht sein, die sie zur Ablehnung treibt, denn schließlich bestimmen gerade sie selbst ja oft das Tempo der Welt mit. Dort kann also die Begründung nicht liegen.

Wenn wir jetzt mal bei erwachsenen bis mittelältrigen Menschen einen Ansatz finden, warum sie — allgemein, Spezialfälle wie gehabt ausgenommen — nur wenig Aggressivität gegenüber Unbeteiligten aufweisen, sind wir der Lösung vielleicht einen Schritt näher. Warum also hat man es oft, das der normale Mensch oft relativ gelassen seine Zeit in der Straßenbahn verbringt? Manchmal sieht man sie etwas angespannt, aber das kennen wir ja alle – ein Termin, den man einhalten muß, oder die Frau, die gerade meinte, daß sie jetzt doch schwanger ist. Alltag halt. Aber das ist es halt: der Mensch hat so seine ein, zwei Probleme, kommt aber sonst relativ gut mit seinem Leben klar. Er hat schon einige Jahre auf dem Buckel, aber nicht zu viele, so daß er sich nicht in der aktuellen Welt verloren fühlt.

Daher vielleicht auch bei den Jugendlichen: vielleicht sind sie einfach nur derart aggressiv ob eines eigenem Mangel an Erfahrung und fehlenden Eigenidentität. Wenn man sein Leben nur danach definiert, welchen Status man im Vergleich der medienkonsumierenden jugendlichen Großentität hat, muß man ja eine gewisse Feindseligkeit gegenüber der Umgebung wahren, um nicht aus dem Rahmen zu fallen, den man sich selber aufsetzt. Sozusagen eine Kulmination der Pubertät in einem Massenphänomen sondergleichen, ein „stand alone complex“ der individuellen Verängstigung zu einem gewaltigen Kultureinfluß, der so gravierend ist, daß er auch älteren Menschen, ihres Zeichens oft eher gleichgültig gegenüber den Wirren der Jungen, es wahrnehmen.

Daher, Kinders: kommt mal ins Reine mit euch, und versucht euch nicht, anhand von Clichés zu identifizieren. Dann guckt ihr auch nicht mehr so grimmig.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

3 Gedanken zu „Darstellende Aggression“

  1. In öffentlichen Verkehrsmitteln leere Viererbänke besetzen und sich ordentlich ausbreiten IST Gelassenheit. Derjenige denkt normalerweise gar nicht darüber nach, sondern sitzt nur so, dass es angenehm ist. Aggression erst, wenn du sagst: „Kann ich mich mal da hinsetzen?“ und derjenige: „Nein! Verzieh dich!“

  2. Ich verfeinere: natürlich kann man sich sowohl gelassen als aggressiv auf einen Vierer hinsetzen. Aber ich mein die Leute, die dann leicht den Stuhl runterrutschen, die Beine hochlegen (am Besten mit beiden Füßen auf den gegenüberliegenden Sitzkanten fixieren) und dann grimmig in die Welt gucken.

  3. Ich glaube ja eher das die allmorgendliche Freakshow ausdruck der allgemeinen Entropie ist, die in Deutschland nun mal herrscht. Wenn ich da so an morgendliche Bahnfahrten in Nordamerika denke, wo man freutlich gegrüsst wird und man mit den Leuten auch noch nett reden kann.

Kommentar verfassen