Antiamerikanismus durch selektive Wahrnehmung

Über das missglückte Lied eines US-Soldaten.

Wein, Weib und Gesang – sozusagen einer der Grundmaximen männlicher Überlebensphilosophie – sind eigentlich eine gute Methode, um die eigene Moral zu fördern. Auch beim Militär ist dies bekannt, aber dort gibt es auf die ganze Sache wieder Auflagen, so dass das gar nicht mehr unterhaltsam ist. Wein ist erlaubt, aber auch nur, solange es nicht im Dienst ist, und somit ist er schon mal keine Option für die gelangweilte Zeit auf Bereitschaft. Weiber sind auch erlaubt, nur ist es wiederum nicht erlaubt, während der Dienstzeit in den Kasernen mit den Frauen sich zu vergnügen, was z.B. gerade den US-Militärs beim Auslandseinsatz im Irak übel aufstößt, da die Dienstzeiten lang und die friedlichen Orte ausserhalb der Kaserne eher knapp sind.

Was bleibt also? Der Gesang. Der ist bei vielen Militärs schon während der Dienstzeit ausdrücklich erlaubt, zum Beispiel beim Sport oder beim Marschieren. Daran sollte es also nicht viel schlimmes geben, sollte man meinen; gerade dann, wenn freie Meinungsäußerung eine der Grundprinzipien sind, auf denen sich der zu einem Militär gehörige Staat stützt.

Das Problem bei der freien Meinungsäußerung ist aber, daß man halt alles mögliche sagen und singen darf, so vielleicht auch Sachen, die, wenn man nicht genau hinhört, alles andere als positiv aufgefasst werden können. So erging es auch einem US-Soldaten im Irak, der seine Erlebnisse mit den Irakern im Gesang verarbeiten wollte. Es könnte als ungeschickt aufgefasst werden, daß er sich gerade ein Thema aussuchte, wo die vermeintliche einheimische Tendenz zum radikalen Blutvergießen ohne Rücksicht auf Verluste beschrieben wird, aber das sei jetzt mal einfach so in den Raum gestellt.

Viel interessanter ist natürlich die Publikumsreaktion: man hört nicht richtig hin, und vergisst dann schon mal so Details wie „die anderen erschiessen das Mädchen“, sondern ändern es um nach „die anderen schrieen und das Mädchen starb“. Kommt vor, und kaum kommt sowas vor, hat man eine lautstarke Diskussion und muss sich dafür entschuldigen und wird vom halben Land gehasst.

Lektion daraus: auch Gesang sollte während der Dienstzeit verboten sein, zum Wohle der eigenen Soldaten.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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