Relevanz fiktionaler Charaktere als Meinungsträger

Letztens ist dem Autor spontan aufgefallen, stomach daß es viel einfacher ist, order seine Meinung zu äußern, wenn man dies nicht direkt macht, sondern sie über den Umweg eines fiktionalen Charakters beschreibt. Oft ist es nämlich so, daß gerade diese eher „frei“ von Vorurteil betrachtet werden, während der Mensch an sich durch alle möglichen Zusammenhänge stigmatisiert wird, seien es nun die aktuellen Beziehungen, Sachen, die man mal vor einiger Zeit gesagt hat oder auch nur die generell Meinung über einen selbst.

Die Vorteile davon hingegen, einen fiktionellen Charakter so zurechtzubiegen, daß er die eigene Meinung herüberbringt, liegen auf der Hand: man kann den Charakter frei gestalteten, das heißt, man kann ihn so liebenswert wie asozial wirken lassen, wie man selber gerne wirken würde. Da der Leser zumindest bei prosaischer Fiktion (womöglich) im Bann der Geschichte ist, wird das ganze Konzept, welches der Charakter vertritt, viel widerstandsloser angenommen, als wenn es tatsächlich als ein Diskussionsgegenstand zur Rede stünde. Auch fällt es dem Leser viel leichter, den Charakter in eine Schublade, wie „Held“ oder „Bösewicht“, einzuordnen, welches dem Akzeptanz und der Verständnis sehr zuträgt.

Gewisse Politiker sollten mal anfangen, Romane zu schreiben.

Darstellende Aggression

In der Gesellschaft heutzutage ist es ja schon fast normal, cheap daß man feindseeligen und aggressiven Leuten begegnet. Wenn man sich allein die generelle Attitude der heutigen Jugend gegenüber ihrer Umwelt vornimmt, pharmacy kommt man schon zu einer klaren Präferenz, die zeigt, daß der gemeine Jugendliche seiner nicht-nahestenden Umgebung möglichst viel Aggression entgegenzubringen versucht. Wieder einmal bevorzugt der Autor hier das Beispiel der Straßenbahn, da sie wunderbar zur Veranschaulichung dient. Gerade in leereren Straßenbahnen sieht man es häufig, daß ein Kevin oder Dustin oder Mehmet sich in die Bahn hineinbewegt, umguckt, und zielsicher auf einen leeren Vierer-Sitzplatz zustreunert, den er dann ausgiebig belegt. Die Plätze ihm gegenüber werden von seinen Füßen versperrt, und oft genug sitzt er auch noch so breit, dass man sich nirgendwo auf dem Vierer hinsetzen kann, ohne daß er Platz machen müßte.
Auch im allgemeinen Umgang darf man von den jungen Leuten nicht mehr zu erwartet, scheint einem.

Daher frägt man sich doch: Was steckt dahinter, daß gerade die junge Gesellschaft der Aggression fröhnt, während man im Bereich des mittleren Alters eine Gelassenheit, oder höchstens eine geringe Angespanntheit feststellen kann. Im Alter wieder scheint ein gewisser Regress stattzufinden, und man findet eine gewisse ängstliche Feindseeligkeit.

„Woran liegt das?“ war die Frage, die dem Autor letztens mal durch das Oberstübchen sauste, und dazu machte er sich ein paar Gedanken. Welcher Sinn liegt dahinter, der Umgebung feindseelig gegenüber zu treten? Nehmen wir vielleich erst mal das simplere Beispiel:

Gerade bei älteren Leuten ist die gewisse Feindseeligkeit, die sie jungen Grashüpfern gegenüber haben, nicht ein prinzipielle Argwohn, sondern eine Unsicherheit und Angst. Ältere Leute stehen ja ganz offen dazu, daß sie Probleme mit der neuen, hektischen Welt haben, wo Sachen viel zu schnell passieren, wenn man von früher gewöhnt war, daß die Entwicklung ein eher gemächliches Unterfangen sei. Daher sind sie einfach verunsichert, und versuchen sich so einzuigeln, so daß sie keine Problem bekommen. Klingt logisch.

Versuchen wir das doch mal auf Jugendliche zu übertragen. Eine Angst gegenüber der schnellen Veränderlichkeit der Welt kann es ja nicht sein, die sie zur Ablehnung treibt, denn schließlich bestimmen gerade sie selbst ja oft das Tempo der Welt mit. Dort kann also die Begründung nicht liegen.

Wenn wir jetzt mal bei erwachsenen bis mittelältrigen Menschen einen Ansatz finden, warum sie — allgemein, Spezialfälle wie gehabt ausgenommen — nur wenig Aggressivität gegenüber Unbeteiligten aufweisen, sind wir der Lösung vielleicht einen Schritt näher. Warum also hat man es oft, das der normale Mensch oft relativ gelassen seine Zeit in der Straßenbahn verbringt? Manchmal sieht man sie etwas angespannt, aber das kennen wir ja alle – ein Termin, den man einhalten muß, oder die Frau, die gerade meinte, daß sie jetzt doch schwanger ist. Alltag halt. Aber das ist es halt: der Mensch hat so seine ein, zwei Probleme, kommt aber sonst relativ gut mit seinem Leben klar. Er hat schon einige Jahre auf dem Buckel, aber nicht zu viele, so daß er sich nicht in der aktuellen Welt verloren fühlt.

Daher vielleicht auch bei den Jugendlichen: vielleicht sind sie einfach nur derart aggressiv ob eines eigenem Mangel an Erfahrung und fehlenden Eigenidentität. Wenn man sein Leben nur danach definiert, welchen Status man im Vergleich der medienkonsumierenden jugendlichen Großentität hat, muß man ja eine gewisse Feindseligkeit gegenüber der Umgebung wahren, um nicht aus dem Rahmen zu fallen, den man sich selber aufsetzt. Sozusagen eine Kulmination der Pubertät in einem Massenphänomen sondergleichen, ein „stand alone complex“ der individuellen Verängstigung zu einem gewaltigen Kultureinfluß, der so gravierend ist, daß er auch älteren Menschen, ihres Zeichens oft eher gleichgültig gegenüber den Wirren der Jungen, es wahrnehmen.

Daher, Kinders: kommt mal ins Reine mit euch, und versucht euch nicht, anhand von Clichés zu identifizieren. Dann guckt ihr auch nicht mehr so grimmig.