Toleranz, Studiengebühren

Über eine sozialverträgliche Definition von Toleranz sowie die drohende Einführung von Studiengebühren.

Spontane Gedanken, pills während man sich so seine Kommilitonen anschaut und einige Überlegungen anstellt:

Toleranz ist, lange genug das eigene Gelächter zurückhalten zu können, bis die anderen außer Hörweite sind.

Natürlich ist das nicht ganz universal; viele Dinge, die Toleranz abverlangen, provozieren nicht unbedingt Gelächter, sondern, in manchen Fällen, eher extreme Abneigung. Aber, wenn man will, kann man doch alles, was einem abfällig ist, auch in die Lächerlichkeit ziehen, von einem absolut clichéhaften lispelnden und verspuckten Stimmbild eines anderen bis hin zu dem Kommilitonen, der jedes Mal wie ein Kameljockey in der Vorlesung auftaucht und alles andere macht, nur nicht studieren. Selbst unsere kleinen braunen Freunde sind im Endeffekt ja auch nur zum auslachen da, weil wer kann allen Ernstes denken, mit solchem Gehabe Ernst genommen zu werden.

Auch Morgen wird wieder eine Übung an Toleranz stattfinden: ab 12:30 wird morgen auf dem Albertus-Magnus-Platz der Universität zu Köln (für alle Namensunkundigen: vorm Hauptgebäude) gegen die Einführung der Studiengebühren protestiert. Für den gleichen Tag ist nämlich die entscheidende Senatssitzung in Sachen Studiengebühren angesetzt, die unter Ausschluß der Öffentichkeit stattfinden soll, da es die Studenten ja scheinbar nichts angeht, wenn man ihnen Geld abknöpfen will.

In einer – verständlicherweise stark gefärbten – Mail auf der Ankündigungsliste uk-events der Universität schreibt Markus Struben, Senatsmitglied der Universität zu Köln:

Nachdem am 3. Mai rund 3000 Studis trotz massiven Polizeieinsatzes die letzte Senatssitzung verhindert haben, versucht das Rektorat für die kommende Sitzung am Mittwoch, ein fragwürdiges Verfahren umzusetzen: Sämtliche Senatoren wurden für 13.30 Uhr zu unterschiedlichen Straßenecken eingeladen (ich darf mich z.B. vor der Tiefgarage des Philosophikums einfinden), um von dort „sicher zum Tagungsort transferiert“ zu werden. Der Sitzungsort wird geheimgehalten, die Öffentlichkeit soll ausgeschlossen werden.

Die Erhebung allgemeiner Studiengebühren – die Studis knapp zwei Monatsgehälter pro Jahr bzw. einen massiven Schuldenberg kosten – geht also im Sinne der Uni-Leitung StudentInnen nichts an. Sie werden verarscht und zusätzlich durch Polizeieinsätze kriminalisiert. Und alle wissen: Genau wie die schon bestehehenden rot-grünen „Langzeit-“ und Zweitstudiumsgebüühren, genau wie in jedem anderen Bundesland, genau wie in jedem anderen Staat der Welt werden dadurch nicht mehr Mittel an die Hochschule fließen. Die Studis zahlen mehr, die soziale Ungerechtigkeit erhöht sich nochmals, die Hochschulen bekommen weniger, der Staat zahlt weniger. Das elitäre Bildungssystem wird wieder ein gutes Stück elitärer.

Der reisserische Teil sei dahingestellt, aber die Wahrheit liegt im Kern: Denn letztes Semester wurde umfassend an den meisten Fakultäten die Zuschüsse gekürzt, so daß zum Beispiel der Lehrbetrieb der Mathematik stark eingeschränkt wurde – man frage einen beliebigen Angestellt des Mathematischen Instituts über diesen Beschluß, und man wird mit einem wehleidigem Blick belohnt. Zusätzlich dazu entzieht das Land nochmal der Universität das Geld — vermutlich unter der „Ihr kriegt ja Studiengebühren“-Argumentation — so daß auch z.B. das Kölner Studentenwerk seine Preise um 0,05 bis 0,10 € erhöhen muß. Das klingt nicht viel, aber man mag einmal abschätzen, was sich im Monat da so läppert. Und dann heißt es in den Verwendungszwecken der Studiengebühren, daß primär der Lehrbetrieb gefördert werden soll, was irgendwie stark paradox klingt. Ich warte schon auf die Aussagen, die behaupten, daß „alles wieder besser“ sei, und man dabei sich nur auf den Stand vor der künstlichen Einschränkung zurückkatapultiert hat.

Daher: einfach mal Morgen vor der Uni Köln rumstehen. Der Autor wird warscheinlich auch irgendwo mit seiner EOS 300D in der Menge rumhopseln.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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