Konzerte und die Menschen dort

Lange ist es her, daß ich einen tiefergehend menschenkritischen Beitrag geschrieben habe – der sorgfältige Leser wird sicher wissen, daß dies ja der eigentliche Zweck dieses ganzen Apparatus hier ist. Daher ist es nun nach dem gestrigen Konzert im alten Wartesaal (Köln, am Hauptbahnhof) von Subway to Sally auf ihrer „Nackt“-Akustiktour endlich mal wieder Zeit, einige der dort wieder beobachteten Tatsachen zu publizieren.

Zum einen gibt es da das Problem der Leute, die meinen, daß eine Warteschlange dafür da ist, das andere Leute sich anstellen. Wie alle gestern beim Konzert anwesenden Leute (und jeder, der zwischen Hauptbahnhof und Dom unterwegs war) bestätigen werden kann, war die Schlange kurz vor Einlass sehr lang – wer sich in Köln auskennt, dem wird die Information, daß die Schlange vom Eingang des alten Wartesaals an der Wand lang führte und danach quer über den Bahnhofsvorplatz ging, vom Eingang des Saals aus gesehen so grob bis etwas hinter diesem Häuschen, was an der großen Treppe steht.

Aber natürlich gibt es mal wieder besonders wichtige Menschen, die meinen, daß es ihrer Kooperation mit dem allgemeinen Konzept einer Warteschlange nicht bedarf, so daß sie sich die Freiheit rausnehmen, sich einfach mal so vorne in die Schlange reinzudrängen. Interessant dazu war noch, daß sie sogar gute Möglichkeiten gehabt hätten, nicht wirklich weit hinten in der Schlange zu stehen – sie vertrieben sich aber lieber neben der Schlange die Zeit (persönlich fand ich es ja schon fast widerlich, wie dieser alte, ekelhafte Typ über seine wesentlich jüngere Freundin permanent herfiel), imitierten Zugehörigkeit und mischten sich dann einfach asozial in die Schlange, direkt hinterm Ende der ersten Absperrgitter. Sollten froh sein, daß keiner einen Aufstand machen wollte, da man schließlich noch das Konzert zu genießen vorhatte.

Ein weiteres Konzept, welches ich als praktisch orthogonal zu Konzerten empfinde, sind die Leute, die miesgrämig herumstehen, mit permanent heruntergezogenen Mundwinkeln, und eine generelle Aura ablassen, die man von Tokio Hotel-Fans auf Entzug erwartet, oder vielleicht frischen Vergewaltigungsopfern. Ich weiß nicht, ob das nicht vielleicht inzwischen so eine Art neue Modeerscheinung ist, absolut „emo“ zu wirken, aber es geht irgendwie gehörig auf die Nerven, solche Leute auf einem Konzert sehen zu müssen.

Bevor die Band anfingt zu spielen kann ich es ja noch fast verstehen, daß man etwas miesgrämig aus der Wäsche gucken kann, aber wenn das Programm schon seit einer beachtlichen Weile auf der Bühne läuft, und dann die Leute immer noch in der Menge stehen und ein persönliches „Ich bin so traurig, ich find‘ das alles so doof“-Feld um sich herum aufbauen, da sie regungslos mit traurigem Blick darstehen, dann grenzt das ja schon fast an Asozialität gegenüber anderen, so man ja auf die persönliche Sphäre anderer selbst auf Konzerten Rücksicht nimmt (oder nehmen sollte). Und man will nun wirklich nicht auf Konzerten das „absolute terror“-Feld der anderen aus solch stumpfen Gründen berücksichtigen müssen.

Was ich aber gut finde, ist, daß gutaussehende Frauen ganz oft und gerne rauchen. Das hindert mich dann daran, etwas Dummes zu tun, zum Beispiel eben jene mit nach Hause zu nehmen. Wird natürlich erst interessant, wenn diese Frauen schon auf dem letzten Konzert meinten, beim Hüpfen hinter einem intensiven Körperkontakt herzustellen. ;)

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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