Teleportation und ihre Tücken

Quantenteleportation überträgt nur Informationen…. sind nach einem Informationstransport auch wirklich alle Daten vorhanden, oder gehen welche verloren?

Wissenschaft und Religion liegen ja bekannterweise seit ungefähr dem Zeitpunkt, online wo ein Mensch dachte, there daß es ganz spaßig wäre, stuff mal über einem haufen trockener Äste zwei Steine zusammenzuschlagen, und irgendwer anderes dachte, daß das Ergebnis nicht ganz mit rechten Dingen zugehen kann, im Clinch. Erst vor kurzem gab es auf der anderen Seite des Teiches mal wieder eine große — nocht nicht ganz ausgestandene — Debatte darüber, ob es denn richtig ist, den Leuten etwas von Darwin beizubringen, da es ja der zum Beispiel christlichen Entstehungsgeschichte widerspricht.

Ganz unabhängig davon, ob man nun daran glaubt, daß man aus Knochen und Ton einen voll funktionstüchtigen Menschen basteln kann, wird man von diesem Streit in Mitleidenschaft gezogen, da man es halt nicht beiden Partien recht machen kann. Selbst wenn man sich auf Seiten der Wissenschaft manchmal etwas freundlicher gibt, so möchte man doch am Liebsten, daß die andere Fraktion einfach verschwünde. Und sowas zieht natürlich seine Spuren, sei es die Abschaffung von der Evolutionstheorie oder die Anhänger von anderen Religionen, die dann gleich auch ihre eigene Entstehungstheorie mit an der Schule unterrichtet sehen wollen. Dies gilt natürlich auch für frühere Konflikte, wobei bei den heutigen weniger der einzelne Mensch als Person das Thema ist – schließlich hörte man schon vor einer ganzen Weile auf, Frauen mit etwas Ahnung von weltlichleren Heilungsmethoden als Hexen zu verbrennen.

Meines Erachtens schwant aber schon ein neuer Streit am Horizont, und dieses Mal geht es wieder stark auf den Menschen zu: Wissenschafler arbeiten gerade an der Quantenteleportation, bei der über ein paar verschränkter Quanten Informationen ohne Umweg über ein Zwischenmedium übertragen werden können (Do you want to know more?). Natürlich handelt es sich hierbei um Längen nicht um die Zukunfsmusik, wie wir sie aus Star Trek, Stargate und aus Japan (drittletzter Absatz) kennen, aber es ist schon ein Schritt in die Richtung — immerhin war die Erde auch mal flach — der zu allgemeinen Überlegungen zu dem Thema beiträgt.

Die Frage ist nun: Wenn man nun die Informationen von einen Ort an den anderen verschiebenen kann, wird dann auch wirklich alles verschoben, was da ist? Die Existenz einer Seele konnte bei Menschen bisher nicht nachgewiesen werden, wobei der Klerus sich auf shakespeareschem Niveau damit herauswindet, daß, selbst wenn es erforschbar wäre, es eben halt noch nicht gefunden wurde. Horatio läßt grüßen. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus macht den Mensch einzig und allein das aus, was das neurale Netz im Kopf meint. Wenn aber nun bei einer gedachten Teleportation der Mensch erstmal in seine Einzelteile zerlegt und dann am Ziel wieder zusammengesetzt wird, ist dies dann nicht eine Art von Kaltstart für das ganze neurale Netz? Wäre dies dann sozusagen der selbe Effekt, als wenn man eine eventuell vorhandene Seele einfach zurücklassen würde? Oder würde man selber wirklich gar nichts davon merken, und wirklich mit dem eigenen Bewusstsein da ankommen?

Das ist wohl mit der gruseligste Gedanke dabei: es könnte tatsächlich sein, daß immer wieder das jeweilige Bewusstsein zusammenfällt und neu aufgebaut wird, aber halt nur so, daß es ein gleiches ist, und nicht das selbe – nach Außen hin wäre der Unterschied nicht zu merken, da es gleich ist, aber innerliche wäre, ohne, daß es nie jemand erfahren hätte, ein Mensch gestorben und neuer geboren, sozusagen. Niemand würde es merken, ja nicht mal das Opfer selber, und das ist eines der größten Probleme mit der Teleportation in Ansicht des Autors: Aufhören zu existieren, ohne daß es jemandem bewußt wird.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

6 Gedanken zu „Teleportation und ihre Tücken“

  1. Ich kanns nicht beschwören, aber ich meine, daß das Problem, das du im letzten Absatz beschreibst, auch von Leonard McCoy in einem der Star-Trek-Bücher thematisiert wird. Vermutlich sogar in mehreren.

  2. Gelesen habe ich die Bücher nie, daher kann ich dazu nichts sagen. Hätte mich aber auch ernsthaft gewundert, wenn da nicht mal mindestens einer vorher dran gedacht hätte.

    Ceterum censeo retis logeum structura filatim requaerare.

  3. Irgendwie erinnert mich der letzte Absatz an den Reboot eines PCs. Entweder du hast zuviel Zeit vor der Flimmerkiste verbracht, oder ich bin die Person mit der falschen Zeiteinteilung.
    Aber selbst wenn es so wäre, wie du beschreibst: Ist der normale Tod eines Menschen nicht etwas anderes als ein Tod den niemand, inkl. der Person die gestorben ist, bemerkt? Kann man denn sterben wenn man trotzdem ohne Veränderung weiterlebt?

  4. Zu viel Outer Limits? Wer weiß, wer weiß.
    Es ist nach Außen hin natürlich kein Sterben, aber wenn man wirklich davon ausgeht, daß das Du, welches gerade hier sitzt und liest oder schreibt, nicht mehr da ist, sondern durch etwas gleiches ersetzt wird, ist halt das Problem, daß nicht durch das SELBE ersetzt wird… Und daher finde ich die ganze Sache irgendwie ziemlich gruslig.

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