eBay und Kimonos

Die Unfähigkeit der Leute, sich korrekt zu verhalten und Sachen korrekt zu beschreiben, wird ausgiebig bemängelt.

Auch wenn zumindest einige wenige (ungefähr eine Person) an dieser Stelle vielleicht einen anderen Beitrag erwarten, click so muß ich doch gerade dieses Blog mal wieder seiner eigentlichen Verwendung zuführen: dem Lästern. Denn endlich habe ich mal wieder ein solides und tolles Thema (zum Zweck des Lästers, versteht sich, im allgemeinen ist es nicht toll), über welches ich mich hier doch direkt auslassen möchte.

Das Thema dreht sich um eine denkbar einfache Sache: eBay. Wobei ich nicht eBay selbst einen Vorwurf machen möchte, sondern vielmehr seinen Nutzern. Und, direkt in einem mit, auch noch der Bekleidungsindustrie, da dort einige der Menschen, die für Kategorisierungen zuständig sind, wohl zu viele Schläge auf die Schädeldecke abbekommen haben – also auch gleich zuwenige, da das Werk ja offenbar nicht vollendet wurde.

Was passiert, wenn man das Werk des Abschlachten eines Bekleidungsstückekategorisierers (das Wunder der deutschen Sprache – macht das mal nach, Ihr Angelsachsen!) nicht ordnungsgemäß mit einem Exitus der Vitalfunktionen des Opfers abschließt, läßt sich sehr leicht erklären: Man suche bei eBay einfach mal nach dem Wort „kimono“ und schaue sich so an, was da so für Ergebnisse hervorsprießen.

Da ich nicht im geringsten über den Bildungs- und Wissenszustand meiner Leserschaft bewußt bin, werde ich nun ein paar Worte zu dem Begriff kimono und tradioneller japanischer Kleidung im Allgemeinen sagen.

Das grundliegendste Kleidungsstück des Japaners vor dem Aufschwung der westlichen Bekleidung ist eine Art Robe, welche heute im Allgemeinen durch das Wort ?? (kimono) referenziert wird, wobei dieses Wort ursprünglich einfach nur „Kleidung“ bedeutete und für alles benutzt wurde, was man irgendwie anziehen konnte. [Fortan bezeichnet kimono nur das robenartige Gewand.] Der Kimono an und für sich war so etwas wie das ultimative Kleidungsmittel, da allein durch Farbe und Musterung er die Rolle eines Anzugs oder einer lockeren Freizeitbekleidung übernehmen kann, bei gleichem Schnitt.

Generell ist der Kimono recht einfach geschnitten – man stelle sich einen langen Bademantel (ohne Taschen) vor, dessen Ärmel um einiges weiter sind als die normalen Ärmel, und dazu noch halboffen. Er wird mit einem Gürtel in Bauchhöhe zugebunden, und ist normalerweise aus einem weichen Stoff wie Seide, Satin oder ähnlichem, wobei es auch (als Oberbekleidung) billige aus Stoffen wie Baumwolle gibt, mit einer Fütterung aus demselben Stoff oder etwas angenehmer zu tragendem, wie zum Beispiel wiederum Baumwolle. Falls er aus Baumwolle ist und die Fütterung entfällt, spricht man von einem ?? (yukata, Badebekleidung), welcher in seiner Funktion der eines Bademantels sehr nahe kommt. An einer heißen Quelle bekommt man zum Beispiel oft von der Betreibern der Gaststätte für den Aufenthalt yukata geliehen, welche nicht nur vor und nach dem Bad, sondern auch allgemein beim Aufenthalt dort, oder aber auch zum Schlafen, getragen werden. Von der Lässigkeit her entspricht er im groben etwa den Joggingklamotten, bevor deren endgültiger Verfall durch Akzeptanz der heutigen Populärjugend als annehmbares Kleidungsstück für den Alltag eingeleitet wurde.

Dazu gibt es dann noch diverses Zubehör wie Überjacken (??, haori), einen Hosenrock (?, hakama), Sandalen (welche mit Socken, bei denen zwischen dem großen Zeh und den anderen Zehen eine Teilung ist, so daß man mit diesen in Sandalen laufen kann, getragen werden) und anderem.

Dies zu dem, wie es sein sollte. Natürlich — wie ist es auch anders zu erwarten — kommt die Dummheit des Pöbels mit ins Spiel, die eine starke Vereinfachung von Sachen so vorzieht, daß man in einer einzelnen Kategorie von einem Begriff wie „kimono“ auf einmal eine Schar von Produkte hat, die nur grobe Gemeinsamkeiten miteinander haben, aber alle unter dem selben Namen laufen.

Unter dem Begriff „kimono“ ordnet man offenbar alle Gegenstände ein, die:

  • man anziehen kann
  • vorne offen sind
  • zugebunden werden

Dann erhält man dann also mehr oder wenige folgende Gegenstände, wenn man bei eBay nach dem Begriff sucht:

  • Abertausende „sexy kimono größe S“ (oder ähnlich), wobei der Begriff hier eine Art Nachtgewand/Reizwäsche beschreiben will, die sich grob in die Kategorie „Nachtkleid mit Gürtel“ zusammenfassen lassen.
  • Bademäntel.
  • Bademäntel-Verschnitte, die irgendwie einem echten Kimono ähnlich sein sollen und aus Japan kommen.
  • Tassen. Warum auch immer.
  • Möbel. Siehe oben.
  • Einen Pullover von Miss Sixty im „Kimono style“, welches offenbar heißt, daß der Reißverschluß schrägt verläuft.
  • „Luxus-Negligés“ in unzähligen Stückzahlen.
  • Mehr Bademäntel.
  • Ein „kimono print“ weekend bag, was mir irgendwie einfach nur noch bitter aufstößt.
  • Comic Manga T-Shirt aus Japan Rockabilly Geiha Kimono
  • Kimono Samurai Girl T-Shirt Japan Hello Kitty
  • Ein Buch von Agatha Christie.
  • Noch mehr Bademäntel.
  • Eine Jeans.

Die Reihe läßt sich auf diese Art und Weise bis ins Unendliche fortsetzen. Und natürlich gibt es außer der Suche „Kimono Japan“ (welches einige richtige Treffer schon rauswirft und viele Falsche noch drin läßt) keine geeignete Kategorie, in welcher diese Gegenstände abgelegt werden können. Und dummerweise scheint in Deutschland jede Frau mindestens 42 dieser Negligés und sexy Kimonos und sonstigem Jedriss zu besitzen, welches natürlich den Schätzern traditioneller japanischer Kleidung etliche Steine in den Weg legt, so daß man sich zwischen den ganze verwirrenden Angeboten die wenigen guten Treffer mit einer ziemlichen Zielsicherheit einzeln herauspicken muß. Spaß macht das nicht.

Also der Appell an alle Leute, die diese ganze Unterwäsche- und Bademantel-Falschbenennungsgeschichte initiiert haben: Fallt bitte tot um, Ihr bereitet der Menschheit damit einen Gefallen.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

2 Gedanken zu „eBay und Kimonos“

  1. Pingback: Synoland Blog
  2. stimmt schon. Ich suche bei Ebay auch schon seit langem nach Kimonos und habe die Suche unter dem Stichwort „Kimono“ schon längst aufgegeben. Jetzt, wo ich einige Kimonoarten mehr kenne und daher spezifisch suchen kann, ist es natürlich leichter, aber am Anfang war es die Hölle, sich durch 15 Ergebnisseiten mit lautem Schrott durchzuwühlen. Ab und zu gibts noch Artikel, die den Namen „Kimono“ verdienen oder zumindest damit zu tun haben (z.B. Fukuro Obi), aber 98% von den Ergebnissen ist totaler Müll. Außerdem machts Spaß, von all den Angeboten ohne Bildern die wirklich sinnvollen rauszusuchen -.-

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