Schmerzresistenz

Ein kurzes Lob an die Lehrer.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie vollkommen resistent manche Leute doch gegenüber Schmerzen sind. Immerhin lästere ich in diesem Blog über die Idioten der Welt, doch gelegentlich muss mal etwas zustimmende Anerkennung ausgedrückt werden.

Im Blog am Datentrampelpfad las ich eben einen kleinen Artikel über Lehrer; nur weiss ich nicht ganz, ob ich das Lob teilen kann.

Selbstverständlich mag es immer wieder Lehrer geben, die ein so dickes Fell haben, dass selbst der dümmste Idiot abprallt, ohne dass sie – äußerlich – ihre Ruhe verlieren. Doch genau so gut gibt es auch Lehrer, die sich beim einfachsten Mist aus der Ruhe bringen.

Man muss zugeben, Schüler sind nicht im Geringsten einfach. Dessen war ich mir schon als Schüler bewusst, und habe meinen Lehrern geholfen, indem ich in Unterrichten, wo mir tendentiell langweilig würde und ich stören könnte, offen auf dem Buch ein Tisch [A.d.R.: den lasse ich jetzt so stehen] gelesen habe. Nachdem sie mich einige Male getestet haben, ob ich dann noch überhaupt was mitbekomme, waren sie offenbar zufrieden. War ja auch Oberstufe, oder so. Nur andere hingegen waren leider nicht so … einfühlsam? Auf jeden Fall kannte man ja immer Schüler, die sich scheinbar nur deshalb in den Unterricht reinsetzten, um den Lehrer zu ärgern.

Wer kennt sie nicht alle, die Mitschüler, die….

  • … immer Diskussionen mit dem Lehrer anfangen, die schnell ins Absurde gehen.
  • … alle anderen Mitschüler durch gezielten Unsinn ablenken – zumindest noch mehr ablenken, als sie es von sich aus schon sind.
  • … den Lehrer mit Papierkügelchen bewerfen.
  • … einfach nur Arschlöcher sind.

Während meiner Zeit war es schon nicht einfach, Lehrer zu sein. Aber als ich aus der Schule ausschied, waren die quasi-Kinder, die frisch aus der Grundschule kommen, noch einiges frecher als meine Generation, man will es nicht glauben. Entweder sind Grundschullehrer total den Bach runtergegangen, oder die Eltern zu alternativ, oder beides. Zumindest frägt man sich sowas, wenn einem ein Knirps, dessen Kopf kurz über der eigenen Gürtellinie hängt, in seltsamen weiten Klamotten und mit total beschissen aussehender Baseballkappe, vor einem steht und dann ein „Ey, Alder, willst Du mich flachsen, geh mir aus dem Weg!“ (abzüglich korrekter Aussprache und Ortographie, wäre er gezwungen, es aufzuschreiben) mir an den Kopf (oder, eher, die Bauchdecke) wirft.

And I’m like… WTF? Ich mein‘, wenn ich nicht so ganz prinzipiell lieb und brav wäre (und wüsste, dass so ein Kind sofort losflennt, wenn man was macht, anstatt mal ganz anständig die Schnauze zu halten, wenn man verdient eine kassiert..), hätte ich den Kerl locker erstmal einen Meter vom Boden heben können, damit er mir mal in die Augen schaut. Ich mein, wenn man nicht fest damit rechnet, dass der andere nichts machen darf, wäre das ja schon Suizid erster Güte (á là Pratchett: „In Ankh-Morpork werden die Leute nicht mehr umgebracht, sondern begehen Selbstmord. Denn anders kann man es nicht bezeichnen, wenn jemand in einer Zwergenkneipe einen Kurzen bestellt.“).

Wenn man also betrachtet, wie rotzfrech und verzogen die Kinder sind: wer sind dann die Eltern? Sind das die Kinde der „Pille? Was ist das?“-Menschen, die mal eben ihre Freundin mit 16 schwängern? Kommen diese aus sozial beschissenen Schichten, wo sie selber schon ein schlechtes Elternhaus hatten und Erziehung etwas ist, was anderen Leuten passiert? Oder müsste man einfach mal ein Buch „Kindererziehung für Dummies“ als Pflichtlektüre beim Einlieferung in den Kreißsaal den Eltern schenken?

Manchmal wäre ich ja tatsächlich für eine objektive externe Beurteilung der Erziehungsfähigkeit der hoffnungsvollen Eltern und einer damit verbundenen Geburtserlaubnis. Wir haben zwar schon zu wenig Kinder, aber wenn die Kinder der Zukunft solche Vollidioten sind… Die Begründung der Rechtschreibreform lag ja auch darin, dass damit „Kinder weniger Probleme hätten, die deutsche Sprache zu lernen“. WTF? Millionen vor den Kindern von heute haben es geschafft, und weil die heutigen einfach zu dumm sind, versucht man, die Sprache einfacher zu machen?

Die Erziehungspolitik ist offenbar einfach scheisse, denn von Seiten der Regierung aus werden Kinder ja schon fast wie Vogelbabies gesehen, denen man alles ins Maul stopfen muss. Anders kann man sich das ganze wirklich nicht mehr erklären.

Und damit zurück zum eigentlichen Thema: die Erziehenden.
Natürlich ist das Erziehen nicht nur eine Aufgabe des Elternhauses, sondern auch der Lehrer. Wenn man davon absieht, dass die meisten Lehrer heute schon mehr erziehen als die Eltern, so frägt man sich doch, wer denn da die Kinder erzieht.

Wie ToJe in seinem oben genannten Artikel erwähnte, so gibt es auch Lehrer, die es schaffen, mit Kindern zu Recht zu kommen. Leider gibt es aber viel mehr, die einfach überfordert sind. Ich weiss von Lehrern, die angesichts der Schüler den Unterricht durch schreiendes Verlassen des Klassenraumes beendet haben. Sind natürlich auch nicht mehr wiedergekommen. Die Implikationen davon lassen wir mal im Raum stehen.

Deswegen: Respekt für all die geplagten Lehrer, die es schaffen, mit ihren Schülern zu recht zu kommen. Umso mehr Respekt für Hauptschullehrer, die sich mit dem wahren Proletariat rumschlagen müssen, und dafür auch noch schlechter bezahlt werden. Eine Familie mit eigenem Haus und zwei Kindern führen, und das alles mit A12 oder (vielleicht) A13 ist keine leichte Sache.

P.S.: Frau Günther würde mich für die Struktur dieser Lästerei aufhängen und vierteilen.

Kommentarloser Nachtrag: Telepolis: Isolationszellen für Schüler

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

Ein Gedanke zu „Schmerzresistenz“

  1. Du hast absolut recht, wobei man sicher aber manchmal schon fragen muss, ob manche Pädagogen noch für den Schuldienst geeignet sind. Das ist halt ein zwei schneidiges Schwert. Ich denke für manche Leute ist das System „Schule“ einfach nicht wirklich geeignet, ging mir jedenfalls immer so. Erst nach der Schule habe ich mit dem Leben begonnen. Das früher alles besser war halte ich für subjektive Wahrnehmung, das Einzige was sich geändert hat, ist meiner Meinung nach die Wahrnehmung und Wertschätzung von Intelligenz und Bildung, die ist radikal in den Keller gegangen. Wir sind halt auf dem Weg vom Dichter und Denker Volk zum dichten dummen Volk. Good people good food sage ich da nur.

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