Unsinnige Migrationsmuster

Wer sich noch an den Film „A Beautiful Mind“ erinnert: ich fühle mich so wie Nash bei dem Versuch, die Bewegungsmuster von Tauben zu erfassen.

Es ist manchmal schon erstaunlich, wie ungeheuer ungeschickt sich manche Menschen anstellen, wenn es darum geht, sich durch die Welt zu bewegen. Wer von uns wurde nicht schon mal von einem .. älteren Mitbürger angeflaunt, weil man ihn abgerempelt hat, und man sollte doch bitte mal etwas mehr Rücksicht nehmen, diese unverschämte Jugend von Heute?

Mein Vorschlag: nicht irgendwo mitten in der Gegend plötzlich stehen bleiben, besonders dann nicht, wenn viele Leute in der Gegend sind. Im Verkehr nennt man sowas dann „Auffahrunfall“, und da ist nicht automagisch der jüngere Autofahrer Schuld, sondern oft der Tattergreis, der schon längst den Führerschein, seineszeiten noch erworben mit Unterschrift des Führers, hätte abgeben sollen.

Deswegen mal ein kleines Frage-Antwort-Spielchen:
Gegeben sei die Situation, dass aus einer Bahn eine Menge von Menschen *M* aussteigen; *M* befindet sich nach dem Aussteigen am Punkt x0. Der Einfachheit halber definieren wir, dass die Haltestelle der Bahn nur einen Ausgang bei x1 hat, und somit die Menge M sich von x0 nach x1 bewegen will.

Seien a,b ∈ *M* und nehmen wir desweiteren an, dass a und b sich beim Aussteigen aus der Bahn verloren haben und sich gerne wieder zu einem Paar (a,b) zusammenschließen würden. Was wäre richtiger:

# a und b gehen an den Rand des Weges, und halten sich nicht mehr auf der Strecke x0x1 auf, um sich dort dann wieder zusammenzuschließen.
# a (oder b) bleibt spontan inmitten von *M* auf dem Weg nach x1 stehen und dreht sich um, um nach dem Partner zu schauen – im Idealfalle sollte dies an einer Engstelle *E* geschehen, wo die Menge *M* sich wegen der Blockierung stauen müßte.

Der gescheite Leser weiss natürlich, dass man, um nicht den Fluß von *M* nach x1 zu behindern, Option 1 wahrnehmen sollte, da diese sich zusätzlich auch in der Wiederfindung des Partners als effektiver gestaltet.

Scheinbar denkt nicht jeder so.

Auch sehr schön zu beobachten ist dieser Effekt in einem anderem Kontext: _Supermärkte_. Mein persönlicher Horror. Man sieht förmlich noch die „Oooh! *Shiny!*“-Reaktion in den Köpfen der Leute, die auf einmal plötzlich mitten auf dem Gang anhalten, kurz bevor man in sie hereinrennt. Richtig schön schaffen es einige Leute, so stehen zu bleiben, dass die gesammelten Einkaufswagen ähnlich stehender Individueen (oder, eher, kollektiv Gleichgeschalteten..) den gesamten Gang blockieren. Für Bonuspunkte sollten die Einkaufswagen dann mit einem einzelnen Gegenstand beladen und offensichtlich in Richtung Kasse unterwegs sein.

Und gerade bei einer Volksgruppe, die man für relativ intelligent halten sollte, sieht man auch sehr viel Anleihen von extremster Verdummung (wobei die Leute, die diese Fehler begehen, größtenteils BWLer zu sein scheinen): _Studenten_.
Dieses halbe detestierende Spuck-Gefühl, was beim Lesen des letzten Satzes aufkommt, mag zwar verwirrend sein, da ich selber Student bin, aber nichts desto trotz erschließt sich mir doch manchmal die typische Unterschicht-Kritik „Abiturienten können nichts“: es schein zu stimmen. Denn die meisten Leute gehen zwar nach einer Vorlesung ganz brav aus dem Saal, aber gruppieren sich genau _wo_ zu größeren Gruppen zusammen, die einem im Weg stehen?

Richtig: vor’m Ausgang.

Ich debattiere ja immer noch mit mir, ob das Ausgang-Blockieren eine geistig dümmere Tat ist, als Versuchen, während einer offenbar noch laufenden Vorlesungen (Stimme des Professors über Lautsprecher deutlich vernehmbar) in den Hörsaal zu stürmen, um sich dort für die kommende Vorlesung einen Platz zu reservieren. Circa ein Prozent so vorgehenden scheinen offenbar wirklich die Dreistigkeit zu besitzen, sich dann auch in die Vorlesungen hineinzusetzen, aber im Allgemeinen sieht man die kurz zuvor Eingetretenen wieder austreten, nachdem sie sich offenbar mit allen ihren noch funktionierenden Sinnen – sofern vorhanden – davon überzeugt haben, dass _tatsächlich_ noch eine Vorlesung im Gange ist, welche auch _nicht_ ihre ist (man merke, dass dieses Verhalten schon 45 Minuten vor dem eigentlichen Beginn der Vorlesung einsetzt) und man sich _nicht_ hinsetzen kann.

Manchmal, nur manchmal, wünschte ich, dass Selbstjustiz für Idiotie nicht so problematisch im rechtlichen wäre.

Autor: Tobias Wolter

Der Autor dieses Blogs fällt in die Kategorie jener seltsamen Menschen, die viel zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, und ist somit auch in sozialer Hinsicht etwas anders gepolt als die meisten Menschen in dieser schönen neuen Welt, welche seine Heimat darstellt — daher auch der Titel des Blogs. Ganz dem Cliché folgend hat sich der Autor im Lauf seines Lebens schon einigen seltsamen Entscheidungen hingegeben, welche nicht ganz zeitgemäß scheinen, zum Beispiel den Verzicht auf eine gute Abiturnote zu Gunsten der eigenen Freizeit, die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr, im Gegensatz zur Annahme der Fluchtmöglichkeiten des Wehrersatzdienstes, und dem Studium der Mathematik an der Universität zu Köln. Zu finden ist er derzeit in Hürth bei Köln, wo er es immer noch nicht geschafft hat, durch exzessives Verlinken der Wikipedia sich sponsorn zu lassen.

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