12. Dezember 2011: Über die Vehemenz von Standpunkten

Warum man so über­zeugt sein kann.

Was ich öfters mal vor­ge­wor­fen bekomme ist, daß meine Mei­nung angeb­lich in Stein gegos­sen und unver­än­der­lich sei. Sobald ich eine habe könne man daran nichts mehr rütteln.

Das ist falsch.

Aber ich ver­stehe, warum Leute sowas glauben.

Das Pro­blem daran ist eine sehr, sehr schwa­che Dis­kus­si­ons­kul­tur bei vie­len. Wovon viele aus­ge­hen ist, daß man als jemand, der “bedis­ku­tiert” wird über eine Mei­nung, schon quasi eine mora­li­sche Ver­ant­wor­tung hat, auf das Dis­ku­tie­ren einzugehen.

Das sehe ich nicht ein. Ich finde nicht, daß es ange­mes­sen ist, aus “Net­tig­keit” nach­zu­ge­ben, weil jemand ande­res einen andere Mei­nung mir prä­sen­tiert. Ich bin viel­leicht teil­weise sehr schnell auf meine Mei­nung gekom­men, aber warum sollte ich diese sofort wegwerfen?

Wenn ich der Über­zeu­gung bin, daß sich meine Mei­nung auf soli­den Grund­la­gen beruft, dann ver­trete ich sie bis zum Beweis des Gegen­teils. Wenn Leute sub­jek­tive Argu­mente dage­gen brin­gen, die kei­nen wirk­li­chen Halt haben und teil­weise nicht mal das, was ich behaupte, ent­kräf­ten, gibt es kei­nen Anlass, auch nur im Gerings­ten nachzugeben.

Im Gegen­satz dazu bin ich sofort und unmit­tel­bar bereit, von einer Mei­nung abzu­wei­chen, wenn mir kon­krete Bei­spiele gege­ben wer­den, die diese wider­le­gen, oder ein Argu­ment diese ganz zer­legt. Das wie­derum scho­ckiert Leute öfters, wie «schnell» ich dann schein­bar von einem Stand­punkt runterkomme.

Kurzum: wenn Leute mit mir dis­ku­tie­ren wol­len, müs­sen sie von ihrer Mei­nung _​selber_​ über­zeugt sein. Wer irgend­wel­che halb­ga­ren Ideen im Kopf hat und die mir auf­bin­den will hat ein Pro­blem. Wenn man dann auch noch knatschig wird, weil ich auf so einem intel­lek­tu­el­len U-​​Bahn-​​Niveau ich nicht mit­spie­len, dann hat man ein gewal­ti­ges Problem.

Und wenn’s halt keine Mög­lich­keit gibt, die Mei­nun­gen zu ver­ein­ba­ren (weil sie beide auf sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mun­gen beru­hen, usually), dann einigt man sich halt dar­auf, ande­rer Mei­nung zu sein.

Das ist doch alles gar nicht so schwer.

19. Oktober 2011: „Ehrenamt für den Verfassungschutz”

In einer kur­zen Troll­ak­tion ges­tern Abend wurde ein neues Motto geschaffen.

Es fing damit an, daß der Lars eine Frage nach Merchandise in Anbe­tracht der aktu­el­len Lage zu zitieren:

Wer druckt für den #28C3 Hoo­dies mit “CCC Verfassungsschützer”? – Aufforderung beim #0zapftis Vortrag

Ich kam nicht umher, vor­zu­schla­gen, daß wir doch ein­fach das

Ehrenamt für den Verfassenschutz

einführen.

Und kurz dar­auf gab es dann das Logo zum Ehrenamt für den Verfassungsschutz, gebas­telt von nylk.

Jetzt war­ten wir noch etwas dar­auf, dass ein SVG ver­füg­bar sein wird. Mög­li­cher­weise wird’s auf dem 28C3 lus­tige Sti­cker geben. Inzwi­schen hat nylk auch ein SVG bereitgestellt.

9. Oktober 2011: Stetig steigender Wahnsinn

DRM. Inzwi­schen fin­den sich viele Zocker damit ab, ein­fach, weil’s keine andere wirk­lich rele­vante Option mehr gibt. Man wird kri­mi­na­li­siert, wenn man ver­sucht, etwas DRM-​​frei zu bekom­men, denn es wird als Umge­hung von Maß­nah­men zum Schutz des Urhe­ber­rech­tes wei­tes­ge­hend geahndet.

Selbst, wenn man sich die Soft­ware legal erwirbt, um dann mit Cracks den ver­meint­li­chen Kopier­schutz aus­zu­he­beln. Das ist auch ver­bo­ten. Selbst wenn nicht gerade wenige Spiele, die keine Multiplayer-​​Komponente haben, dann um eini­ges bes­ser laufen.

Mit Steam­works haben wir noch eine der akzep­tier­tes­ten Ver­sio­nen von DRM — denn es ist sim­pel, funk­tio­ni­ernt, und beein­träch­tigt nur für homöo­pa­ti­sche Men­gen an Spie­lern den Spiel­ab­lauf. Natür­lich ist es immer noch DRM und ein Ein­griff in die Funk­ti­ons­weise des Rech­ners, aber über die Jahre hin­weg hat sich Steam­works als gut­ar­tig und somit tole­ra­bel herausgestellt.

Es gab aber auch seit­dem viele, teil­weise recht inter­es­sante, Ver­su­che, neues DRM ein­zu­füh­ren. Secu­ROM hat hoch­i­te­riert und irgend­wann den Punkt erreicht, wo SecuROM-​​DRM teil­weise extrem schäd­lich für ein Spiel war — seien es Start­schwie­rig­kei­ten, Per­for­mance­pro­bleme oder unbe­kannte Abstürze. Das sind alles Pro­bleme, die nur “legi­time” Nut­zer betra­fen: die bösen Raub­ko­pie­rer spiel­ten eine von Secu­ROM befreite Ver­sion des Spiels und genos­sen sie.

Schon etwas vor Steam­works hatte Bohe­mia Inter­ac­tive bei Ope­ra­tion Flash­point ver­sucht, mit FADE einen Kopier­schutz ein­zu­füh­ren, der nicht das Spiel vom gene­rel­len Star­ten abhält, son­dern das Spiel ein­fach auf län­gere Zeit ver­saut, indem es Spiel­funk­tio­na­li­tä­ten abge­schal­tet hat oder ver­än­derte. So lus­tig es auch war, wenn auf ein­mal die Waf­fen nicht mehr geschos­sen haben oder der Rake­ten­wer­fer Schweine ver­schoss, auch hier wur­den oft genug legi­time Nut­zer vom Spie­len abgehalten.

In letz­ter Zeit hat Ubi­soft den Vogel abge­schos­sen, wenn es um DRM ging. Denn mit Ubi­softs Uplay muss eine kon­stante Inter­net­ver­bin­dung auf­recht erhal­ten wer­den, um das Spiel spie­len zu dür­fen. Auch, wenn man off­line spielt. Selbst, wenn das Spiel gar kei­nen Mul­ti­player hat. Man muss kon­stant online sein — nicht nur beim Start, son­dern auch wäh­rend des Spiels. Fällt die Inter­net­ver­bin­dung weg, so pau­siert das Spiel und bit­tet einen, diese wiederherzustellen.

Das hat viele Leute ziem­lich genervt. Vor allem, weil zum Bei­spiel Assassin’s Creed: Bro­ther­hood schon ‘ne Woche vor’m Release digi­tal und ohne uplay auf ein­schlä­gi­gen Tor­rent­sei­ten erhält­lich war. Aber auch, weil Uplay Spiele gerne mal kaputt macht. Und das Spiel bei den in der Start­phase häu­fi­gen Down­ti­mes von Uplay ein­fach nicht spiel­bar war — denn die Ser­ver waren nicht erreichbar.

“From Dust” wurde im Som­mer die­sen Jah­res für XBLA und PC raus­ge­bracht, wobei die PC-​​Version aus uner­find­li­chen Grün­den von Ubi­soft schon­mal zwei Wochen zurück­ge­stellt wurde. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass es hier um die Inte­gra­tion von Uplay ging. Aber trotz die­ser ver­mut­lich zwei Wochen, um From Dust dann auf dem PC zu ver­öf­fent­li­chen, hatte Ubi­soft es schein­bar nicht geschafft, Uplay brauch­bar zu inte­grie­ren. Hor­rende Zah­len an Spie­lern konn­ten das Spiel nicht spie­len, weil Uplay dazwi­schen­funkte — und das, obwohl Ubi­soft zuerst meinte, es wäre nur eine Einmal-​​Aktivierung vor­ge­se­hen, und kein Daueronline-​​Uplay. Nicht nur haben sie also gelo­gen, sie haben auch nocht das Spiel effek­tiv zerstört.

Ein Zug, der einen digi­ta­len Spie­le­händ­ler wie Steam dazu brachte, sogar anzu­neh­men, das Spiel wie­der “zurück­zu­neh­men” und den Kauf­preis zu erstat­ten — sonst ein quasi abso­lu­tes no-​​go bei Steam.

Jetzt mei­nen die Ent­wick­ler vom Open World-​​Geheimtip “S.T.A.L.K.E.R.”, dass für den zwei­ten Teil der Reihe sie aus den Feh­lern der ande­ren gelernt haben.

Nein, nicht, dass DRM scheisse ist, son­dern dass es Unsinn ist, dem User alle Daten zu geben und ein Schloss drü­ber­zu­hän­gen, wenn der Nut­zer offen­bar Freunde mit einer Bol­zen­schnei­der hat.

Also hat sich GSC Game Stu­dios gedacht: wir inte­grie­ren einen always-​​on DRM, der Spiel­in­halte nachlädt!

Es heisst also, dass über­legt wird, dass wenn der Spie­ler eine neue Gegend betritt, rele­vante Teile des Codes, der Spiel­texte und der Quests für diese Gegend live aus dem Inter­net her­un­ter­ge­la­den wer­den. Sprich man macht Stal­ker zu einer Art MMO, nur ohne diese gan­zen ner­vi­gen ande­ren Spie­ler. Und warum? Zum Schutz vor Raubkopien.

Ich musste lachen und dann fast wei­nen, als ich dies las.

Der ganze Sinn hin­ter DRM-​​Maßnahmen ist es, Umsatz­ver­luste durch Raub­ko­pien ein­zu­däm­men. Selbst wenn wir davon aus­ge­hen, dass es wirk­lich eine hor­rende Anzahl an Leu­ten gibt, die sich ein Spiel her­un­ter­la­den STATT es zu kau­fen (kon­tras­tiert mit sehr, sehr vie­len, die sich ein Spiel her­un­ter­la­den, weil sie es sich sonst nie kau­fen würden/​es nie kau­fen könn­ten), dürfte es ein­fach nicht wirt­schaft­lich sein, dies zu machen.

Den­ken wir mal kurz dar­über nach. Ein gro­ßer Publis­her wie Ubi­soft hat Pro­bleme damit, Ser­ver bereit­zu­stel­len, die über­haupt nur “tokens” ver­wal­ten von Nut­zern, die gerade spie­len dür­fen. Jetzt kommt also ein klei­ner Ostblock-​​Developer an und meint, dass er sei­ner (gerin­ge­ren) Kund­schaft eine zuver­läs­sige Lösung anbie­ten kann, die pro Nut­zer ein Viel­fa­ches der Band­breite und des CPU-​​Aufwandes in einer Archi­tek­tur fest­gies­sen kann, wenn da selbst grö­ßere Publis­her mit Pro­bleme hät­ten? Und nicht nur das, sie mei­nen, sie könn­ten es _​wirtschaftlich_​ machen?

Viel­leicht, wenn sie EC2/​S3 nut­zen. Aber auch nur viel­leicht. Das treibt den theo­re­ti­schen Preis pro Kopie aber trotz­dem hoch.

Und las­sen wir uns mal keine Illu­sio­nen hegen dar­über, was pas­sie­ren wird: ein Cra­cker wird einen Craw­ler schrei­ben, der sich recht erfolg­reich als eine legi­time Ver­sion des Spiels aus­gibt (ein Spiel wird dann wohl eh gekauft), und danach wird das ein­fach alles in einem Bün­del mit dem Crack aus­ge­lie­fert und die exe­cu­ta­ble so modi­fi­ziert, dass sie ent­we­der auf einen loka­len klei­nen mit­ge­lie­fer­ten Web­ser­ver zugreift oder direkt im “Cache” guckt. Ende Gelände.

Aber wenn sie dies umset­zen (aktu­ell heisst es, dass es “nur eine Option” sei), dann hoffe ich inbrüns­tig, daß GSC damit gewal­tig auf die Nase fällt. So einen Wahn­sinn kann man nicht mehr wei­ter unterstützen.

14. Juli 2011: Sprachverständnis?

Ich konnte nicht ganz ver­ste­hen, wie man eigent­lich auf so hane­bü­che­nen Unsinn kommt, wenn man durch Quel­len stöbert.

Ange­lika Sla­wik von der Süd­deut­schen berich­tet über Googles konsolidierte Werbeplattform DDP über inter­es­sante Theorien:

“Kon­kret geht es dabei um eine Dienst­leis­tung für die Wer­be­in­dus­trie: Künf­tig sol­len Wer­ber bei Google Daten von Ver­brau­chern kau­fen kön­nen, mit Name, Adresse und, vor allem, nach Inter­es­sen sortiert.”

Nach län­ge­rem Suchen fand ich jetzt keine Stelle, die genau das belegt. Aaaaber (Her­vor­he­bun­gen von mir):

Here’s how a data exch­ange works: publis­hers and third-​​party pro­vi­ders, such as Blu­e­Kai and Exelate, would be able to feed their data into the mar­ket and adver­ti­sers could dip in and buy audi­ence seg­ments, such as people shop­ping for new cars or plan­ning a trip, soc­cer moms in Ohio, or rea­ders of cer­tain sites like The New York Times. That data, atta­ched to a coo­kie, is used to tar­get adver­ti­sing to the right people. Online publis­hers using Google’s ad ser­ver, Dou­ble­Click, would be able to sell data on their audi­en­ces in the exch­ange as easily as they might sell ad space.

Mr. Mohan cau­tio­ned that such a move into data ser­vices may not result in one pro­duct, but capa­bi­li­ties across Google’s online dis­play infra­struc­ture, such as Invite Media, which allows adver­ti­sers to bid on audi­ence, or AdMeld, which helps publis­hers to decide which ad will yield the grea­test revenue.

Wenn man jetzt

  1. nicht so gut Eng­lisch kann und
  2. keine Ahnung hat, wie Wer­bung funktioniert,

dann macht es natür­lich Sinn, so einen Unsinn zu behaup­ten. Wenn man aber genug Hirn­zel­len hat, die Eng­lisch kön­nen und “die­ses Inter­net” ver­ste­hen, weiss man genau, daß sich diese Sätze dar­auf bezie­hen, daß man von Außen sowohl ein “Wir krie­gen auf xyz im Schnitt die meis­ten Zugriffe von sin­gle white males” bekom­men kann sowie mit einem Anfor­de­rungs­pro­fil dann Wer­be­re­quests an Google geben kann. Dabei flie­ßen nie expli­zite Benut­zer­da­ten, und ins­be­son­dere nicht “Name und Adresse”, die nicht­mal ansatz­weise erwähnt wurden.

Sowas würde man alles wis­sen, wenn man Ahnung hat, und der übli­che Leser von AdAge, wel­che sich auf Wer­bung & Mar­ke­ting spe­zia­li­sie­ren, hat genau diese Ahnung. Irgend­eine Feld-/Wald-/Wiesen“journalisten” der Süd­deut­schen, die ein see­hundar­ti­ges “Google ist böse” klat­schen kann, sollte sich am Bes­ten ein­fach mal ein Thema suchen, wo sie kom­pe­tent ist.

Rele­vante Links

10. Juli 2011: Running around in circles

[TL;DR: G+-Kreise soll­ten zwin­gend nach per­sön­li­cher Bezie­hung so Emp­fän­gern sor­tiert wer­den, der eigene “Interessen”-Output zwin­gend unge­fil­tert sein. Gründe enthalten.]

Google+ ist jetzt ein paar Tage drau­ßen und ich muss auch mal etwas Senf dazu ablas­sen. Nicht über das Netz­werk an und für sich oder irgend­wel­che Erfolgs­pro­gno­sen gegen Face­book oder Daten­schutz­be­den­ken oder sonst irgendwas.

Son­dern über eines der Fea­tures. Nein, nicht das her­vor­ra­gende Han­gout oder das umstrit­tende Huddle, son­dern das defi­nie­rende Fea­ture: Circles.

Im Prin­zip sind die näm­lich ziem­lich cool. Man kann uni­la­te­ral fest­le­gen, wie man Kon­takte grup­pie­ren will, mit einem sehr ein­fa­chen UI zum sowohl Fest­le­gen der Gruppe als auch des Aus­wäh­len der Ziel­kreise beim Ver­fas­sen von Beiträgen.

Das Pro­blem ist nur, wenn man dies dann mal tat­säch­lich prak­tisch ange­hen will. Ich habe mich näm­lich schon immer extrem schwer getan, Kon­takte zu grup­pie­ren. Als Bei­spiel bringe ich mei­nen IM heran, wo ich frü­her notiert habe, woher ich Leute eigent­lich kannte, um sie in einen Kon­text zu stecken.

Das hat sich dann mit einer Weile auch über­holt, vor allem wegen Über­schnei­dun­gen. Also habe ich dann irgend­wann ein­fach umge­sat­telt auf geo­co­ding:

Meine Kon­takt­liste, eingeklappt.

Dies hat den Vor­teil, daß zum einen das Manage­ment der Grup­pen recht ein­fach ist (da Leute nicht dau­ernd umzie­hen), und es nie­man­den in eine unnö­tige Schub­lade steckt. Außer­dem hat man natür­lich den prak­ti­schen Vor­teil, leicht jeman­den aus einer gewis­sen Gegend zum anspre­chen zu fin­den, sollte es nötig sein.

Das könnte ich jetzt auch bei Google+ machen, aber es würde ziem­lich wenig bringen.

Warum? Die Kom­mu­ni­ka­tion ist natür­lich anders. Bei Google+ sende ich, ähnlich wie auf Twit­ter und FB, an viele Per­so­nen gleichzeitig.

Was ich also bei G+ brau­che ist keine Sor­tier­ka­te­go­rie, son­dern eine Emp­fangs­ka­te­go­rie. Ich will nicht wis­sen, wo wer zuge­hö­rig ist, son­dern ob es die Per­son tan­giert (oder zu tan­gie­ren hat), was ich schreibe.

Und das ist eigent­lich ein ziem­li­ches Pro­blem, wenn man so mal drü­ber nachdenkt.

Um Bei­spiele aus dem Leben zu grei­fen: ich bin letz­tens über ein Minecraft-Video gestol­pert, wel­ches einen 3D-​​Printer zeigt, der in MC gebaut wurde.

Naïv gese­hen würde ich jetzt den Zir­kel “Mine­craft” (unter der Vor­aus­set­zung, daß die­ser exis­tiert) als Ziel­gruppe bestim­men und gut ist, oder?

Hier kom­men wir aber lei­der in eine von Men­schen gern unter­schätzte Pro­ble­ma­tik: die eigene Ignoranz.

Ich wüsste sofort, wen ich alles in die­sen Minecraft-​​Zirkel ste­cken muss. Und das ist das Pro­blem — ich glaub, daß ich weiß, wer von mei­nem erwei­ter­ten Bekann­ten­kreis alles Mine­craft spielt. Dabei ist das für hin­rei­chend große Kreise aus­ser­halb einer engen Gruppe von Freunde ziem­lich schwer.

Ich könnte jetzt hier wie­der mit der monkeysphere kom­men, aber im Prin­zip ist es ein­fach ein Ska­lie­rungs­pro­blem. Unab­hän­gig von pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Num­mern wird es ein­fach ver­dammt schwer, zu ver­fol­gen, wer im eige­nen Bekann­ten­kreis alles wel­che Inter­es­sen hat. Oder, noch schlim­mer, mal hatte, und zwar nicht mehr daran inter­es­siert ist, aber trotz­dem eine fun­dierte Mei­nung dazu abge­ben kann.

Und dann kommt noch oben drauf, daß es auch noch Leute, die einem fol­gen, gibt, deren Inter­es­sen ja gar nicht mal auf dem eige­nen Schirm sind.

Eigent­lich müsste man also sehr, sehr viel mehr impli­zit öffent­lich tei­len, weil man ein­fach sel­ber nicht urtei­len kann, ob es andere Leute angeht. Man sel­ber müsste sich zu einem unge­fil­ter­ten Out­put machen, wo andere den Fil­ter drüberlegen.

Das geht natür­lich dank der Zir­kel in G+ wie­der recht gut, aber zumin­dest mein eige­nes Nut­zungs­ver­hal­ten des Diens­tes sagt mir, dass ich sel­ten expli­zit in Cir­cles schaue, son­dern eher grob den gan­zen Stream über­fliege und mei­nem Unbe­wuss­ten die Fil­ter­ar­beit überlasse.

Ein ähnli­ches Pro­blem stellt sich auch bei Twit­ter ein, und — ohne mich jetzt da näher drauf ein­ge­las­sen zu haben — dürfte es auch mit +Michael Seemanns Gedan­ken zur Fil­ter­sou­ve­rä­ni­tät und Kon­troll­ver­lust teil­weise einhergehen.

Auch nicht zu ver­ges­sen ist hier natür­lich ein Datenschutz-​​Aspekt über das Pri­vat­hal­ten von Infor­ma­tio­nen über einen selbst, aber das ist ein ganz ande­rer The­men­kom­plex. Und im Rah­men mei­ner Argu­men­ta­tion ist es auch nicht son­der­lich zutref­fend, da man immer­hin (rein von der Mecha­nik her) ziem­lich gute Kon­trolle dar­über hat, wer letzt­end­lich etwas zu sehen bekommt. [Cue “Google IST ein Advertisement-​​Anbieter und hat daher genau kein Inter­esse daran, erho­bene Daten an andere zu verkaufen.”-Debatte.]

Im End­ef­fekt läuft es also dar­auf hin­aus, daß man ein­fach kein “Interessen”-basiertes Fil­tern betreibt, da es nicht die Rea­li­tät widerspiegelt.

Also bleibt natür­lich nur die logi­sche Schluß­fol­ge­rung: bezie­hungs­tech­ni­sches Fil­tern. Man fil­tern nicht danach, wen es inter­es­sie­ren könnte, son­dern wen es angeht. Und dies führt zu rela­tiv inter­es­san­ten Überlegungen.

Zum einen fällt hier natür­lich sofort eine Ziel­gruppe auf, die bei den meis­ten Leu­ten “Freunde” heisst. Umschrei­ben könnte man sie mit “Gruppe von Men­schen, mit denen ich mein (Privat)leben teile.”

Ebenso fal­len dann natür­lich wei­tere Kreise auf, zum Bei­spiel “Kol­le­gen”, “Ver­ein xyz”, “Poker­gruppe”, etc.

Die Frage, die sich dann natür­lich schon so ein bischen auf­tut, gerade mit dem Fokus auf das Tei­len, ist der Bedarf eines social net­work an die­ser Stelle.

Wo wir hier ankom­men ist im gewis­sen Sinne auch ein biss­chen Ent­frem­dung von dem Gedan­ken, daß man sich immer inten­siv und per­sön­lich mit Leu­ten beschäf­tigt, wobei unfrei­wil­lig gerne mal Bekannte, die zu einem Zeit­punkt t nicht in “infor­ma­ti­ons­tech­ni­scher Kon­tin­genz” waren, unter den Schirm fallen.

Was ich damit meine ist das, was viele Leute bestimmt ken­nen: Ein Satz der Form “Habe ich Dir das nicht erzählt?” — denn nein, man war gerade nicht zufäl­lig erreich­bar, als diese Per­son das all zu sehr beschäf­tigte, und als dies dann aus dem unmit­tel­ba­ren Auf­merk­sam­keits­fo­kus fiel, ver­gaß man auch, jeman­den nach­träg­lich zu informieren.

Denn mal ehr­lich, wer führt irgend­wel­che Lis­ten, wo er notiert, ob er Fak­tum x and Per­son y wei­ter­ge­ben hat.

Also hier: Zir­kel. Raus­hauen und jeder, den man meint, der es inter­es­siert, hat Zugriff auf diese Infor­ma­tion, selbst wenn es viel­leicht in den Fil­tern auf Emp­fäng­er­seite kle­ben bleibt — aber man sel­ber hat seine soziale “Schul­dig­keit” getan.

Man sollte jetzt mei­nen, daß diese Ver­fah­ren schon exis­tie­ren, aber meist tun sie das eben nicht. Face­book hatte die Chance dazu, sowas zu machen, haben es aber ver­hunzt, indem sie Bila­te­ra­li­tät vor­aus­set­zen und das Inter­face ver­hunzt haben.

Und Bila­te­ri­la­tät ist hier echt schäd­lich. Ich habe da aus per­sön­li­cher Erfah­rung im IRC gemerkt, daß eben­jene Bila­te­ra­li­tät in Bekann­ten­krei­sen nicht gege­ben ist, und da gerade bei syn­chro­ner Kom­mu­ni­ka­tion über “Cha­t­räume”, z.B., es ein­fach irgend­wann dar­auf hin­aus­läuft, daß jeder sei­nen eige­nen “Zir­kel” auf­macht und alle Leute ein­lädt, mit denen er klar­kommt — und kei­ner der Leute drin ist, die er ein­fach nicht lei­den kann.

Das Pro­blem hier­bei ist wie­der die Infor­ma­ti­ons­du­pli­ka­tion. Man will nicht hin­ge­hen und in jedem ein­zel­nen Chan­nel alles noch­mal neu schrei­ben, um even­tu­ell Leute, die nicht im eige­nen ‘Stamm­ka­nal’ x sein kön­nen, zu erreichen.

Asyn­chron hätte Face­book dies schaf­fen kön­nen, aber sie set­zen Bila­te­ra­li­tät in ihren Grup­pen vor­aus, was den gan­zen Punkt irgend­wie schwach­sin­nig macht.

Hier kommt dann also G+ ins Spiel. Es ist asyn­chron, aber uni­la­te­ral — man sel­ber bestimmt, wer etwas lesen kann — es gibt eine Impli­ka­tion, dass jemand ande­res es lesen muss, oder daß andere “gemein­same Bekannte” es zugleich auch lesen müssen.

Und das ist ein gewal­ti­ger Vorteil.

Was ich mir jetzt an die­ser Stelle noch Wün­sche ist die Erwei­te­rung auf eine syn­chrone Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­thode, die genau dies kann.

Man sollte jetzt mei­nen, daß sei schwer, aber nein, da hatte Google auch schon mal was gemacht, was man nur erwei­tern müsste, näm­lich Wave. Die Gedan­ken dazu schreibe ich ein andern­mal auf.

Ein klei­ner Nach­trag, den ich mir wei­ter oben noch notiert hatte: natür­lich gibt es einen Bedarf daran, daß man eine bekannte Inter­es­sen­gruppe nach ein­ga­ben zu etwas fra­gen will, zum Bei­spiel. Wenn es jetzt eine Frage zu poli­ti­schen The­men ist, zum Bei­spiel, möchte ich nicht unbe­dingt, daß da Leute vom Stamm­tisch undif­fe­ren­ziert dazwi­schen­re­den, son­dern nur Leute, auf deren poli­ti­sche Mei­nung ich Wert lege.

Und das erklärt auch schon den Punkt: hier ist eine impli­zite Annahme der Kom­pe­tenz, und in dem Sinne kein rei­nes Inter­esse, son­dern ein “trus­ted inte­rest”, bei dem man der ande­ren Per­son ver­traut, schlau zu sein. Also eine Gruppe, die sich über per­sön­li­che Bezie­hung defi­niert — und, auch, wie­der uni­di­rek­tio­nal ist. Nur weil ich +Stephan Urbach sei­ner Mei­nung bei eini­gen poli­ti­schen Din­gen ver­traue, heisst das nicht, dass er meine Mei­nung wei­ter wer­fen will als er mich kann.

Das wurde jetzt etwas aus­schwei­fen­der als erwar­tet, aber hof­fent­lich gibt’s einen Denk­an­stoß, die eigene Vor­ge­hens­weise mal kri­tisch zu betrach­ten. Gegen­mei­nun­gen willkommen!

P.S.: Habe ich gerade eben ver­sucht, G+ als glo­ba­len Personen-​​Identifier zu nut­zen? Oh boy. Das wird spannend.

25. Mai 2011: Gedankenspiel Quellenforschung

Wie gut ist eigent­lich so die Quel­len­prü­fung bei der moder­nen Quel­len­for­schung? [Eigent­lich stand hier Archäo­lo­gie, aber das wäre ja noch­mal ein Grad interessanter.]

Ich stelle mir gerade die Frage, weil man gerade wie­der ver­mehr über so Unsinn wie Homöo­pa­thie liest. Heut­zu­tage ist es schließ­lich tri­vial ein­fach, Schrif­ten zu ver­fas­sen und zu publi­zie­ren, wes­we­gen jeder Hinz und Kunz hin­geht und seine geis­ti­gen Schwach­sinns­er­güsse ver­öf­fent­licht — nicht zuletzt in Blogs.

*hüs­tel*

Natür­lich ist es auch inzwi­schen sehr bil­lig, Gegenposi­tio­nen zu irgend­was auf­zu­brin­gen. Selbst, wenn jemand weiß, daß der andere hane­bü­che­nen Unsinn erzählt, so kann man heut­zu­tage ohne gro­ßen Auf­wand dies auch sagen.

Aber ver­set­zen wir uns mal in eine Zeit zurück, wo dies nicht so tri­vial war. Zu den Zei­ten, in denen es vom ökono­mi­schen Auf­wand keine Tri­via­li­tät war, etwas zu publi­zie­ren, son­dern eine merk­li­che Hürde.

Wenn also nun zu sol­chen Zei­ten eine eher fana­ti­sche Sub­grup­pie­rung meint, ihren Murks zu erzäh­len, aber jeder “ver­nünf­tige” Mensch weiss, dass es Schwach­sinn ist — wür­den sich die Leute dann nicht ent­schei­den, daß es Ver­schwen­dung von Zeit und Geld wäre, dage­gen zu argumentieren?

Und wenn sich die Leute so ent­schei­den, kom­men wir dann nicht im End­ef­fekt dar­auf hin­aus, daß, anhand nur der direkt bezo­ge­nen Quel­len betrach­tet, die meis­ten “auf­find­ba­ren” Quel­len jene sind, wel­che Unsinn beinhal­ten? Man fin­det viel­leicht in irgend­wel­chen Sekun­där­quel­len Amu­se­ment über den Schwach­sinn (“Auf dem Markt letz­tens wollte ernst­haft jemand Schlan­genöl ver­kau­fen, aber wir haben ihn ein­fach alle aus­ge­lacht bis er ging.” in einem Brief, zum Bei­spiel), aber Pri­mär­quel­len dazu?

Wie sehr dif­fe­ren­ziert und kor­re­liert wird da? Schließ­lich bin ich hof­fent­lich nicht der erste, dem die­ser Sach­ver­halt auf­ge­fal­len ist.

19. Mai 2011: Apple, Google, Amazon, Wolken und Musik

Vor nicht all zu lan­ger Zeit hat Google sein Pro­gramm “Google Music (beta)” gestar­tet, was im End­ef­fekt ein­fach kos­ten­lose Cloud-​​Storage für 20.000 Lie­der ist, wel­cher mit Android-​​Geräten schön inte­griert zusam­men­ar­bei­tet. Bis­her natür­lich nur in den USA verfügbar.

Dies war (viel­leicht) eine Reak­tion dadrauf, daß Ama­zon etwas wei­ter zurück “Amazon Cloud Player” (bzw. “Amazon Cloud Drive”) public gestellt haben. Hier bie­tet Ama­zon 5GB Cloud-​​Speicherplatz an mit ‘ner Android-​​Anwendung und ‘nem Web-​​Player, der die Musik (auch) stre­amt. Natür­lich auch wie­der nur US, und momen­tan auch kostenlos.

Was alle sehr amü­siert hat ist, daß weder Ama­zon noch Google dar­auf gewar­tet haben, daß die Plat­ten­la­bels end­lich mal “Okay, wir spie­len mit” sagen, son­dern es ein­fach gemacht haben.

Denn, wie der Zug von Ama­zon sagte: warum eigent­lich nicht? Kun­den dür­fen dar­auf nur spei­chern, was sie gekauft haben, sie krie­gen keine Lie­der, die sie nicht haben, und öffent­lich ver­füg­bar ist es auch nicht. Im deut­schen Recht fällt das pro­blem­los unter die Privatkopie.

Cue “AMERICA FUCK YEAH”-Auslegungen der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten. Denn natür­lich haben die ja schon vor ‘ner Weile Blut gero­chen und ver­su­chen flei­ßig, den “Ver­kauf von Musik” sohin­ge­hend umzu­stel­len, daß man eigent­lich nur eine “begrenzte Nut­zungs­er­laub­nis” für Musik erlangt. Spricht man kauft (im phy­si­schen Falle) nicht mehr das Medium, son­dern die Erlaub­nis, die Lie­der so zu hören wie der Ver­wer­ter sich das vor­stellt. Damit über­trägt sich das ganze näm­lich “leich­ter” in vir­tu­elle DRM-​​Fesselklauseln mit begrenz­ter Anzahl von End­ge­rä­ten, Son­der­ab­ga­ben, etc. etc. etc.

Das wäre also unge­fähr so, als ob ich ein Buch kaufe, aber es dann nur ich lesen darf, und nie­mand anders. Außer­dem darf ich es nur zu Hause lesen, möchte ich unter­wegs, z.B. auf ‘ner Zug­reise oder im Berufs­pen­del, das Buch auf­schla­gen, so muss ich eine Extra-​​Lizenz erwer­ben, die mir das erlaubt. Und sollte ich das Buch nur digi­tal haben, dann darf ich die Datei nicht frei zwi­schen mei­nen Rech­nern hin– und her­schie­ben, son­dern nur auf Rech­nern auf­be­wah­ren, wo der Ver­trei­ber meint, dass es okay sei — und wehe, ich spiel’s auf einen eBook-​​Reader, der dem Ver­wer­ter nicht gefällt!

[Rich­tige Meta­phern mit Autos oder so fal­len schwer, weil’s keine vir­tu­el­len Autos gibt.]

Und jetzt sagen die Apple-​​Fanster: “Hah, Apple hat jetzt in aller Ruhe die Ver­träge aus­ge­han­delt! Die Infra­struk­tur stand schon ewig, aber jetzt sind die Deals mit der Indus­trie fer­tig und die iTu­nes Cloud wird SO MUCH MORE BETTARZ.”

Mit dem Ver­kaufs­ar­gu­ment natür­lich, daß man jetzt die Musik nicht mehr hoch­la­den (bzw. bei Ama­zon kau­fen) muss, son­dern dass man ein­fach die Platte scan­nen, die Lie­der has­hen, und dann sofort in der Cloud frei­schal­ten kann!

Toll, oder? Und all das nur zu den Kos­ten des Ver­kaufs der Seele an die Musik­in­dus­trie und die Unter­stüt­zung ihres kran­ken Geschäftsmodells!

Wahn­sinn, ey.

Denn wir wis­sen ja alle, wie super diese gan­zen Deals funktionieren.

16. Mai 2011: Gedanken zum Leistungsschutzrecht

Las­sen wir uns zuerst ein­mal durch den Kopf gehen, was die Presse verlangt:

Rab­bäh, wir stel­len Sachen umsonst online, damit sie noch irgend­wer liest, und des­halb natür­lich kos­ten­los. Und jetzt kom­men andere an und neh­men sich unsere kos­ten­lo­sen Infor­ma­tio­nen! Das geht nicht! Die müs­sen zahlen!

Frau Leutheusser-​​Schnarrenberger (L-​​S) wet­tert in einem Inter­view bei DRa­dio Wis­sen schwer gegen die Wei­ter­be­nut­zung von jour­na­lis­ti­schem Mate­rial im kom­mer­zi­el­len Zwe­cke ohne eine Zah­lung an die eigent­li­chen “Urhe­ber”. Die Frage, ob nun auch schon Zitate “bezahlt” wer­den müs­sen, ver­suchte sie zu umschif­fen, indem sie auf Pau­scha­len aus­wich und anfing, sich immer auf ganze “Erzeug­nisse” zu beziehen.

Es zer­reis­sen sich gerade viele das Maul, daß die­ser geplante Ent­wurf ja auch vor allem gegen Google gerich­tet sei, ins­be­son­dere die Aggre­ga­tion von Nach­rich­ten­ar­ti­kel durch die­sen Dienst. L-​​S erklärt, daß es sich hier­bei vor allem um kom­mer­zi­elle Wei­ter­nut­zung han­delt, und der pri­vate Nut­zer da voll­kom­men unbe­trof­fen von sei. Inter­es­sant hier­bei ist, daß sie nicht nur meint, daß der Pri­vat­nut­zer sich keine Sor­gen um Zitie­re­rei machen muss, son­dern dass sie eigent­lich auch sagt, daß der Pri­vat­nut­zer davon nicht ein­mal etwas mer­ken würde.

Eine recht steile These, wenn man bedenkt, wie koope­ra­tiv Fir­men wie Google sich bis­her gegen­über Ver­su­chen, sie zu maß­re­geln, gezeigt haben. Eben schon scrollte in mei­ner Twitter-​​Timeline ein pro­phe­ti­sches “Google nimmt deut­sche Presse-​​Agenturen aus dem Such­in­dex” durch.

Aber viel inter­es­san­ter ist ja das Auf­hän­gung an kom­mer­zi­el­ler Nut­zung. Betrach­ten wir den Nach­rich­ten­ag­gre­ga­ti­ons­dienst von Google, näm­lich Google News:

Die Hauptseite von Google News

Google News-​​Hauptseite

Was hier auf­fällt: keine Wer­bung. Kein ein­zi­ger Hin­weis auf eine kom­mer­zi­elle Nut­zung jed­we­der Art. Adwords kom­men nicht vor, AdSense fehlt voll­kom­men, und zah­len muss man für den Dienst kei­nen Pfennig.

Ist es nun schon kom­mer­zi­ell, wenn die Firma gene­rell Gewinn­ab­sicht hat, oder wie? Aber nein, es gibt ja auch noch andere Ansätze, wo man tat­säch­lich von “kom­mer­zi­ell” spre­chen könnte:

Screenshot einer Suche nach "MSC Opera" auf google.de

Suche nach “MSC Opera”, mit Adwords

Hier haben wir tat­säch­lich einen Fall, wo Nach­rich­ten­schnipp­sel mit Wer­be­trä­gern ver­bun­den wer­den. Daß die Kau­sa­li­tät eher dürf­tig ist, weiss jeder, doch hier haben wir eine in den meis­ten Fäl­len als “kom­mer­zi­ell” anseh­bare Nut­zung, denn Google kas­siert Geld für AdWords.

Also müss­ten wir uns die Schnipp­sel bei den Nach­rich­ten weg­den­ken. Gut, dann hät­ten wir wenigs­ten noch den Titel über den Strom­aus­fall. Ach, nein, Ver­lin­kun­gen sind auch böse — also die auch weg. Sprich der ganze News-​​Block fällt eigent­lich weg.

Was bleibt? Wer­bung für die MSC Opera. Keine bösen Nach­rich­ten dadrü­ber, daß das Schiff gerade seit ‘nem Tag lang ein­fach so auf offe­ner Meer rumei­ert. Aber natür­lich wäre das nicht merk­bar für den Nut­zer, ne? Wenn die Nach­rich­ten weg sind merkt man’s ja nicht. Alles ganz logisch.

Und wen küm­mert schon das biss­chen schlechte Schlag­zei­len und wich­tige Infor­ma­tio­nen für den Kun­den, schließ­lich wur­den diese Infor­ma­tio­nen ja von Jour­na­lis­ten müh­se­lig in den Com­pu­ter getip­pert und online publi­ziert, nach­dem sie eine Mel­dung von wem anders erhal­ten haben. Da muss der Nut­zer natür­lich zah­len, wenn er es noch­mal woan­ders liest.

Zah­len eigent­lich die Pres­se­ver­läge, wenn sie von wem anders abschrei­ben? Klar, wenn sie DPA-​​Schriftstücke repos­ten (denn ehr­lich, mehr machen sie nicht), zah­len sie in ihrem Rah­men­ver­trag was Geld. Aber wenn knie­se­rig ist und ein­fach von wem anders abschreibt, der von DPA abschreibt? Fließt da noch Geld? Oder ent­sprä­che das nicht dem “Ehren­ko­dex” (ha. ha.) des Jour­na­lis­mus, als über mehr als eine Ecke zu verweisen?

Fra­gen über Fra­gen. Immer­hin scheint das LSR auf Pres­se­ver­läge begrenzt zu sein — würde es all­ge­mein­gül­tig, würde Deutsch­land kur­zer­hand Such­ma­schi­nen zur Kasse bit­ten, und das wäre extremst lächer­lich und wirtschaftsschädigend.

14. Mai 2011: Raubkopien

Ich will nicht über die diver­sen Impli­ka­tio­nen des Begriffs läs­tern. Es ist kein Dieb­stahl, denn das Ori­gi­nal bleibt erhal­ten, es ist kein Raub, denn nie­mand wird bedroht, etc. etc.

Das Pro­blem, wel­ches ich kurz anspre­chen will, ist ein ganz anderes.

Viele Unter­neh­men mei­nen, sie müss­ten ihr äußers­tes tun, um zu ver­hin­dern, daß irgend­wer ihre digi­ta­len Daten kopie­ren kann. Die Prä­misse dahin­ter ist, daß, wenn es den Leu­ten nicht mög­lich ist, die raub­ko­pier­ten Ver­sio­nen zu benut­zen, so dass den Ver­trei­bern kein Gewinn­ver­lust entsteht.

Was die meis­ten Ver­trei­ber dabei gerne über­bli­cken: würde man ihre Pro­dukte über­haupt kon­sum­mie­ren, wenn sie nicht «frei» ver­füg­bar wären?

Ein Bei­spiel Musik — ich werde mir ein Album kau­fen, wenn ich es mag und ich das Geld dafür habe. Viele jün­gere Men­schen haben ein­fach das Geld dazu nicht — sie wür­den nicht dau­ernd Geld für Musik aus­ge­ben, weil sie das gar nicht können.

Und nicht nur das Geld ist ein Pro­blem, der Geschmack ist es auch — denn wenn man nicht gerade noch live im Laden sich das Album ein­mal kom­plett anhört, weiss man gar nicht, wie gut das Album eigent­lich ist.

Man könnte jetzt hin­ge­hen und sagen, daß es das Radio gibt — aber dort wer­den auch nur ein­zelne Lie­der vom Album gespielt, und das auch nur, wenn sie extrem popu­lär sind.

Ganz abge­se­hen davon, dass die Ver­kaufs­zah­len der Indus­trie immer noch sehr schön sind, vor allem durch den gerne über­spiel­ten digi­ta­len Absatz­markt, wächst die Zahl der Raub­ko­pien eben unab­hän­gig von­ein­an­der — denn es gibt Leute, die nun Sachen kon­sum­mie­ren, die sie sich gar nicht leis­ten kön­nen, wenn sie woll­ten. Diese sind in dem Sinne kein ver­lo­re­ner Umsatz, weil diese weder Geld gezahlt hät­ten noch sie irgend­wel­che Res­sour­cen “exklu­siv” benut­zen, die so ande­ren Kun­den nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, wie ein Buch, eine DVD oder eine CD.

Es ist 2011, meine lie­ben Ver­wer­ter. Ich kaufe noch genug Sachen, wenn sie mir gefal­len, selbst wenn von den 18€ für’s Album viel­leicht 4€ an den eigent­li­chen Künst­ler gehen.

Get a grip.

2. Mai 2011: Bedarf an immersiver Augmented Reality

Wir leben im Jahr 2011, und lei­der ist es immer noch zu gro­ßen Tei­len Zukunfts­mu­sik aus Cyberpunk-​​Romanen und eini­gen weni­gen Fil­men. “Aug­men­ted Rea­lity”, zu Deutsch am bes­ten mit “ange­rei­cher­ter Rea­li­tät” über­setzt, ist ein Ober­be­griff für den Ver­such, die eigene Wahr­neh­mung durch digi­tale Infor­ma­tio­nen anzureichern.

Im Cyber­punk nimmt dies die diver­ses­ten For­men an, oft in der Form von über das nor­male Blick­feld gelegte Infor­ma­tio­nen. So erschei­nen von Per­so­nen die Daten aus sozia­len Netz­wer­ken als Quasi-​​Popup dazu, Waren wer­den mit Prei­sen und Ver­glei­chen ver­se­hen, die aktu­elle Wet­ter­vor­her­sage ist quer über den Him­mel geschrie­ben und Wer­bung nimmt neue Dimen­sio­nen von pene­trant ein.

Die bis­he­ri­gen Rea­li­täts­ver­su­che sind da bis­her kläg­lich. Es gibt ein paar For­schungs­pro­jekte, die sich mit dem äqui­va­lent eines HUD für Men­schen beschäf­ti­gen. Das realste Bei­spiel für schwa­che AR sind Snow­board­bril­len von einer Firma, deren Name mir schon wie­der ent­fal­len ist, wel­che einem in den Bril­len sel­ber die aktu­el­len GPS-​​Koordinaten und die Geschwin­dig­keit anzeigen.

Ansons­ten gibt es noch die gan­zen Sachen, die sich als AR ver­mark­ten: Wikitude und ähnli­che Anwen­dun­gen für Smart­pho­nes, die die Kamera dur­schlei­fen auf’s Dis­play und neben­bei aus dem Inter­net geo-​​basierte Infor­ma­tio­nen bezie­hen, wel­che sie dann über­la­gern — zum Bei­spiel den Link zum Wikipedia-​​Artikel des Köl­ner Doms.

Dann gibt es noch schwä­chere Anwen­dungs­fälle wie Barcode-​​Scanner und ähnli­ches, die es einem erlau­ben, zumin­dest Infor­ma­tio­nen aus dem meatspace pseudo-​​synchron zu beziehen.

Aber ein Pro­blem an der gan­zen Sache ist die feh­lende Direkt­heit der Inte­gra­tion — bis­her beschrän­ken wir uns auf mehr oder weni­ger kleine Dis­plays. Eine AR-​​Brille, die das ganze Sicht­feld erwei­tert, wäre zwar in dem Sinne auch nur ein recht gro­ßes Dis­play, aber zwei­fels­ohne immersiver.

Und dann ist natür­lich das Pro­blem der eigent­li­chen Daten­kon­trolle. Bis­her gibt’s ein­fach zu wenig ver­wert­bare Daten, um’s brauch­bar zu machen. Bei­spiel aus dem Leben:

Ich wollte mir einen Ruck­sack, online gefun­den, real anschauen — habe zwar dank Infor­ma­ti­ons­über­schuss sogar Video-​​Reviews zu dem Gerät gefun­den (erstaun­lich, was es alles gibt), aber das ersetzt natür­lich nicht das hap­ti­sche Begut­ach­ten eines Gerätes.

Rei­hen­folge also:

  1. Online Händ­ler in Köln raussuchen
  2. Zum Händ­ler fahren
  3. Ver­su­chen, zu fin­den, wo der Ruck­sack sein könnte
  4. Durch gutes Raten Ruck­sa­cke­cke gefunden
  5. Ruck­sä­cke durch­wüh­len nach dem gesuch­ten Modell
  6. Gesuch­tes Modell nicht finden

Natür­lich kann man mir hier jetzt vor­wer­fen, daß ich mit einem bio­lo­gi­schen agent (aka Ver­käu­fer) hier Arbeit spa­ren kann, aber darum geht’s ja gerade: beim digi­ta­len Bezie­hen der Infor­ma­tio­nen brau­che ich auch kei­nen agent.

Was man hier alles ver­bes­sern könnte ist unzäh­lig. Zum einen sollte man nicht suchen müs­sen, wo es ist. Des­wei­te­ren sollte man auch sehen kön­nen, ob der Ruck­sack über­haupt da ist, oder ob er viel­leicht aus dem Lager geholt wer­den kann.

Des­wei­te­ren sollte man, wenn man nicht gezielt da ist, auch pro­blem­los Zugriff aus Reviews aus dem Web haben. Aber da isses ja schon ein Meis­ter­akt, Infor­ma­tio­nen ver­schie­de­ner Review-​​Seiten zu vereinen.

Zukunft ist das nicht.

Also… mach mal wer AR. For science.